VDZ kontert im #LSR-Streit: "Google ist der einzige Taxifahrer, der unterwegs ist"

19.02.2013
 

Google sorgt derzeit in der Hauptstadt mit einer Taxi-Kampagne für Aufsehen. Damit will das Internet-Unternehmen die "Absurdität" des geplanten Leistungsschutzrechts verdeutlichen. Die Antwort der Verleger folgte prompt:

Google sorgt derzeit in der Hauptstadt mit einer Taxi-Kampagne für Aufsehen. Damit will das Internet-Unternehmen die "Absurdität" des geplanten Leistungsschutzrechts verdeutlichen. Die Antwort der Verleger folgte prompt: "Google ist kein Taxifahrer, der die Gäste dahin bringt, wohin sie wollen, sondern praktisch der einzige Taxifahrer, der unterwegs ist und damit auch die Spielregeln zum eigenen Vorteil bestimmen kann."

Der VDZ weiter: "Das Leistungsschutzrecht soll den Verlegern das Recht geben, als Unternehmer selbst über die Nutzung der Inhalte zu entscheiden." Die teure und grobe Google-Kampagne würde dagegen zeigen, dass das Unternehmen mit weit über 90% Marktanteil äußersten Wert darauf lege, dass das Geistige Eigentum der Verlage mit ihren Journalisten ungeschützt bliebe und die Unternehmen allein vom guten Willen des Weltkonzerns abhingen. Gleichzeitig stelle Google null Transparenz bei den Auswahlkriterien des internen Suchalgorythmus her, stellt der VDZ klar.

Mit einem Zitat des Bloggers und Journalisten Marius Sixtus befeuert Google derzeit seine Anti-Leistungsschutzrecht-Kampagne "Verteidige dein Netz". Sixtus kommentierte den Grundgedanken des geplanten Leistungsschutzrechts für Presseverlage wie folgt: "Mit der gleichen Logik könnte ein Restaurantbesitzer von Taxifahrern Geld verlangen, die ihm Gäste bringen." Dieser Satz ist ab sofort auf den Kopfstützen von rund 600 Berliner Taxis zu lesen. Interessierte Fahrgäste können sich über ein im Taxi ausliegendes Faltblatt weiter zum Thema informieren. Außerdem setzt Google seine Informationskampagne mit Anzeigen in Tageszeitungen und auf Webseiten fort.

"Mit unserer Taxi-Kampagne verdeutlichen wir die Absurdität des geplanten Gesetzes", erklärte Kay Oberbeck, Sprecher von Google Nordeuropa. "Nach aktuellen Zahlen leiten wir pro Monat 6 Milliarden Klicks auf Verlagsangebote weltweit weiter. Die Artikel der Zeitungen werden nicht 'bei Google', sondern auf den Verlagsseiten online gelesen." Google sei im übertragenen Sinn das "Taxi", das den "Restaurantbesitzern", also den deutschen Presseverlagen, im Schnitt bis zu 50% ihrer Leser liefert, so Oberbeck weiter. "Die Argumente aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gegen dieses Gesetz sind erdrückend - unsere Anzeigen- und Onlinekampagne mit Zitaten namhafter Experten stellt das heraus. Wir appellieren an die Parlamentarier, dieses Gesetzesvorhaben zu stoppen."

Ihre Kommentare
Kopf

Stephan Mahlow

19.02.2013
!

"Google ist kein Taxifahrer, der die Gäste dahin bringt, wohin sie wollen, sondern praktisch der einzige Taxifahrer, der unterwegs ist und damit auch die Spielregeln zum eigenen Vorteil bestimmen kann."
Ich lese diesen Satz jetzt zum fünften Mal und verstehe das Bild nicht. Ich kenne viele schiefe Bilder. Das hier ist nicht einmal das.
Kann mir jemand erklären, wie das gemeint sein könnte?


Maurice Jeurissen

19.02.2013
!

Hallo Stephan,
m. E. entbehrt schon die Metapher, die Marius Sixtus in seinem Blog berührt jeder Grundlage.
Wenn Google in diesem Bild wirklich der Taxifahrer ist und die Verlage das Restaurant, dann verdient sich der Taxifahrer doch nur deshalb eine goldene Nase, weil er seinen Fahrgästen außer Fastfood-Ketten auch eine riesige Vielfalt an Gourmet-Restaurants anbietet u. nebenher noch gratis Kostproben der gesamten Speisekarte.
Diesen "Gruß aus der Küche" leisten die Köche nicht freiwillig...


Mario Steinheil

20.02.2013
!

Ich habe ein anderes Bild: Verlage bezahlen schon immer ihre Einzelhändler dafür, dass sie ihre Zeitungen und Zeitschriften ins Regal legen und verkaufen. Gut. Übetragen auf diese Situation in Print würde das LSR bedeuten: Die Verlage würden den Händlern die Provision streichen und umgekehr jetzt von ihnen Kohle dafür VELRANGEN, dass sie die Zeitschrift ins Regal legen. Absurd? Eben. Die Verlage müssen endlich begreifen, dass Google ihr Riesen-Kiosk für das Produkt Webseite ist. Bums aus fertig.


Mario Steinheil

Mario Steinheil

Motor Presse Stuttgart
Leiter Digitale Medien im Geschäftsbereich Sport

20.02.2013
!

Bevor es Missverständnisse gibt: Natürlich nimmt Google (Stand jetzt) keine Provision. Aber die Aufwände, die Verlage für SEO treiben, kann man durchaus in diese Richtung verstehen. Es wäre klug, wenn die LSR-Verfechter unter den Verlagschefs (in der Regel zu weit weg vom operativen Geschäft) mal von ihren Webverantwortlichen vorrechnen lassen würden, wie die Umsatzeinbrüche bei eine Woche oder einen Monat ohne Google-Traffic aussehen würden ...


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