Nach Kartellentscheid zur "Frankfurter Rundschau": "Erleichterung, dass der Nervenkrieg sein Ende findet"

27.02.2013
 

Für die Belegschaft der "Frankfurter Rundschau" gibt es endlich Gewissheit. Das Bundeskartellamt hat den Erwerb der insolventen Zeitung durch die "FAZ" genehmigt. "Es herrscht nun Erleichterung, dass ein wochenlanger Nervenkrieg sein Ende findet", sagte der "FR"-Betriebsratschef Marcel Bathis der dapd. Auch der DJV begrüßte die Entscheidung. 

Für die Belegschaft der "Frankfurter Rundschau" gibt es endlich Gewissheit. Das Bundeskartellamt hat den Erwerb der insolventen Zeitung durch die "FAZ" genehmigt. "Es herrscht nun Erleichterung, dass ein wochenlanger Nervenkrieg sein Ende findet", sagte der "FR"-Betriebsratschef Marcel Bathis der dapd. Trotzdem sei es kein glücklicher Tag, weil es auch um den Verlust von Hunderten Arbeitsplätzen geht."

DJV begrüßt Entscheidung

Der Deutsche Journalisten-Verband begrüßte die Zustimmung des Bundeskartellamtes zur Übernahme der "Frankfurter Rundschau" durch die "FAZ". "Es ist gut, dass es den Traditionstitel 'Frankfurter Rundschau' weiter geben wird", sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Er appellierte an die Geschäftsführung der "Frankfurter Allgemeinen", so viele redaktionelle Arbeitsplätze wie möglich bei der "FR" zu sichern. Tagesaktueller Qualitätsjournalismus erfordere eine ausreichende Anzahl an Journalistinnen und Journalisten. Das "FAZ"-Management müsse dafür sorgen, dass externe journalistische Dienstleister auch weiterhin für die "Frankfurter Rundschau" arbeiten.

Das Weitererscheinen der FR dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass die berufliche Zukunft von zahlreichen ehemaligen Beschäftigten ungewiss sei, sagte der DJV-Vorsitzende. Die beiden früheren Eigentümer M. DuMont Schauberg und ddvg seien auch nach dem Spruch der Kartellwächter in der Verantwortung für die Mitarbeiter, die nicht von der "FAZ" übernommen würden. "Die Transfergesellschaft für die ehemaligen FR-Mitarbeiter muss für einen längeren Zeitraum als nur sechs Monate angelegt werden", sagte Konken. "Das sind die ehemaligen Eigentümer den Mitarbeitern schuldig."

"FR"-Alteigentümer appellieren an Axel Springer

Auch die Mediengruppe M. DuMont Schauberg (MDS) und die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (ddvg), begrüßten die Entscheidung des Kartellamtes. Man verbinde damit MDS und ddvg die Hoffnung, dass die Stimme der FR dauerhaft erhalten bleibe. Weiter heißt es in einer Stellungnahme: "Die Mediengruppe M. DuMont Schauberg und die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft bedauern es sehr, dass es im Insolvenzverfahren nicht gelungen ist, einen Arbeitsplatzabbau in dem sich jetzt abzeichnenden Ausmaß abzuwenden. Dies ist ein harter Schlag für alle Betroffenen. Die ehemaligen Gesellschafter zollen jedem Einzelnen Respekt - nicht nur für die Arbeit in den letzten Jahren, sondern vor allem auch dafür, dass die Belegschaft der Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH trotz des hohen Maßes an Unsicherheit in den letzten Monaten täglich hervorragende Arbeit geleistet hat."

Und die Alteigentümer richten einen Appel an Axel Springer: "Die Kündigung der seit mehr als 30 Jahren bestehenden Druckverträge durch die Axel Springer AG mitten im Verfahren der Investorensuche hat zu unserem großen Bedauern die Übernahme der Druckerei der FR in Neu-Isenburg durch Investoren verhindert. Wir appellieren an die Axel Springer AG, sich an den neuen Druckstandorten in Frankfurt dafür einzusetzen, dass möglichst viele der erfahrenen FR-Drucker eine neue Perspektive erhalten."

Mehrere Millionen für Transfergesellschaft

Die Mediengruppe M. DuMont Schauberg hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren 136 Millionen Euro in das Druck- und Verlagshaus investiert - "ohne jemals die Erwartung gehabt zu haben, große Gewinne erwirtschaften zu können". Auch die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft hätte einen namhaften zweistelligen Millionenbetrag zur Sicherung der "FR" aufgebracht. Das Engagement der Gesellschafter für die schon seit langem stark geschwächte "Frankfurter Rundschau" sei immer von dem Bestreben getragen worden, eine wichtige Facette im deutschen Journalismus zu sichern. Um die sozialen Folgen für die vom Stellenabbau betroffenen Arbeitnehmer abzufedern, habe man für die Gründung einer Transfergesellschaft nun mehrere Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.