Am Dienstag nächste Betriebsversammlung: "Klasse Zuspruch" für "Westfälische Rundschau"-Protest

20.01.2013
 

Die beiden Gewerkschaften DJV-NRW und dju sind mit der Resonanz auf ihren Aufruf zum Protestmarsch durch Dortmund "mehr als zufrieden". 1.200 Menschen hätten an diesem Samstag bei Minusgraden mehrere Stunden für die Redakteure der "Westfälischen Rundschau" und gegen ihre Abwicklung protestiert. Auch NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider und Medienministerin Angelica Schwall-Düren zeigten sich solidarisch.

Die beiden Gewerkschaften DJV-NRW und dju sind mit der Resonanz auf ihren Aufruf zum Protestmarsch durch Dortmund "mehr als zufrieden". 1.200 Menschen hätten an diesem Samstag bei Minusgraden mehrere Stunden für die Redakteure der "Westfälischen Rundschau" und gegen ihre Abwicklung protestiert. 

"Dieser Zuspruch durch Leser, Bürger, Presse und Politiker ist einfach klasse", freute sich die Geschäftsführerin des DJV-NRW, Anja Zimmer. Das mache Mut für weitere Aktionen und gebe in dieser katastrophalen Situation vor allem den betroffenen WR-Mitarbeitern enormen Rückhalt. "Der Protest heute zeigt, dass den Menschen ihre Lokalzeitung nicht egal ist und dass sie Qualität und Vielfalt in der Berichterstattung wollen", so Zimmer.

"Zeitungen nicht wie Blumenkohl auf dem Wochenmarkt handeln"

Die Nachricht von der Abwicklung der bisherigen "WR"-Redaktion sei auch für sie ein schwerer Schock gewesen: Mit diesen Worten begrüßte NRW-Medienministerin Angelica Schwall-Düren nach DJV-NRW-Angaben die Protestler auf dem Alten Markt. "Demokratie braucht vor allem im Lokalen Meinungsvielfalt, insofern ist die Schließung der WR-Redaktionen nicht nur eine unternehmerische Entscheidung", so Schwall-Düren. Sie appellierte an die gesellschaftliche Verantwortung der WAZ-Gruppe – ebenso wie ihr Kollege, NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider. "Es kann nicht sein, dass Zeitungen wie Zitronen oder Blumenkohl auf dem Wochenmarkt gehandelt werden“, rief er der trillerpfeifenden Menge zu, und forderte Vielfalt anstelle von Einfalt.

"Wir haben eine Verlegerkrise – und keine Zeitungskrise", skandierte DJV-Bundesvorstand Wolfgang Grebenhof, "an Inhalten zu sparen, ist ein absurd falscher Weg." Die WAZ-Führung füge der gesamten Branche schweren Schaden zu, sagte Grebenhof. "Kommen Sie zur Vernunft, besinnen Sie sich Ihrer Verantwortung!", forderte er das Management auf. "Revidieren Sie den Verrat an der WR – wir werden dafür kämpfen."

Dienstag nächste Betriebsversammlung

Der stellvertretende Leiter Südwestfalendesk bei der "WR", Volkmar Kah, sagte auf dapd-Anfrage: "Das ist schon ein deutliches Zeichen, dass eine ganze Region mitkämpft." Kah ist zudem stellvertretender DJV-Landesvorsitzender. Er betonte: "Natürlich tun solche Tage der Seele der Kollegen gut." Es hätten auch viele Mitarbeiter der anderen WAZ-Titel an der Kundgebung teilgenommen. Seinen Angaben zufolge erfahren die "WR"-Mitarbeiter am kommenden Dienstag (22. Dezember) auf einer Betriebsversammlung mehr über die Zukunft der Zeitung.

"Politische Gründe": Offener Brief an die WAZ-Geschäftsführung

Der "WR"-Betriebsrat hatte in einem offenen Brief am Freitag die WAZ aufgefordert, die Schließungen rückgängig zu machen. Er warf den WAZ-Geschäftsführern Manfred Braun, Christian Nienhaus und Thomas Ziegler vor, das Aus habe keine finanziellen Gründe. "Die öffentlichen Reaktionen bestärken den Betriebsrat in der Auffassung, dass politische Hintergründe zu dieser falschen und katastrophalen Entscheidung geführt haben."

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