Der neue "stern" im kress-Check Frühjahrsputz unter Freunden und Ratgebern

 

Wer mit erhöhtem Pulsschlag im Zahnarzt-Wartezimmer sitzt, kann sich rasch wieder beruhigen: Der gute alte "stern" hat sich ein wenig aufgefrischt - bei Optik und Struktur. Haderer, Till Mette, Tetsche und die putzigen Sprechblasen-Promifotos sind natürlich geblieben. Alles halb so wild.

Wer mit erhöhtem Pulsschlag im Zahnarzt-Wartezimmer sitzt, kann sich rasch wieder beruhigen: Der gute alte "stern" hat sich ein wenig aufgefrischt - bei Optik und Struktur. Haderer, Till Mette, Tetsche und die putzigen Sprechblasen-Promifotos sind natürlich geblieben. Alles halb so wild.  

Eigentlich war der Wirbel im Vorfeld ja so gar nicht die Hamburger Schule: Der monatelange Überarbeitungsprozess, das Wurstschnappen um die neuen/alten Ressortleiterposten sowie zuletzt die pompöse Verpflichtung von Beratern wie Digital-Adabei Jeff Jarvis war die anschwellende Begleitmusik für etwas wirklich Großes und Gelungenes, das sich allerdings im Stillen erreignete. Der "stern", den Dominik Wichmann ab Mai allein verantwortet, hat den Generationswechsel vollzogen. 

Wann lassen "Neon"- und "Nido"-Leser ihre Abos umschreiben?

Jetzt wäre es nur schön, wenn sich Ähnliches auch bei der Leserschaft behutsam einfädeln ließe. Wichmann hat den neuen Teppich schon mal vors Haus gelegt. Jetzt müssen sich die jüngeren Lesern nur hineintrauen - und vielleicht langsam mal überlegen, ob sich nicht doch ihr "Neon"- und "Nido"-Abos auf die große Wochenmagazin-Wundertüte umbuchen sollen.

Ihnen will der Chefredakteur, der sich im Editorial als "Freund und Ratgeber" empfiehlt, die Schwellängste nehmen. Mit den vielen kleinteiligen Infografiken bis hin zur großen Auf-einen-Blick-Schlauer-Übersicht zu den Geldströmen im Großkonzern VW ("Im Golfrausch") setzt er Wiederkennungsmerkmale. 

Wichmann lässt die Spalten tanzen

Gut möglich, dass diejenigen Verlegenheitsleser, die sich eben noch vor der Wurzelbehandlung fürchteten, auf dem Plastikstuhl etwas mehr Körperspannung einnehmen: Die viel diskutierte "Tanzspalte" dynamisiert tatsächlich den Seitenaufbau und erhöht im Binnen-Kräfteverhältnis zwischen Textblöcken und Beinen die Anspannung. Wenn sie den Lesern so die Angst vor Bleiwüsten nimmt - prima. Allerdings sieht man sich an Spielereien schnell auch satt.

Für den Gewohnheitsleser weitaus weniger entscheidend als für die Medienberichterstattung ist zudem, ob und wie der "stern" ab sofort anders gegliedert ist. Beim Durchblättern fällt es leicht, die Rubrizierungen zu ignorieren. Und es bleibt letztlich unerheblich, wie genau sich der "Diese Woche"-Teil mit den durchaus pointierten Kurzstücken zum Hefteinstieg wesentlich vom "Journal" am Magazin-Ende unterscheidet. Wichtig ist wie immer, dass die Themenaufbereitung überzeugt.

Faszination Zestenreißer - landlustig sind sie doch alle

An den traditionellen Stärken des "stern", dem Mut zu opulenten Foto-Strecken und dem Raum für weitausholende Interviews, wurde auch gar nicht gerüttelt. Und dass Hefte, die sich gut verkaufen sollten, heutzutage auch ein "Extra Genuss" brauchen,  hat sich etabliert. Auf 24 Seiten spielt der "stern" hinten ein bisschen "Essen & Trinken" oder sogar "Landlust" und schwärmt mit Grünen-Chefin Renate Künast vom unverzichtbarem Zestenreißer. 

Dominik Wichmann hat in seinem Eigenheim frisch geweißelt, die Möbel ein wenig verrückt und das Tafelsilber poliert. Jetzt müssen die neuen Gäste nur kommen.

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