Wie Burda-Boss Kallen der Google-Übermacht trotzt: "Das Internet ist im Wesentlichen ein Transaktionsmedium"

25.01.2013
 

Die Hubert Burda Media konnte 2012 ihren Umsatz um 12,6% auf 2,45 Mrd Euro steigern. Das vertraute der Vorstandsvorsitzende Paul-Bernhard Kallen der "FAZ" in einem Interview an. Gewachsen sei man vor allem im Digitalbereich, im Verlag Ausland und im Druck. Im Verlag Inland habe Burda den Umsatz fast auf Vorjahresniveau gehalten.

Die Hubert Burda Media konnte 2012 ihren Umsatz um 12,6% auf 2,45 Mrd Euro steigern. Das vertraute der Vorstandsvorsitzende Paul-Bernhard Kallen der "FAZ" (Freitagsausgabe) in einem Interview an. Gewachsen sei man vor allem im Digitalbereich, im Verlag Ausland und im Druck. Im Verlag Inland habe Burda den Umsatz fast auf Vorjahresniveau gehalten - das deutsche Magazingeschäft würde "mehr als ein Viertel" der Gesamterlöse ausmachen. Kallen erwartet, dass sich das Wachstum fortsetzt, beim Umsatz und beim Geschäftsergebnis. Hubert Burda Media gibt ihr Geschäftsergebnis traditionell nicht bekannt.

Werbeerlöse im Internet seien für Verlage ein Seitenpfad, sagt Kallen der "FAZ".  Alle hätten gehofft, dass es anders kommt. Aber letztlich habe der Monopolist Google dafür gesorgt, dass das Internet im Wesentlichen ein Transaktionsmedium geworden sei, das vom Verkauf beziehungsweise von der Vermittlung von Waren und Dienstleistungen lebe, und habe für diejenigen, die Inhalte mit Markenwerbung finanzierten, kaum etwas übriggelassen. Burda habe daher für seine digitalen Medienangebote neue, transaktionsnahe Erlösquellen erschließen müssen (u.a. "HolidayCheck").

Hubert Burda Media macht fünfzig Prozent seines Umsatzes im Digitalen: "Der Kernpunkt ist, dass wir uns frei gemacht haben von dem Gedanken: Wir haben Inhalte, und die müssen wir nur digital ausspielen", erklärt Kallen. Auf Basis des Verständnisses des Netzes versuche man, andere Digitalprodukte zu entwickeln. "Mit Ausnahme von Xing betreiben wir dabei digitale Geschäfte, die seit vielen Jahren zu uns gehören, teilweise von uns mitgegründet wurden. Das sorgt für organisches Wachstum."

"Kreativitätskiller Google"

Der gesamte Inhaltsteil des Netzes habe sich ganz anders entwickelt, als man das vor fünfzehn Jahren erwartet hätte. Man hatte gedacht, die besten Chefredakteure wandern ab und würden etwas im Netz machen und gut daran verdienen, so Kallen. Google habe - "durch seine Tüchtigkeit wohlgemerkt" - dafür gesorgt, dass das nicht so gekommen sei. Durch seine schiere Größe ist der Such-Monopolist Google laut Kallen "zu einem Kreativitätskiller" geworden. Da Google den Löwenanteil der Werbeerlöse auf sich ziehe, bleibe wenig Geld für kreative Inhaltsangebote. Aber dennoch gebe es für Verlage Möglichkeiten - Kallen nennt das Burda-Portal "Chip.de": ein journalistisches Angebot, das durch Transaktionserlöse (Produktvergleiche, Preisvergleiche) finanziert werde. Ein anderes Beispiel sei "Focus.de". Das Nachrichtenportal sei um Rubrikengeschäfte wie die Partnersuche "Elitepartner.de" und die Arztsuche "Jameda.de" ergänzt worden. "Die unterschiedlichen Erlösströme sichern den Erfolg des Portals", sagt Kallen.

"Zeitschriften bieten die angenehmste Werbeform"

Dass das gedruckte Magazin bei Burda irgendwann Beiwerk wird, schließt der Konzernlenker aus: Die gedruckte Zeitschrift vermittele, wenn Sie mit Passion und gutem Handwerk gemacht seo, ein Leseerlebnis, das im Internet so nicht erfahrbar sei. Gleichzeitig würden Zeitschriften in der Wahrnehmung der Leser die angenehmste Werbeform bieten, die entsprechend auch positiv wirken würde. "Wir wollen auch in diesem Geschäftsbereich neue Produkte entwickeln", kündigt Kallen an.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.