Mehr als 18 Mio Sat-Haushalte in Deutschland: Satellit hängt Kabel-Nutzung deutlich ab

 

"Endlich erwachsen", freut sich Astra-Deutschland-Geschäftsführer Wolfgang Elsäßer. Seinen stolz ans Revers gehefteten "18+"-Button möchte er nicht als FDP-Nostalgie verstanden wissen, sondern als Leistungsnachweis. 2012 erreichte er 18,07 Mio Sat-Haushalte. Der Kabelempfang fiel erstmalig unter die 17-Mio-Marke auf nun 16,70 Mio Haushalte.

"Endlich erwachsen", freut sich Astra-Deutschland-Geschäftsführer Wolfgang Elsäßer. Seinen stolz ans Revers gehefteten "18+"-Button möchte er nicht als FDP-Nostalgie verstanden wissen, sondern als Leistungsnachweis. 2012 erreichte er 18,07 Mio Sat-Haushalte. Der Kabelempfang fiel erstmalig unter die 17-Mio-Marke auf nun 16,70 Mio Haushalte.

"Deutschland ist ein riesiger Satelliten-Markt, der weiter wächst", freute sich Elsäßer bei der Vorstellung des neuen TV-Monitors 2012, der auf Erhebungen von TNS Infratest MediaReseach basiert. "Jede Diskussion über die Schwierigkeiten auf den Kabelmarkt oder die Ausspeisung von ARD-Sendern im Kabel hilft uns", sagte er mit Blick auf Konkurrenten wie Kabel Deutschland und Unity Media.

"DVB-T wird nicht wachsen"

Tatsächlich haben die Kabelnetz-Anbieter 2012 rund 570.000 Haushalte verloren. Astra konnte dagegen um 530.000 Haushalte zulegen. Trotz der ungewissen Zukunft nach dem angekündigten RTL-Rückzug hält sich die DVB-T-Übertragung noch einigermaßen konstant. 2012 stiegt sie leicht auf 2,05 Mio Haushalte. Über IPTV empfangen deutschlandweit 1,26 Mio Haushalte ihr Fernsehsignal, 2011 waren es 1,25 Mio. "DVB-T wird nicht unbedingt wachsen", sagte Elsäßer und versuchte diplomatisch zu bleiben. Die RTL-Ankündigungen erfolgten erst im November - nachdem die telefonische Marktbefragung bereits durchgeführt war.

Digital-Quote steigt auf 80 Prozent

Erfreulich für das Aufsetzen neuer Geschäftsmodelle ist die hohe Digitaldurchdringung: 80 Prozent aller deutschen Haushalte empfangen ihr Fernsehsignal in dieser Technik - darunter 59,3% über Satellit, 29,8% über Kalbe sowie 6,7% über DVB-T und 4,1% über IPTV. Laut der aktuellen Astra-Befragung spielen rund 1,3 Mio Kabelhaushalte mit dem Gedanken, "in nächster Zeit" zum Sat-Empfang zu wechseln. 2012 kamen bei Astra 30 neue Kanäle hinzu, in diesem Jahr möchte Elsäßer die Anzahl von 300 ausgestrahlten Kanälen überschreiten.

Deutschland nur Vize-Europameister beim HD-Empfang

Wachstumstreiber ist weiterhin die HD-Technik, aktuell werden über Astra 63 HD-Kanäle ausgestrahlt - weitere stehen in den Startlöchern. Damit liegt Deutschland zwar noch hinter Großbritannien mit 80 HD-Sendern, aber mit deutlichem Vorsprung vor Frankreich (45) und Spanien (32) als Vize-Europameister da. Aktuell empfangen in Deutschland 7,9 Mio Haushalte ihr HDTV-Signal über Satellit, 4,5 Mio bekommen es über Kabel.

Laut TNS Infratest-Erhebungen würden 61% der Über-14-Jährigen in HD-Haushalten gerne noch mehr HD-Programme empfangen. 33% unterschreiben sogar die Aussage, dass Werbung in HD-Qualität attraktiver sei als in normaler Bildauflösung. 

Knapp eine Mio Kunden nutzen HD+

Zusatzgeschäft erwartet sich Astra vom Ausbau des HD+-Angebots, bei der die HD-Sender der Privat-TV-Anbieter etwa aus der RTL- und der ProSiebenSat.1-Familie bezogen werden können. Aktuell zählt Astra 2,87 Mio Haushalte, die HD+ beziehen - darunter aber viele Nutzer, die auf das kostenlose zwölfmonatige Testangebot zugreifen. Aktuell bezahlen exakt 944.933 Kunden für das HD+-Angebot. 2013 möchten Elsäßer und der HD+-Geschäftsführer Timo Schneckenburger im Jahr 2013 die Kundenzahl um 25% steigern. 

Dabei sollen Zusatzangebote helfen - etwa das Angebot HD+RePlay, mit dem über das Fernsehgerät auf die Mediatheken der großen Privatsenderfamilien zugegriffen werden kann, um etwa verpasste Sendungen noch einmal zu sehen. Bislang ist dort die RTL-Familie mit RTLnow, Voxnow und SuperRTLnow an Bord. Schneckenburger kündigte an, dass Vertragsabschlüsse mit der zweiten großen Privatsenderfamilie kurz bevorstünden. 

Einfaches Weiterverteilen des Sat-Signals zuhause

Sehr kundenfreundlich wirkt zudem das neue Angebot Sat>IP, das eine Weiterverteilung des über Satellit bezogenen Fernsehsignals in den Wohnungen ermöglichen soll. Dafür kann man sich im Handel einen Signal-Converter besorgen, der den TV-Empfang über bis zu vier verschiedene Endgeräte - etwa einen Zweitfernseher, aber auch Tablets oder Smartphones ermöglicht. Für den kabelsalat-freien Empfang von Free-TV-Programmen in der Homezone wird Astra keine Zusatzgebühr verlangen. 

3D-Fernsehen ohne echte Zukunftsperspektive

Von 3D-Fernsehen war dagegen auf der Trend-Prognose kaum mehr eine Rede. "3D hat sich im linearen Fernsehen nicht wirklich durchgesetzt", sagte Elsäßer in München. Allerdings sehe er weiter Potenzial im Games-Bereich. Stattdessen kalkuliert Astra damit, dass spätestens ab 2016 die 4k-Technologie UltraHD in Deutschland marktfähig werden könnte. Sie dürfte dann auch brillenlosem 3D-Anwendungen zum Durchbruch verhelfen.

Bislang ist die Verwertungskette angefangen mit entsprechenden Inhalten über Vertrieb bis hin zu den Endgeräten noch nicht geschlossen. Dennoch wird Astra spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2013 für den Handel einen UltraHD-Testkanal eröffnen. Beim Trommeln für die 3D-Angebote ging man einst ähnlich vor.

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