"Reichweiten, von denen andere Verlage nur träumen": "ADAC Motorwelt" fährt ab März auch als iPad-App vor

 

Michael Ramstetter schert mal wieder zum Überholen aus: Am 28. Februar schickt der Chefredakteur der "ADAC Motorwelt" und oberster Kommunikator des zweitgrößten Automobilclubs der Welt eine Tablet-Lösung ins Rennen. "Wir müssen nicht die Ersten sein, aber immer die Besten", gibt er als Devise für die kostenlose Digital-Variante des Hefts aus.

Michael Ramstetter schert mal wieder zum Überholen aus: Am 28. Februar schickt der Chefredakteur der "ADAC Motorwelt" und oberster Kommunikator des zweitgrößten Automobilclubs der Welt eine Tablet-Lösung ins Rennen. "Wir müssen nicht die Ersten sein, aber immer die Besten", gibt er als Devise für die kostenlose Digital-Variante des Hefts aus.

An Selbstbewusstsein mangelt es den Gelben Engeln aus München nicht, angesichts von 18,4 Millionen Vereinsmitglieder denkt man beim ADAC stets in großen Dimensionen. Allerdings hat dies natürlich auch Kehrseiten. "Unsere Größe frisst uns die Haare vom Kopf", so Ramstetter, der das Luxusproblem hat, sein bei Anzeigenkunden gut gebuchtes Automagazin monatlich in einer 14-Million-Auflage drucken zu lassen - und das "auf dem dünstmöglichen Papier". 

Millionen-Kosten für den "Motorwelt"-Druck im Blick

Natürlich ergeben da Überlegungen, den Digitalisierungsschub radikal weiterzudenken, rasch Sinn - auch mit Blick auf die Entwicklung der "ADAC Motorwelt"-Druckkosten. Mittelfristig wird sich durch das iPad-Angebot, das alle Mitglieder ohne Zusatzkosten nutzen können, allerdings noch nicht allzu viel ändern. "Unsere Druckauflage wird sogar eher steigen, weil der ADAC laufend neue Mitglieder hinzugewinnt", so Ramstetter. Zudem besteht die Möglichkeit, dass ADAC-Mitglieder ihre Zeitschrift bis auf weiteres auch in Zukunft sogar sowohl gedruckt als auch in elektronischer Form beziehen können.

Warum also nun die Tablet-App, die vom Start weg für Apple- und Android-Geräte zur Verfügung steht? "Wir runden so unsere Digitalisierungsstrategie ab", so Ramstetter. Als letztes hatte er im Vorjahr eine Smartphone-News-App der "ADAC Motorwelt"-Redaktion herausgebracht, die bereits knapp 200.000 Mal heruntergeladen wurde und durchwegs sehr positive Kritiken erhielt. Insgesamt agiert der ADAC mit mittlerweile rund 80 Apps im Markt. Aktuell wird eine Benzinpreis-App entwickelt - in enger Abstimmung mit dem Bundeswirtschaftministerium.

"Nichts, was andere nicht auch haben. Aber von allem das Beste."

Nun folgt die 1:1-Wiedergabe der Monatszeitschrift für Tablets - wobei die Inhalte selbstverständlich um viel Bewegtbild, interaktive Grafiken sowie Audio-Inhalte ergänzt wurde. Viele Layouts wurden speziell für das iPad entwickelt", so Jochen Krauß, der stellvertretender "Motorwelt"-Chefredakteur und Leiter der zentralen Redaktion Online ist. Texte wurden jedoch an keiner Stelle gekürzt, sondern nur ansprechend aufbereitet. In jeder zweiten Ausgabe soll sogar der Titel animiert werden.

Trotzdem soll das Multimediale nicht zum Selbstzweck werden - und der Nutzwert der Inhalte im Vordergrund bleiben. "Es gibt in unser App nichts, was die anderen nicht auch haben", so Michael Ramstetter. "Aber wir verwenden von allem nur das Beste." Entwickelt und umgesetzt wurde die neue App komplett inhouse, allerdings fungierte die Münchner Strategieberatung Nunatak Group als eine Art digitaler Trendscout und half tatkräftig in der rund sechsmonatigen Geburtsphase der App. 

"Heraus kam ein Mittelweg zwischen den Ansprüchen des klassischen Print-Lesers und jener User, die sich in einer hyper-modernen Welt heimisch fühlen", erklärt Nunatak-Co-Gründer Robert Jacobi, der mit seinem Team als eine Art Interims-Projektmanager die Fertigstellung vorantrieb. Die Entwicklung der "Motorwelt"-Tablet-App ließ sich Ramstetter inklusive Software-Lizenzen dem Vernehmen nach einen "mittleren sechsstelligen Betrag" kosten. Die Anzeigenvermarktung für die Tablet-Ausgaben hat der ADAC-Mann ebenfalls in seinem Haus.

"Reichweiten-Regionen, von denen andere Verlage nur träumen"

Erwartet wird, dass die App schon bald von rund 200.000 Interessierten heruntergeladen wird. Wenn die Leser anbeißen und dann Monat für Monat neue "Motorwelt"-Ausgaben digital durchwischen, dann dürfte aufs Jahr gerechnet leicht die Millionen-Marke erreicht werden. "Wir stoßen in Reichweiten-Regionen vor, von denen andere Verlage nur träumen können", so Ramstetter. Und Papier spart er irgendwann auch noch. Die Vorstände des ADAC haben jedenfalls bereits angebissen: Dort gibt es alle Tischvorlagen ohnehin nur noch direkt auf iPad.

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