Nach ARD-Doku tobt der Shitstorm: Amazon.de will Vorwürfe prüfen

14.02.2013
 

Amazon, der größte Online-Händler der Welt, will Vorwürfen einer ARD-Dokumentation über den Umgang mit Leiharbeitern in Deutschland nachgehen. In dem Film "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" ist u.a. zu sehen, wie Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma die Leiharbeiter und das Film-Team bedrängen. Die Reaktionen auf die Doku sind heftig:

Amazon, der größte Online-Händler der Welt, will Vorwürfen einer ARD-Dokumentation über den Umgang mit Leiharbeitern in Deutschland nachgehen. In dem Film "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" ist u.a. zu sehen, wie Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma die Leiharbeiter und das Film-Team bedrängen. "Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten", teilte Amazon am Donnerstag in München gegenüber dpa mit. Man dulde keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung.

In der ARD-Doku, die am 13. Februar 2013 um 22:45 Uhr zu sehen war, wird gezeigt, wie Amazon Deutschland für das Weihnachtsgeschäft "Wanderarbeiter aus dem Ausland" wirbt. Für viele Spanier sei der Ruf nach Deutschland in Zeiten der Eurokrise wie ein Lottogewinn, heißt es in dem Film. Was die Arbeiter tatsächlich erwarte, sei eine böse Überraschung: Nicht Amazon lege ihnen in Deutschland einen Vertrag vor, sondern eine Leiharbeitsfirma. Der ARD-Dokumentation von Diana Löbl und Peter Onneken zufolge, führe hier ein Sicherheitsdienst eine Regime, das auf Einschüchterung setze und immer wieder in die Privatsphäre der Arbeiter eindringe. Wer sich wehre, fliege fristlos raus.

Heftige Reaktionen auf Facebook

Die Reaktionen auf die Doku sind heftig: In den sozialen Netzwerken fegt der Shitstorm über Amazon hinweg. Vor allem die Facebook-Community-Manager von Amazon.de haben alle Hände voll zu tun. Minütlich gibt es neue deftige Einträge:

"Faschistoide Ausbeuter! Es wird Zeit Euch das Handwerk zu legen! Ich bin raus",

"Occupy Amazon: Ladet all eure Freunde ein und setzt ein Zeichen gegen diesen Ausbeuterbetrieb. Billig ist nicht alles und nie auf Kosten der Mitarbeiter",

"liebes amazon-sklavenförder-team, nach diesem bericht auf ARD wünsch ich mir, zu weihnachten, dass ihr pleite geht..."

Dazu gibt es Anleitungen, wie man sein Amazon.de-Konto löscht. Doch es gibt auch differenziertere Stimmen: 

Der Shitstorm hält ja noch an... Aber nur mal so als Denk-Anstoß. Verhindert Amazon seit Jahren den Mindestlohn? Hat Amazon die Leiharbeit politisch gefördert? Natürlich hat jede Firma eine Unternehmerische Verantwortung und dieser hat Amazon, im moralischen Sinne, auch Folge zu leisten. Ob sie es machen, kann ich schwer beurteilen. Rein aus dieser kurzen Doku mag ich mir da kein globales Bild drüber zu machen. Aber gerade die Sache mit der Sicherheitsfirma und die Umstände, wie die Mitarbeiter in oder von ihren Unterkünften gebracht werden, sowie auch die "Versprechungen", sollte dringend von Amazon aufgearbeitet werden.

Und mache bekunden ihre Treue zu Amazon.de:

Was für eine Heuchlerei alles. Ich bleibe Amazon treu. Ich habe schon in schlimmeren Branchen gearbeitet und kann euch sagen, ihr seid alle weltfremd!

Der Shitshorm bei Amazon.de/Facebook befindet sich noch im Anfangsstadium. Ob er nach kurzer Zeit - wie viele andere vor ihm - wieder verpuffen wird, oder ob das Geschäft und der Ruf von Amazon Deutschland durch die Doku nachhaltig beeinflusst wird - noch unklar.

Ausführliche Stellungnahme von Amazon.de 

Update: Inzwischen liegt eine ausführliche Stellungnahme von Amazon.de vor:

"Über 7.700 festangestellte Mitarbeiter arbeiten in den deutschen Amazon-Logistikzentren, in der Weihnachtssaison stellen wir zusätzliche Amazon-Mitarbeiter saisonal befristet ein. Diese Mitarbeiter unterstützen uns, um die erhöhte Anzahl an Kundenbestellungen in Spitzenzeiten zu bewältigen. Gleichzeitig haben wir dadurch die Möglichkeit, potenzielle neue langfristige Mitarbeiter kennenzulernen und gemäß unserem zukünftigen Wachstum einzustellen. In absoluten Spitzenzeiten arbeiten wir darüber hinaus mit Zeitarbeitsfirmen zusammen.

