Scharfe Kritik zum ZDF-Senderjubiläum: "Statt sechs 'Wetten, dass'-Sendungen einen Kulturkanal"

 

Es spricht für die Souveränität von ZDF-Intendant Thomas Bellut, dass er sich rund um den 50-Jahre-Geburtstag des Senders der Kritik von ZDF-Gegnern stellt: In der ZDFinfo-Talkrunde "Ist das ZDF von gestern?" vom späten Mittwochabend forderten Ex-RTL-Chef Helmut Thoma und Musikproduzent Tim Renner, das Show-Flaggschiff "Wetten, dass ..?" endlich abzuwracken.

Es spricht für die Souveränität von ZDF-Intendant Thomas Bellut, dass er sich rund um den 50-Jahre-Geburtstag des Senders der Kritik von ZDF-Gegnern stellt: In der ZDFinfo-Talkrunde "Ist das ZDF von gestern?" vom späten Mittwochabend forderten Ex-RTL-Chef Helmut Thoma und Musikproduzent Tim Renner, das Show-Flaggschiff "Wetten, dass ..?" endlich abzuwracken.  

Naturgemäß hatte der Sender-Chef,  konfrontiert mit Thomas bekanntem Poltern gegen die "Zwangsabgabe" der Öffentlich-Rechtlichen - "die einfallsreichste Idee der letzten 30 Jahre war die Haushaltsabgabe" - und in die Zange genommen von Renner und dem Medienkritiker Stefan Niggemeier keinen leichten Stand. Vor allem das vermeintlich falsch investierte Programm-Vermögen stand zur Debatte. Immerhin gehen jährlich 1,8 Mrd Euro ans ZDF.

Mit dem etwas platten Argument "Jeder Sender braucht Leuchttürme der Aufmerksamkeit" verteidigte Bellut etwa, dass er kolportierte 54 Millionen Euro für die Champions-League-Rechte ausgab und sie so Sat.1 wegschnappte. Im Gegenzug behauptete Bellut, dass er gerne mehr Hollywood-Rechte eingekaufen würde, wenn die Privatsender nicht den Markt etwa für starke US-Serien leergeräumt hätten. So outete sich Bellut etwa Fan der ProSieben-Serie "The Big Bang Theory". "Ich kriege sie aber nicht", sagte er. 

"Karnickelhafte Vermehrung, die nichts bringt"

Thoma wetterte derweil gegen die Kanalvermehrung durch die öffentlich-rechtlichen Spartensender im Digitalbereich. "Das ist so eine karnickelhafte Vermehrung, die nichts bringt." Die Neugründungen der Privaten - etwa durch Sat.1 Gold oder RTL Nitro - ließ er dagegen gelten. "Die visualisieren ja so ihre Archive." Das ZDF setzte dagegen teures Gebührengeld falsch ein.

Tatsächlich gilt Bellut allerdings nicht als jemand, der die Sendervermehrung weiter vorantreiben möchte. Anders als sein Vorgänger Markus Schächter baut er derzeit zurück - aus Kostengründen. Für seine angekündigte Einstellung von ZDFkultur wurde er kritisiert. Die innovativeren jungen Musikformate sollen aber wieder stärker in die Hauptsender integriert werden - etwa zu 3sat.

"Ein Kästchen drumherum, damit es Kult war"

Ohnehin stellte er erneut selbst den digitalen Kulturableger in kein besonders attraktives Licht. "Da waren aus Geldmangel ganz viele Wiederholungen älterer Serien", sagte er. Kultur war lediglich ein Etikett, das dem Inhalt nicht entsprach: "Da war ein Kästchen drumherum, damit es Kult war. Aber das ist doch nicht die Botschaft eines solchen Kanals."

Das Kostensparargument erwies sich allerdings als eine Steilvorlage für Tim Renner. Wie Helmut Thoma bedauerte er, dass man das Aus von Thomas Gottschalk nicht als Anlass genommen hatte, "Wetten, dass ..?" zu beerdigen. Mit dem für die Produktion des aufwendigen Markus-Lanz-Formats eingesparten Budget könnte man neue Projekte beflügeln. "Aus sechs ,Wetten, dass ..?'-Sendungen kann man einen ganzen Kulturkanal machen", sagte Renner. 

"Ich habe nichts gegen Cindy"

Derartige Kritik am Samstagabendklassiker wollte Bellut so natürlich nicht stehen lassen. "'Wetten, dass ..?' funktioniert hervorragend, sagte er, gestand aber ein, dass der Auffrischungsprozess dort und im gesamten ZDF-Showbereich weitergehen muss. "Es braucht neue Ideen, wir suchen danach." Einen Zuschauer-Einwand, dass sich die wichtigste ZDF-Show mit der Verpflichtung von Cindy aus Marzahn auf RTL-Niveau begeben habe, lächelte Bellut weg. "Ich habe nichts gegen Cindy", sagte er. "Sie ist ein kluger Mensch." Außerdem interessiere sich ja auch neuerdings die US-Presse für sie. 

Auf einen Zwischenruf von Tim Renner hin, regte Bellut sogar an, dass Rammstein einmal zu "Wetten, dass ..?" kommen müsse. Renner bezweifelte, dass dies eine gute Idee sei. "Ich denke, sie würden nicht kommen", sagte er. "Wenn doch, dann würden sie den Lanz verbrennen." 

"Nicht in jeder Phase erhaben und wichtig"

Als Durchhalteparole fürs ZDF gab Bellut dann schließlich noch die Devise aus: "Wir können nicht in jeder Phase des Programms erhaben und wichtig sein." Die lebhafte, durchaus meinungsfrohe Debatte in der "log in"-Sendung, in der auch die Moderatoren Wolf-Christian Ulrich und Sonja Schünemann ihren obersten Dienstherrn durchaus beherzt anpackten, war ein wichtiger Moment im Programm. Und über weite Strecken auch gute Unterhaltung. 

Ihre Kommentare
Kopf
Wieland Aschinger

Wieland Aschinger

MUSIK HEUTE
Chefredakteur

21.03.2013
!

Statt ZDFkultur einen Kulturkanal.


Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

21.03.2013
!

Das ZDF soll endlich privatisiert werden, denn zur Grundversorgung der Republik benötigt man diesen Sender nicht mehr. Ich liefere gerne Interessenten......und die GEZ kann dann wirklich aufgelöst werden.....


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