"Focus"-Chef Quoos kritisert Google: "Das ist eine Erzsauerei"

 

Der neue "Focus"-Chefredakteur Jörg Quoos bezieht in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagsausgabe) klare Stellung zum Thema Leistungsschutzrecht: "Google bereichert sich an unseren Inhalten, und das ist eine Erzsauerei. Wir brauchen ein Leistungsschutzrecht."

Der neue "Focus"-Chefredakteur Jörg Quoos bezieht in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagsausgabe) klare Stellung zum Thema Leistungsschutzrecht: "Google bereichert sich an unseren Inhalten, und das ist eine Erzsauerei. Wir brauchen ein Leistungsschutzrecht." Dass sich die französischen Verlage mit 60 Mio Euro, die Google in einen Digitalfonds zahlt, abspeisen lassen, halte er für einen schlechten Witz. Das könne kein Vorbild für Deutschland sein.

"Nur Nachrichten sind zu wenig"

Außerdem sagte Quoos der "FAZ", wie er sein Magazin weiterentwickeln möchte. Ein Nachrichtenmagazin könne nicht überleben, wenn es nur erklären will. "Sie brauchen eigene Zugänge, sie brauchen eigene Geschichten, sie brauchen exklusive Hintergründe." Nur Nachrichten seien auch zu wenig, so Quoos im Interview. "Sie müssen den Lesern in einer immer komplexeren Welt den Weg weisen. Auch mit gut recherchierten Nutzwert-Geschichten, die eine Stärke des 'Focus' sind."

Zudem werde er "versuchen, die Politik, wenn sie richtig wichtig ist, aufs Cover zu heben". "Die Frage ist: Wann ist die Politik auch für den Leser so relevant, dass sie auf die Seite eins muss? Das ist dann der Fall, wenn sie mein Leben gravierend berührt oder außergewöhnliche Dramen erzählt", so Quoos. Bereits mit seiner ersten Ausgabe Anfang Januar setzte er ein deutliches Signal: Das Titelbild zierte keine ranke Schönheit, die von ihren Gesundheitsvorsätzen fürs neue Jahr erzählt, sondern ein lädierter Kanzler-Kandidat Peer Steinbrück, der direkt von einer ruppigen Silvesterparty zu kommen schien.

Bei der Niedersachsenwahl habe er die gesamte Redaktion zu einer Sonderschicht beordert: "Ich habe achtzig Kollegen das Wochenende verdorben, indem ich sie gebeten habe, in die Redaktion zu kommen. Wir haben am Sonntagabend ein Wahlspecial erarbeitet, 28 Seiten, und es in einer Teilauflage nachgeschickt. Um 23:44 Uhr kam das Ergebnis des Landeswahlleiters, um zehn Minuten vor zwei sind wir fertig gewesen."

Quoos setzt auf Zusammenarbeit statt Konkurrenzkampf

Zu möglichen Veränderungen in der Redaktion hält sich Quoos im Gespräch mit der "FAZ" bedeckt: "Wenn ich mir ansehe, wie andere an ihren Organigrammen herumschrauben und mit Ressortzuständigkeiten jonglieren, wird mir schwindlig." Er wolle die Ressorts zur Zusammenarbeit bringen. Wichtig sei ihm: "Bei komplexen Recherchen, an denen viele beteiligt sind, muss einer als Verantwortlicher den Hut aufhaben und koordinieren." Nur Redaktionen, die alle Kraft in Recherche stecken und nicht in interne Konkurrenzkämpfe, würden am Ende die Nase vorn haben, so Quoos.

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