Thomas Ebeling plant neue Sender: ProSiebenSat.1 fährt Rekordgewinn ein

 

ProSiebenSat.1, Marktführer auf dem deutschen TV-Werbemarkt, steigert im Geschäftsjahr 2012 den Konzernumsatz um 7,7 Prozent auf 2,969 Mrd Euro. Auch der bereinigte Konzernüberschuss stieg kräftig - um 34,2 Prozent auf 414,1 Mio Euro. Die Zahlen sind angesichts erodierender Marktanteile vor allem bei Sat.1 erfreulich. Und das auch wenn man den Sondererlös des verkauften Nord- und Osteuropa-Geschäfts herausrechnet. 

ProSiebenSat.1, Marktführer auf dem deutschen TV-Werbemarkt, steigert im Geschäftsjahr 2012 den Konzernumsatz um 7,7 Prozent auf 2,969 Mrd Euro. Auch der bereinigte Konzernüberschuss stieg kräftig - um 34,2 Prozent auf 414,1 Mio Euro. Die Zahlen sind angesichts erodierender Marktanteile vor allem bei Sat.1 erfreulich. Und das auch wenn man den Sondererlös des verkauften Nord- und Osteuropa-Geschäfts herausrechnet. 

Das Recurring EBITDA, also das um Einmaleffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern, Finanzergebnis und Abschreibungen, stieg 2012 um 21,7 Mio Euro auf 871,1 Mio Euro. Der Vollzug des Verkaufs der Sender- und Radioaktivitäten, von denen sich ProSiebenSat.1 im Dezember trennte, an Discovery Communications wird bis Ende März erwartet. Sobald dieser erfolgt ist, können die Anteilseigner bedient werden.

Vorgeschlagene Dividende steigt kräftig

Vorgeschlagen wird diesmal eine deutlich erhöhte Dividende, die 5,65 Euro je Vorzugsaktie und 5,63 Euro pro Stammaktie betragen soll. Im Vorjahr wurden 1,17 Euro pro Vorzugsaktie und 1,15 Euro pro Stammaktie ausgezahlt. 500 Mio Euro aus dem Verkaufserlös sollen in die Rückzahlung von Darlehen gehen, aber auch in "Investitionen in den laufenden Geschäftsbetrieb". 

Und dort gibt es bekanntlich durchaus Investitionsbedarf, da sich trotz des guten Gesamtergebnis im Kerngeschäft - den deutschen Free-TV-Sendern - die Probleme häufen. Die Umsatzsteigerung in der Sparte "Broadcasting German-Spekaking" auf 1,910 Mrd Euro (Vorjahr: 1,903 Mrd Euro) ist hauptsächlich über Zuwächse beim Vertrieb von HD-Sendern zurückzuführen.

Sat.1 muss wieder an die 10%-Markanteilsmarke heran

Der Gesamt-Marktanteil von Sat.1, ProSieben, kabel eins und Sixx sank 2012 auf 27,8%. Im Vorjahr, das allerdings auch kein Super-Superjahr war, lag man noch bei 28,9%. Als Zielvorgabe möchte Thomas Ebeling Sat.1 wieder an die 10%-Marktanteilsmarke bei den Werberelevanten heranführen, was nach derzeitigem Stand keine allzu leichte Aufgabe ist. 

Dennoch wird bereits gegensteuert: Wie Jürgen Hörner, Geschäftsführer ProSiebenSat.1 TV Deutschland, im Umfeld der Bekanntgabe der Bilanzzahlen andeutete, gehen die Verantwortlichen mit vielen neuen Programmideen, vor allem für Sat.1, schwanger. Wie zu hören ist, sollen sich aktuell 50 neue Formatvorschläge, hauptsächlich für die Day- und Access-Time, in der Entwicklungs-Pipeline befinden, wenn auch davon sicherlich nur ein kleiner Teil die Sendereife erlangt. Zum Vergleich: 2012 warteten nur rund zehn derartiger Labor-Versuche auf ihren Einsatz.

