DJV entsetzt über Aus der "WR"-Redaktion: "Eine Zeitung ohne Redakteure - wo gibt es das denn?"

 

Die Empörung über die WAZ-Entscheidung, die "bisherige Redaktion" der "Westfälischen Rundschau" zu schließen, geht weiter: Nach der heftigen Kritik der ddvg melden sich nun auch der Deutsche Journalisten-Verband und der Deutsche Gewerkschaftsbund NRW zu Wort.

Die Empörung über die WAZ-Entscheidung, die "bisherige Redaktion" der "Westfälischen Rundschau" zu schließen, geht weiter: Nach der Kritik der SPD-Unternehmensholding ddvg melden sich nun auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und der Deutsche Gewerkschaftsbund NRW (DGB NRW) zu Wort. Der DJV-NRW bezeichnet den erneuten Kahlschlag zu Lasten der Mitarbeiter als ein "Desaster". Der Verlag habe den 120 betroffenen Redakteuren sind keine echte Chance gegeben.

Der Betriebsrat der "Westfälische Rundschau" ("WR") habe erst kurz vor der Mitarbeiterversammlung am Dienstag von den Plänen der Geschäftsführung erfahren. "Wir sind entsetzt", erklärt Helmut Dahlmann, Landesvorsitzender des DJV-NRW. Offensichtlich seien andere Optionen nicht ernsthaft ins Auge gefasst worden. "Hier wird die Medienkrise für einen weiteren Kahlschlag in der nordrhein-westfälischen Medienszene benutzt." Erstaunlich sei auch, dass die Maßnahmen nicht mit der SPD-Medienholding ddvg als Mitgesellschafterin abgestimmt waren.

"Armselig und einfallslos"

Den Titel "WR" will die WAZ-Gruppe auch ohne eigene Redaktion nicht aufgeben, die "WR" soll mit den Inhalten anderer Verlage gefüllt werden. "Eine Zeitung ohne Redakteure - wo gibt es das denn?", fragt Dahlmann. Es zeige die ganze Armseligkeit und Einfallslosigkeit der WAZ-Manager, wenn jetzt gerade in Dortmund, wo die "Westfälische Rundschau" eine Traditionszeitung mit sozialdemokratischer Ausrichtung gewesen sei, die Inhalte von den konkurrierenden "Ruhr Nachrichten" übernommen würden.

DJV-NRW-Landesvorsitzende ist geschockt

Der DJV-NRW-Landesvorsitzende ist geschockt, dass die WAZ-Gruppe ihre Mitarbeiter vor vollendete Tatsachen stellt und sie erneut ausbaden lässt, was die Führungsebene verbockt, heißt es weiter in der Mitteilung. "Wir beklagen schon seit der großen Entlassungswelle 2009 die eklatanten Fehlentscheidungen in diesem Medienhaus", sagt Dahlmann.

Inzwischen bestimmten wohl nur noch die Kosten das Konzept, spätestens seit im September 2012 das Sparziel "minus 20 Prozent über alle Bereiche" ausgerufen wurde. Dahlmanns mutmaßt außerdem , dass die neue Gesellschafterstruktur zum Aus der "WR" beigetragen habe. Es stelle sich die Frage, welche Rolle in diesem Zusammenhang die Banken spielen.

DGB NRW bezeichnet WAZ-Ankündigung als "Zynismus pur"

Zur Mitteilung der WAZ, die eigenständige Redaktion der "WR" aufzulösen, erklärt Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB NRW: "Die Schließung der 'WR'-Redaktionen wäre ein schwerer Schlag für die Beschäftigten und für die Meinungsvielfalt im Land." Seit jeher habe die "WR" in ihrem Verbreitungsgebiet für "wohltuende Konkurrenz zu weiteren WAZ-Titeln bzw. Zeitungen von anderen Verlagen gesorgt" und an der politischen Meinungsbildung mitgewirkt.

Die Ankündigung der WAZ-Gruppe, die Medienvielfalt mit einer redaktionslosen "WR" sicherstellen zu wollen, sei Zynismus pur. Eine Zeitung ohne Redaktion sei keine Zeitung. In den betroffenen Regionen stehe die "WR" für Qualitätsjournalismus, die Redakteure seien vor Ort fest verwurzelt. Die vorgesehenen neuen Rahmenbedingungen würden diese Qualität kaum einlösen.

Ihre Kommentare
Kopf

Anke Bührmann

15.01.2013
!

Seltsam, dass Unternehmen so gerne an den Mitarbeitern sparen. Immerhin sind das auch die, die mit ihrer Leistung dazu beitragen, dass Geld ins Haus kommt. Seltsam auch, dass im Printmedienbereich gerne über das Sterben der Zeitungen gejammert wird, wenn doch die Unternehmen selber als Totengräber agieren. Dabei bietet v.a. das Regionale lt. Experten den Zeitungen eine Zukunft. Redaktionen ohne Redakteure gibt es allerdings öfter. Doch ob es auf lange Sicht funktioniert u. den Kunden gefällt?


Max Boeddeker

Max Boeddeker

Axel Springer Verlag
Verantw. Redakteur Multimedia

16.01.2013
!

Ich kann die Verwunderung über die Personalstrategien einzelner Verlag nur bedingt nachvollziehen.

Ein derartiges Vorgehen ist doch schon seit langem üblich!
Aus eigener Erfahrung: Ein neubestellter Geschäftsführer wollte u. a. alle Redakteure aus Kostengründen entlassen oder zu "Traffic Managern umwandeln". Ein Marketing-Verantwortlicher dazu: "Ich könnte kotzen, wenn ich sehe, was Redakteure verdienen und wie wenig sie leisten!" Noch Fragen? Excel zählt eben mehr als Word.


AKS

16.01.2013
!

@ Max Boeddeker: Danke für diesen Kommentar! Ich könnte nämlich auch... Wenn ich mir vorstelle, was ihrerseits diese kurzsichtigen Brechreizbeschleuniger in den Management-Etagen der Verlagshäuser verdienen! Und was sie langfristig gesehen anrichten. Vor allem die, die sich keine Gedanken darüber machen, dass die Qualität einer Zeitung sicher nicht von ihnen gemacht wird... Aber Selbstherrlichkeit kommt vor dem Fall.


Philipp Seeberger

16.01.2013
!

Ich bin selber Freier für die WR. Mit 14! Jahren habe ich angefangen für die Jugendredaktion zu schreiben, als einzige Lokalzeitung in NRW pflegten einige Lokalredaktionen dieses Metier, junge Schreiberlinge ran zu lassen. Mit meinen 17 Jahren kann ich nun niergendswo weiter machen, wo ich angefangen habe, weil die meisten Verlage erst ab 18 Jahren Praktika vergeben und erst recht keine 17 Jährigen als Freier einstellen, obwohl sie mächtig was drauf haben und sich in der Branche gut auskennen.


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