Vox-Überfliegerserie "Grimm" im kress-Check: Wem die blutrünstige Märchenstunde schlägt

 

Als die wirklich fantastischen Quoten für die ersten beiden "Grimm"-Folgen vom vergangenen Montag eintrudelten, dürften Gebrüder-Grimm-Traditionalisten vor Schreck das Märchenbuch auf die Hühneraugen geplumpst sein. Warum wohl die Vox-Serie, die sich vor Werwölfen, Zombies, Vampiren und Hexen genauso wenig fürchtet wie vor TV-Konventionen, so gut ankommt? 

Als die wirklich fantastischen Quoten für die ersten beiden "Grimm"-Folgen vom vergangenen Montag eintrudelten, dürften Gebrüder-Grimm-Traditionalisten vor Schreck das Märchenbuch auf die Hühneraugen geplumpst sein. Warum wohl die Vox-Serie, die sich vor Werwölfen, Zombies, Vampiren und Hexen genauso wenig fürchtet wie vor TV-Konventionen, so gut ankommt? 

Wer eben noch mit den betulichen ARD-Weihnachtsverfilmungen der großen Märchen-Klassiker ganze Fernsehnachmittage in Glühweinlaune verdöst hatte und höchstens noch ein wenig über Star-Schauspieler wie Edgar Selge im Bösen-Wolf-Kostüm gekichert hatte, wird bei "Grimm" wieder wachgerüttelt. Und zwar mit einer beherzten Ohrfeige mitten ins Gesicht.

Hauptdarsteller Nick Burkhardt, der so schwiegersohnliebenswürdig aussieht, leert in dem US-Publikumshit so eben mal sein Magazin in einen äußerlich unscheinbaren Biedermann, in dem er das verkörperter Märchen-Böse vermutet. Und er hat recht: Der unauffällige Nachbar ist wirklich der Rotkäppchen-Entführer - und das kleine Mädchen heult im Kellerverließ. 

Was man nun weiß: Der von David Giuntuoli gespielte Detective ist ein "Grimm". In seinen Adern fließt das Blut der berühmten Brüder - die in der US-Mythologie eben nicht nur Geschichtensammler, sondern natürlich Monsterjäger sind. Ausgestattet mit diesen besonderen Genen, sieht Burkhardt Dinge, die anderen verborgen bleiben - und vor denen er sich selbst oft fürchtet: Vor seinen Augen verwandelt sich die hübsche Passantin in eine furchterregendes Mords-Biest. Und der zappelige Eddie Monroe (Silas Weir Mitchell) ist in Wirklichkeit ein zähnefletschender "Blutbader" - eine Art hyperaktive Wolfsnatur.

Welches widerliche Monster steckt in Ihrem Bürokollegen?

Das einzig Gute: Monroe, der zu einem wichtigen Begleiter und "Szene-Kenner" für den Ermittler wird, ernährt sich vegan und betreibt Pilates. So kann er - wie wir alle wissen - seine todbringenden Triebe bändigen. Überhaupt: Jedem der selbst schon mal am Kopierer ein furchteinflößender Verdacht kam, kann gut nachvollziehen, worum es sich bei "Grimm" wirklich dreht: Viele unserer Bürokollegen sind einfach nur gut getarnte widerliche Monster. Wer das mit klaren Augen sehen kann, lebt allerdings auch nicht glücklicher. 

Heraus kommt eine Serie, die auf der aktuellen blutrünstige neu-interpretierten Märchenwelle schwimmt. Diesen Donnerstag (28.2.) startet mit "Hänsel & Gretel: Hexenjäger" ein Kinofilm, der in der Vorab-Werbung explizit für die Enthauptungsmethode plädiert, wenn man sich Märchen-Gestalten erwehren möchte.

Einzigartig rotzig - und respektlos

Vielserien-Seher wissen natürlich, dass sich "Grimm"-Produzent David Greenwalt kräftig beim Mystery-Grusel von "Akte X" und natürlich beim "Ich sehe was, was du nicht siehst"-Prinzip von "Buffy" bedient hat. Kein Wunder: An beiden Serienerfolgen war er zuvor auch selbst beteiligt. Das Prinzip, Märchengestalten im stinknormalen Alltagsumfeld auftreten zu lassen, kennt man zudem auch aus der Super RTL-Serie "Once Upon a Time". "Grimm" ist jedoch einzigartig rotzig - und respektlos. 

Bleibt abzuwarten, wie lange die Aufregung anhält: In den USA läuft bereits eine zweite Staffel. Märchenmotive, an denen sich die Handlung lose orientieren kann, gibt es noch zuhauf. In Folge drei kommen zunächst einmal Insekten-Phobiker auf ihren kranken Kitzel: Ein gigantischer Bienenschwarm greift an - und der ist wie üblich mörderisch schlecht gelaunt. Kein Einschlaf-Märchen, fürwahr.

"Grimm", jeweils montags um 21:15 Uhr auf Vox.

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