Sky-Serie "Bored to Death" im kress-Check: Unter angeschickerten Großstadtneurotikern

 

Es ist einer dieser Stoffe, für den man stets ein Chardonnay-Glas zu Hand haben müsste. Dem neurotischen New Yorker Schriftsteller Jonathan Ames (Jason Schwartzman, "Moonrise Kingdom") läuft seine Freundin davon. Im Kampf gegen die anbrandende Lebenskrise erfindet er sich in der Sky-Serie "Bored to Death" (HBO) als Privatdetektiv neu. Die einschlägigen Bücher kennt er ja.

Es ist einer dieser Stoffe, für den man stets ein Chardonnay-Glas zu Hand haben müsste. Dem neurotischen New Yorker Schriftsteller Jonathan Ames (Jason Schwartzman, "Moonrise Kingdom") läuft seine Freundin davon. Im Kampf gegen die anbrandende Lebenskrise erfindet er sich in der Sky-Serie "Bored to Death" (HBO) als Privatdetektiv neu. Die einschlägigen Bücher kennt er ja.

Hat hier jemand zuviel Chandler gelesen?

"Ich hatte Sie mir eigentlich älter vorgestellt", ist eigentlich noch einer der am wenigsten kränkenden Sätze, die Jonathan zu hören bekommt, wenn er sich in bester Raymond-Chandler-Manier mit für seine Verhältnisse viel zu aufregenden aufgeregten Frauen in schummerigen Whisky-Bars trifft - um seinen nächsten Auftrag anzunehmen.

Natürlich ist "Bored to Death" - von deren ironisch abtörnendem Titel man sich nicht abschrecken lassen sollte - keine wirkliche, taffe Krimiserie. Und schon gar nicht "Castle". Dafür ist Newcomer Jonathan, der besser endlich seinen zweiten Roman zu Ende schreiben sollte, einfach zu unerfahren und auf charmante Weise uncool.

Der Nervenkitzel seiner "Fälle" hält sich daher auch in Grenzen: Mal muss er eine mit ihrem unberechenbaren Freund verschwundene Schwester finden - und landet mit dem Pärchen bei einer merkwürdig improvisierten Drogen-Sex-Sitzung im billigen Hotelzimmer. Oder aber es geht um ein entwendetes Skateboard.

Joints als alltägliche Lebenshelfer

Spannender als der vermeintliche Nervenkitzel, der ohnehin komplett ausbleibt, ist das intellektuelle Alltagschaos, das Jonathan anrichtet und das ihn umgibt. Möglicherweise süffelt er tatsächlich zuviel Weißwein und raucht den einen oder anderen Joint zuviel. Seine Freundin hatte ihn eben erst dafür verlassen - weil Haschisch-Konsum aus "therapeutischen" Gründen ein eher schwaches Verteidigungsargument ist. "Du hast gar keinen Krebs", schimpft sie. "Noch nicht", muss er natürlich kontern.

Womanizer-Lulatsch Ted Danson nimmt sich selbst auf den Arm

Einer geregelten Lebensführung abträglich sind natürlich auch die ständigen verführerischen Anrufe von Jonathans exzentrischem Verleger George, den "Cheers"-, "Damages"- und aktuell "CSI: Vegas"-Star Ted Danson als großartig durchgeknallte Selbstparodie anlegt. Der silberhaarige 1,90-Meter-Womanizer ist ständig auf der Suche nach dem verbotenen Kick - und Jonathan lässt sich bereitwillig mitreißen. 

Und dann wäre da natürlich noch sein bester Kumpel Ray (Zach Galifianakis, "Hangover"), der ein ebenso verkrachtes Digital-Boheme-Leben als Comiczeichner fristet. Auch Ray ist keine wirkliche Hilfe, aber ein amüsantes Anarchie-Gravitationszentrum. Man darf ihm nur nicht das Offensichtliche ins Gesicht sagen: nämlich dass er tatsächlich etwas übergewichtig und zauselbärtig wirkt. 

Jim Jarmusch radelt als Gaststar durch die Serie

Die HBO-Serie "Bored to Death", von der in 24 knapp 30-minütige Folgen in drei Staffeln produziert wurden, bietet harmlosen, aber geistreich-spritzigen Zeitvertreib (bei überschaubarem Alkoholgehalt) für ein etwas aufgeschlosseneres Publikum, das in den skurrilen Welten der Wes-Anderson-Filme ("The Royal Tenenbaums", "Rushmore", "Darjeeling Limited") zu Hause ist.

Dafür kurvt dann auch Indie-Regiestar Jim Jarmusch ("Down by Law", "Broken Flowers") als Gaststar auf einem Bonanza-Rad durchs Serien-Chaos. Um allzu offensichtliche offensichtliche Parallelen etwas zu verschleiern, trägt Jason Schwartzman, der wie ein junger Großstadtneurotiker-Wiedergänger wirkt, keine schwarze Woody-Allen-Brille.

Sky Atlantic HD zeigt alle drei Staffeln von "Bored to Death" ab 6. März jeweils mittwochs um 21.30 Uhr. Außerdem ist die Serie ab sofort bei Sky Go und über Sky Anytime zu sehen.

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