50 neue Formatideen in der Entwicklungs-Pipeline

Bereits konkret vorgesehen ist ein Kids-Ableger für das Erfolgsformat "The Voice". Außerdem wird die britische Tanzshow "Got to Dance" adaptiert - und soll nach dem bewährten "The Voice"-Muster ebenfalls über die beiden Sender Sat.1 und ProSieben verteilt werden.

Zusätzlichen Schwung - auch auf die Gefahr hin die Marktanteils-Fragmentierung der eigenen Groß-Sender damit wenigstens zu riskieren - sollen zudem 2013 neue Senderprojekte bringen. Thomas Ebeling bleibt jedenfalls gründungsfreudig. Im Herbst 2013 soll bekanntlich der ProSieben-Ableger ProSieben Maxx kommen, der sich an etwas "erwachsenere" Mitglieder der Sender-Fangemeinde richten soll.

ProSieben Maxx wird US-Serien in der Originalfassung zeigen

Wie jetzt zu erfahren war, soll die Line-Extension auch US-Serien im Original mit deutschen Untertiteln zeigen. ProSieben Maxx soll dabei durchaus den etablierten eher männerorientierten Sendern der dritten TV-Generation wie Sport1 und DMAX Konkurrenz machen.

Zusätzlich ist zu hören, dass die Senderfamilie mit Free-TV-Konzepten für einen Lifestyle-Sender liebäugelt. Der könnte sich an Haushalte mit einem höheren Einkommen richten. Konzepte für einen Kids Channel kursieren ebenfalls. Neu dabei: Künftig werden auch in der Sender-Personalstruktur die Verantwortlichkeiten für die Ableger den Chefs der jeweiligen Großsender zugeordnet. Demnach verantwortet ProSieben-Boss Wolfgang Link auch das künftige ProSieben Maxx-Geschäft sowie den Pay-Ableger ProSieben Fun. Rund um die Hauptsender entstehen somit selbst kleine Senderfamilien.

Im Bezahl-TV könnte sich Thomas Ebeling ebenfalls weitere Ergänzungen vorstellen. Aktuell wird offenbar an einem "Galileo"-Modell und einem Pay-Projekt rund um die starke Sportmarke "ran" gewerkelt. 

Wachstumschub kam 2012 aus "Digital & Adjacent"

In der eigentlichen 2012er Bilanz kommen die wesentlichen Wachstumsschübe allerdings nicht aus dem klassischen Geschäfts, sondern aus der Sparte "Digital & Adjacent", die von Vorstand Christian Wegner verantwortet wird. Aus dem Geschäft mit Online Videos, Online Games, den Venture-Unternehmungen (Zalando) und der Musik-Sparte ergab sich ein Umsatz von 351,2 Mio Euro - bei einer beeindruckenden Steigerung von 38,1 Prozent. 

Epic Companies: Neue Start-up-Brutstätte in Berlin gegründet

Deswegen werden mit Blick auf das Geschäftsjahr 2013 nun schließlich noch neue Nägel mit Köpfen gemacht: Zusammen mit dem erfahrenen Aufbau-Experten Mato Peric, der für den Inkubator Rocket Internet der Samwer-Brüder das weltweite E-Commerce-Portfolio verantwortet hatte und in der Start-up-Branche als gesetzte Größe gilt, gründet ProSiebenSat.1 die neue Brutstätte Epic Companies. Vom Firmensitz in Berlin aus sollen pro Jahr mindestens fünf erfolgversprechende junge Unternehmen an den Start gebracht werden.

"Gemeinsam mit unserem neuen Partner Epic Companies erweitert die ProSiebenSat.1 Group ihre Venture-Aktivitäten um einen zentralen Baustein", sagt Christian Wegner. "Neben Minderheitsbeteiligungen durch Media-for-Revenue bzw. -Equity und strategischen Mehrheitsbeteiligungen besetzen wir jetzt auch den Gründungsbereich, um noch früher an der Wertschöpfung zu partizipieren." 

Ihre Kommentare
Kopf
Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

28.02.2013
!

Wer Fernsehen unter der Knute "Rekordgewinne" betreibt, macht dies stets zu Lasten der Programmqualität. Eine alte Erfahrung, die auch SAT1 & Co. betrifft. Zuschauer lassen sich auf Dauer nicht verscheißern und wandern ab. Als nächstes folgt die Werbeindustrie.......


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