Jetzt offiziell: dapd meldet Insolvenz an

01.03.2013
 

Es ist amtlich: Die dapd Nachrichtenagentur Beteiligungs GmbH hat am Freitag beim Amtsgericht in Berlin Charlottenburg einen Insolvenzantrag gestellt. Dies teilte die noch junge Gesellschaft am Freitagnachmittag mit.

Es ist amtlich: Die dapd Nachrichtenagentur Beteiligungs GmbH hat am Freitag beim Amtsgericht in Berlin Charlottenburg einen Insolvenzantrag gestellt. Dies teilte die noch junge Gesellschaft am Freitagnachmittag mit. Unvorhergesehene strukturelle Schwierigkeiten, die ihre Ursachen in der vorangegangenen Insolvenz haben, zwangen dapd-Geschäftsführer Ulrich Ende zu Nachverhandlungen mit den Investoren und führten dazu, dass Investoren trotz vertraglicher Verpflichtung bisher nicht einzahlten", so die offizielle Begründung.

Das Amtsgericht habe die Berliner Rechtsanwältin Petra Hilgers zur vorläufigen Insolvenzverwalterin ernannt. Der ehemalige Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma, der in diesem Fall selbst Gläubiger sei, habe sich bereits mit Frau Hilgers abgestimmt. Hilgers und Köhler-Ma wollen nach dapd-Angaben "kooperativ zusammenarbeiten, um den Schaden für alle Beteiligten gering zu halten und nach einer neuen Lösung suchen".

Am Nachmittag informierten Hilgers und Ende die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung über die Situation.

"newsroom.de" berichtet über Kündigungsschutzklagen

"newsroom.de" berichtet, Ursache für den Insolvenzantrag sei, dass 62 Kündigungsschutzklagen bei der dapd anhängig seien. Diese hätten einen Volumen gehabt, "das nicht absehbar gewesen" sei. Weil die Kündigungsschutzklagen wohl durchaus Aussicht auf Erfolg hätten, habe ein Investor den zugesicherten Betrag nicht überwiesen. Ende habe auf der Versammlung erklärt, dass dapd nicht über genügend Liquidität verfüge, um die Februargehälter zu bezahlen. 

Erneut müsse dapd jetzt Insolvenzgeld bei der Arbeitsagentur beantragen. Diese wolle bis zum kommenden Dienstag ein neues Konzept sehen. Akzeptiere die Agentur für Arbeit dieses, soll es bei dapd weitergehen, so "newsroom.de".

dju kritisiert: "Unfassbarer Umgang mit den Beschäftigten"

Die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen und Journalisten-Union (dju) in ver.di, Cornelia Haß, bezeichnete die neuerliche Insolvenz der Nachrichtenagentur dapd als "unfassbaren Umgang mit den Beschäftigten". Diese ginge einzig und allein auf eine anscheinend nie existierende Strategie für ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell in Verbindung mit zu eng kalkulierten Finanzrahmen zurück. "Offenbar wird erst jetzt unter Hochdruck versucht, Gelder allein für die Februargehälter aufzutreiben. So ein Geschäftsgebaren ist an Verantwortungslosigkeit nicht mehr zu überbieten", kritisierte Haß.

Noch in der vergangenen Woche habe der nach der Insolvenz vom vergangenen Jahr neu eingestiegene Geschäftsführer und Investor Ulrich Ende öffentlich darüber gesprochen, dass dapd weiterhin als Vollagentur arbeiten würde, und den Eindruck erweckt, die Agentur sei gut aufgestellt. "Es ist kein Wunder, dass angesichts einer solchen Verdrehung offensichtlicher Tatsachen die Beschäftigten ihrer neuen Geschäftsführung nicht mehr vertrauen und den Glauben an die Zukunft von dapd verlieren", sagte Haß. Auch, dass es eine hohe Zahl von Kündigungsschutzklagen gebe, sei schon länger bekannt gewesen. Die Kündigungsschutzklagen seien auf eklatante Fehler der vorherigen Geschäftsführung zurückzuführen und dürften jetzt nicht als Schutzargument zur Begründung einer wirtschaftlichen Schieflage benutzt werden.

Ihre Kommentare
Kopf
Norbert Clemens Wortmann

Norbert Clemens Wortmann

AFP Agence France-Presse GmbH
Ruhestand; Ex-Chefredakteur, -Geschäftsführer, -Nahostkorrespondent

01.03.2013
!

Ob das mit den Kündigungsschutzklagen so stimmt, bezweifele ich stark. Erstens müssten die sich nach meinem Verständnis eher an die HQTA richten (also die Rechtsnachfolgerin der früheren dapd-Holding). Wenn es anders ist und aussichtsreiche Klagen gegen die NewCo nach dem Asset-Deal möglich wären, hätten dass die Beteiligten vorher gewusst. Auch die Insolvenzverwalter Köhler-Ma und von der Fecht, die Kaufinteressenten den Asset-Deal nahelegten, müssten dann jetzt öffentlich Stellung dazu nehmen.


Constanze Ziegler

01.03.2013
!

Die Unterstellung, dass Ulrich Ende keine umfassende Strategie hatte und hat, ist mir viel zu kurz gegriffen. Das kann ich mir nicht vorstellen. Auch ohne Details, ich kenne ihn aus gemeinsamer Zusammenarbeit, bin ich davon überzeugt, dass das, was er vorhatte und hat durchdacht ist. Es bleibt dabei, ich vertraue auf seine Strategie und wünsche ihm jetzt das Quentchen Glück, die richtigen Menchen an einen Tisch zu bekommen, die die Zukunft des Unternehmens auf eine weicher Spur bringen!


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