Alle Mitarbeiter, die länger als ein Jahr in den Amazon-Logistikzentren in Deutschland arbeiten, verdienen über 10 € brutto pro Stunde; im ersten Jahr über 9,30 € brutto. Die in dem Beitrag erwähnten Mitarbeiter aus Spanien, die über eine Zeitarbeitsfirma im Logistikzentrum Bad Hersfeld beschäftigt wurden, verdienten bei einer 37,5 Stundenwoche 1.400 € brutto im Monat, in der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1.500 Euro im Monat. Diese Beträge wurden per Vertrag auch dann bezahlt, wenn nicht die volle vertragliche Stundenzahl angefordert wurde.

Sicherheit hat oberste Priorität in unseren Logistikzentren. Wir nehmen die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter sehr ernst und überprüfen externe Dienstleister, die die Unterbringung von Saisonkräften aus anderen Regionen verantworten, regelmäßig. Wichtig ist uns hier auch die Rückmeldung unserer Mitarbeiter: Wann immer Mitarbeiter Verbesserungen im Rahmen der Arbeitsbedingungen oder der Unterbringung vorschlagen, prüfen wir dies umgehend.

Amazon duldet keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung. Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten.

Unser Ziel ist es, Bestellungen unserer Kunden jederzeit schnell und zuverlässig auszuliefern. Wir wissen: Das geht nur mit zufriedenen Mitarbeitern - unabhängig davon, ob sie langfristig beschäftigt, saisonal angestellt oder uns über eine Zeitarbeitsfirma unterstützen. Sie können sicher sein, dass wir jedem Vorfall in unseren Logistikzentren und im Umfeld, der uns von Mitarbeitern zur Kenntnis gebracht wird, nachgehen und bei Bedarf umgehend Verbesserungen einleiten. Weitere Informationen zur Arbeit in unseren Logistikzentren finden Sie unter www.amazon.de/logistikzentren."

Ihre Kommentare
Kopf

Robert Niedermeier

14.02.2013
!

Schlimm, dieses ARD, macht ständig Stress! Erst wird tui objektiv dargestellt, jetzt trifft es Amazon. Überhaupt sollte es Journalisten erschwert werden, über wichtige Arbeitgeber zu berichten. Aber diese Öffentlich-Rechtlichen glauben wohl, die könnten sich alles erlauben. Ironie ist eigentlich die einzige Möglichkeit, den gestrigen Beitrag ohne Wutausbrüche gegen Amazon zu verkraften. Bin gespannt, mit welchen wording amazon sich als Saubermann präsentieren wird.


Dennis Kn

14.02.2013
!

Der Shitstorm erreicht offenbar nun auch die Facebook-Seite des Hotels Seepark Kirchheim, in dem die offensichtlich rechtsradikale Security-Firma "H.E.S.S." die Amazon-Angestellten malträtiert hatte... https://www.facebook.com/SeeparkKirchheim?filter=2


Kai-Steffen Schwarz

14.02.2013
!

Die in der Doku gezeigten Verhältnisse sind absolut skandalös, es bleibt einem schlicht die Spucke weg - modernes Sklaventum, bewacht und bedroht von einer Nazi-Security. Da wird es mehr brauchen als ein paar warme Worte im Nachhinein, um diesem PR-Super-GAU zu begegnen.


AKS

14.02.2013
!

Habe nur den Tagesthemen-Beitrag vorab zu "Amazon" gesehen - aber bei "H.E.S.S.-Security" und den gezeigten Typen in ihrer Nazi-Couture von Thor Steinar - da bleibt mir glatt die Spucke weg. Man sollte echt mal die politische Gesinnung der deutschen Amazon-Chefs hinterfragen... Unglaublich!


F

15.02.2013
!

@Robert Niedermeier: Willkommen in der Diktatur ? Zensur ?
Ihr Kommentar ist ja absolut unterirdisch. Wir leben in einer Demokratie und haben Pressefreiheit. Vielleicht überlegen Sie mal ihre eigenen Vorstellungen von Demokratie (oder wandern am Besten gleich Richtung Russland und Co aus).
Unglaublich !


John Frame

15.02.2013
!

Das allerschlimmste ist aber, das die bei Amazon immer noch mehr verdienen als Ich. Arbeite 40h Woche und bekomme 200€ weniger Brutto


DK

15.02.2013
!

So ein Schwachsinn. Ich hab auch im Weihnachtsgeschäft bei amazon gearbeitet und kann mich weder über die Bedingungen noch Verträge noch Ausbeuterei oder einen zu geringen Verdienst beschweren. Ich kann den Umgang dort nur als sehr freundlich und entgegenkommend beschreiben. Und Kritik hat ihre Gründe... Ich persönlich hab auch keine Probleme mit der Security gehabt, aber da kann ich nur von mir sprechen und es mag sein, dass es auch andere Erfahrungen diesbzgl gibt.


RAUG

15.02.2013
!

@ F:

gell schlimm, dieser Robert Niedermeier! Könnte doch auch noch deutlicher sagen, dass sein Beitrag ironisch gemeint ist, so dass auch wirklich jeder das versteht!!

OMG


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