ProQuote zieht Bilanz nach einem Jahr: Sonderlob für "Zeit", Kritik an "SZ" und "FAZ"

22.02.2013
 

Die Journalistinnen-Initiative ProQuote Medien hat ein Jahr nach ihrer "Brief-Aktion" eine "gemischte Bilanz" gezogen. Bei "Zeit", "Berliner Zeitung", "taz" und RBB stimme die Quote, "SZ" und "FAZ" seien aber weiter männerdominiert.

Die Journalistinnen-Initiative ProQuote Medien hat ein Jahr nach ihrer "Brief-Aktion" eine "gemischte Bilanz" gezogen. Bei "Zeit", "Berliner Zeitung", "taz" und RBB stimme die Quote, "SZ" und "FAZ" seien aber weiter männerdominiert. Die kritische  Haltung von "SZ" und "FAZ" werde unkritisch, wenn es um Chancengleichheit in den eigenen Häusern geht,  so ProQuote-Vorsitzende Annette Bruhns, Redakteurin beim "Spiegel". "Beide Blätter haben genau zwei Ressortleiterinnen, und damit einen Frauenführungsanteil von jeweils neun Prozent." ProQuote habe deren Chefredaktionen mehrfach zum Dialog aufgefordert – ohne Resonanz.

Bei der "Zeit" habe ProQuote dagegen eine Tür aufgestoßen. "Drei Tage nach Erhalt des Briefs versprach Chefredakteur Giovanni di Lorenzo auf der Titelseite, er werde unsere Forderung in die Tat umsetzen", sagt Bruhns. Inzwischen habe die Wochenzeitung 30,4 Prozent Frauen in Führung und mit Sabine Rückert eine stellvertretende Chefredakteurin. Bei der "Berliner Zeitung" hat seit Juli mit Brigitte Fehrle eine Frau sogar den Hut auf – in einer Redaktion mit 40 Prozent weiblicher Führungskraft. "Ähnliches gilt für den Sender Radio Berlin-Brandenburg, der eine Intendantin und fast 40 Prozent Frauen in Führung hat", erklärte Bruhns. Bei "Bild" seien gleich drei Frauen in die Chefredaktion aufgerückt. Auch die "tageszeitung" beweise seit vielen Jahren, dass Blattmachen keine "Männersache" sei. 

Und Leitmedien, deren Chefs eine Quote ablehnen würden, hätten im letzten Jahr ihren Frauenführungsanteil gesteigert: In der "Spiegel"-Redaktion leiten ProQuote zufolge jetzt "immerhin" sechs Frauen Textressorts, fünf davon stellvertretend. Vor einem Jahr gab es nur drei Vize-Ressortleiterinnen. Die Digitaltochter "Spiegel Online" hat den Chefinnenanteil auf 27,6 Prozent gesteigert.

"Für ProQuote zählen dabei nicht allein Durchschnittswerte", erläuterte Bruhns. „Wir fragen immer, wie viele Frauen ganz oben mit entscheiden." Beim "Hamburger Abendblatt" etwa liegt der Frauenanteil auf Ressortleiterebene bei 42 Prozent, in der achtköpfigen Chefredaktion dagegen bei null. Chefredakteur Lars Haider wolle sich dem Problem stellen. "Bis 2017 bleibt jetzt die Aufgabe, das Ziel durchgehend auf möglichst allen Hierarchieebenen zu schaffen", schrieb Haider an ProQuote.

Am 26. Februar 2012 hatten 350 deutsche Journalistinnen aus allen Medien, darunter namhafte wie Anne Will, Antonia Rados oder Iris Radisch, die Chefredakteure, Intendanten und Herausgeber in einem offenen Brief aufgefordert, bis 2017 mindestens 30 Prozent Frauen auf jeder redaktionellen Hierarchieebene zu installieren. Seitdem haben sich mehr als 4.000 Kollegen dem Aufruf angeschlossen, und ein Viertel der Adressaten hat auf den Brief geantwortet. Die mehr als 50 Antworten – von Regionalzeitungen über den Springer-Verlag bis hin zum ZDF und anderen TV-Anstalten – hat die Initiative auf ihrer Website www.pro-quote.de veröffentlicht.

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