NDR lässt Cascada-Grand-Prix-Song überprüfen

Der Norddeutsche Rundfunk lässt nach Plagiatsvorwürfen den Grand-Prix-Vorentscheid-Siegersong "Glorious" überprüfen. Ein musikwissenschaftliches Gutachten sei in Auftrag gegeben worden, so ein Sprecher des NDR. Der Song der Bonner Band Cascada ist am Donnerstag in einer ARD-Show als deutscher Beitrag für den diesjährigen Eurovision Song Contest gewählt worden. Das Ergebnis des Gutachtens soll im Laufe der Woche vorliegen.

Kritiker behaupten, "Glorious" ähnele sehr dem letztjährigen Grand-Prix-Sieger-Titel "Euphoria" der schwedischen Sängerin Loreen. Die Sprachwissenschaftlerin Tina John sagte der "Bild am Sonntag": "'Glorious' wirkt wie eine Kopie von 'Euphoria' mit kleinen, raffinierten stilistischen Änderungen." Ähnlichkeiten seien beim Aufbau der Beats, bei der Gesangsdynamik und der Pausensetzung zu erkennen. "Am Anfang ist der Gesang absolut identisch, der Refrain benutzt die gleiche Akzentuierung, der Schluss gipfelt in einer identischen Kombination. Die Sängerinnen benutzen sogar die gleiche Atemstylistik", so die Forscherin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Dazu Thomas Schreiber, Unterhaltungschef des NDR und ARD-Koordinator Unterhaltung: Jedes Jahr gebe es Versuche, den Eurovision Song Contest oder teilnehmende Künstler zu skandalisieren. Dazu zählten Plagiatsvorwürfe, Foto- oder andere scheinbare Enthüllungsgeschichten.  "Bereits im vergangenen Jahr wurde Loreens 'Euphoria' vorgeworfen, unter anderem von David Guetta und Rihanna geklaut zu sein - Vorwürfe, die sich in Nichts auflösten", so Schreiber.

Cascada-Sängerin Natalie Horler hält die Plagiatsvorwürfe für unberechtigt: "Wir können die beiden Lieder gerne mal übereinanderlegen. Es sind zwei unterschiedliche Lieder." 

3,24 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer hatten im Schnitt den von Anke Engelke moderierten ESC-Vorentscheid "Unser Song für Malmö" in der ARD verfolgt. Bei den 14- bis 49-Jährigen lag der Marktanteil bei 11,5 Prozent (1,38 Millionen). Insgesamt betrug der Marktanteil 10,4 Prozent.

Der Eurovision Song Contest 2013 steigt am 18. Mai im schwedischen Malmö.

18.02.2013
Ihre Kommentare
Kopf

Uli Singer

18.02.2013
!

Ja, dieser Sieger-Song klingt wie Millionen andere auch... Gewinnchancen gleich Null...
Schade, das der handgemachte Song aus Bayern - wie auch immer - von dieser Diso-Tante überflügelt wurde...


Tom Knauer

18.02.2013
!

Interessanter jedoch, als die, meiner Meinung nach offensichtlichen, Ähnlichkeiten der beiden Songs, dürfte der Fakt - vielleicht fällt es ja auch mal irgendeiner unserer investigativen Edelfedern mal auf - sein, dass drei der vier singenden Jurmitglieder (Herr Urban singt ja noch nicht) bei Universal unter Vertrag stehen ebenso wie - Hoppla, was für ein Zufall - die Sieger-Band Cascada.
Man muss kein Verschwörungstheroretiker sein, um diese Folge von Zufällen zumindest unanständig zu finden.


Gerd -R. Schmidtke

18.02.2013
!

warum fällt die Ähnlichkeit (s. Plagiatsvorwurf) erst nach der Entscheidung auf? Oder hat es bis dahin niemanden interessiert?


KFR

18.02.2013
!

möchte nicht annehmen, dass copy-paste in den öffentlich rechtlichen gar nicht mehr auffällt, weil es täglicher Standard ist ??


Bernd Schwintowski

18.02.2013
!

Der Plagiatismus ist doch im Fernsehen längst programmatischer Standard: Einst war "Dynasty" die Blaupause von "Dallas" und heute beherrschen Kochsendungen oder die Suche nach irgendwelchen "Stars" nahezu alle Sender. Selbst Details wie die Studio-Deko oder musikalische Dramaturgie bei Quiz-Shows ähneln dem Vorbild von "Wer wird Millionär?". Und nicht erst seit den hohlen Bohlen Erfolgen hat sich auch in der Musik-Industrie die Erkenntnis durchgesetzt: Kopieren geht über Studieren.


Wolfgang Messer

Wolfgang Messer

- Freiberuflich tätig -
TV-Sprecher, Blogger und Redakteur

19.02.2013
!

Das kommt halt dabei 'raus, wenn ein Boulevardblatt Musik durch Sprachwissenschaftler untersuchen lässt:
http://www.bildblog.de/46291/plagiorious/
Ob man künftig bei "Bild" Musikwissenschaftler auf Plagiate in Buchtexten (z. B. Doktorarbeiten) ansetzt? Konsequent wär's ja.


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