"Tatort: Feuerteufel" im kress-Check: Wotan ist der bessere Til

 

Hamburg brennt, und der Ermittler mit dem vermüllten Dienstwagen und dem Ramones-Shirt krault seine Katze: "Na, Schatz, wie war dein Tag?", fragt Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring), als er allein und frustriert in seiner Kiez-Butze über einen hochbrisanten, aber eben ziemlich kniffeligen Fall grübelt. Er wird ihn lösen - und wie! Der zweite neue HH-"Tatort" öffnet Chancen auf eine großartige Reihe.

Hamburg brennt, und der Ermittler mit dem vermüllten Dienstwagen und dem Ramones-Shirt krault seine Katze: "Na, Schatz, wie war dein Tag?", fragt Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring), als er allein und frustriert in seiner Kiez-Butze über einen hochbrisanten, aber eben ziemlich kniffeligen Fall grübelt. Er wird ihn lösen - und wie! Der zweite neue HH-"Tatort" öffnet Chancen auf eine großartige Reihe.  

Feuer flackern auf in der Hansestadt, Autos brennen in den Bonzenvierteln - und die aufgebrachten Bürger bewachen nachts ihre Luxusbleche. Wer der oder die Titel-gebenden "Feuerteufel" sein könnten, ist den Wohlstandsbürgern schnell klar: Das müssen die autonomen Chaoten sein, die ohnehin gerne zündeln.

Beiläufig geschieht im Film Furchtbares, aber auch Groteskes, was man bislang in deutschen Fernsehfilmen selten sah: Ausgerechnet ein eigentlich wohlanständiger Geldsäcke-Wutbürger-Mob hetzt einen mit einem Kapuzenpulli Vermummten auf eine Kreuzung, wo der prompt umgefahren wird. Die linke Szene dagegen kooperiert brav: Falke hat überraschend gesetzesfürchtige Tipp-Geber. Verkehrte Welt.

Große Kulisse, zupackender Humor und Street-Cred

Doch wenig ist eindeutig im sehr sehenswerten zweiten NDR-Neustart, der Hamburg in eine düstere, selbstgerechte, aber vor allem große Großstadt verwandelt. Immer wenn Kommissar Falke nicht weiter weiß - was oft der Fall zu sein scheint -, angelt er sich eine neue Milchtüte mit fragwürdigem Haltbarkeitsdatum aus dem Fußraum seiner Karre, klemmt sich hinters Lenkrad und brettert durch die Stadt. Einfach mal nachdenken - bei schreiend lauter Musik. Und dann klingelt das Handy. Erkennungston: "Sympathy For The Devil". Überdeutliches Statement. Falke muss nicht ballern wie Nick Tschiller (Til Schweiger). Er ist der coolere Hund.

Anders als beim unglaublich erfolgreichen, aber auch unglaublich Popcorn-gerecht überproduzierten Til-Debüt "Tatort: Willkommen in Hamburg" erlaubt es sich "Tatort: Feuerteufel", ganz auf Stimmungen zu setzten - und statt hektischer "Stirb langsam"-Action Ruhemomente einzubauen. Es macht einfach Laune, dem Loner Falke, seiner wuscheligen Katze und der unterkühlten Brand-Expertin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller), mit der er sich zusammenraufen muss, dabei zuzusehen, wie sie auf der Stelle treten.

Feuerteufel-Jagd zwischen Billstedt und Uhlenhorst

Dabei weiß der Zuschauer von Beginn an eigentlich fast alles: Der junge Regie-Überflieger Özgür Yildrimi ("Chico"), in Hamburg aufgewachsen und durch extra viel Lob von Fatih Akin geadelt, führt souverän mehrere Handlungsstränge parallel. Auslöser für die Mord-Ermittlungen ist ein wirklich beklemmender Tatort: Neben einem völlig ausgebrannten Auto wird eine Frau gefunden, die in der giftigen Flammenhölle erstickt ist. Doch wer hat sich die Mühe gemacht, sie aus dem brennenden Wagen zu ziehen? Und warum fehlt vom Täter jede Spur? Falke muss es herausfinden.

Drehbuch-Autor Markus Busch, der bereits an den besten Dominik-Graf-Filmen mitwirkte, lässt die Handlung zwischen heruntergekommenen Problem-Vierteln, aus denen auch der Ermittler ursprünglich stammt, und den spießigen Mittelstands-Höllen der Stadt changieren. Dabei trifft er den rauen Ton der Straße, in der sogar die Hauskatze als "Digger" begrüßt wird. Trockener Humor, im Schweiger-Krimi fast nebensächlich, ist eines der Treibmittel der etwas anderen Hamburger Schule.

Und fast alles passt. Wieder mal ist der "Tatort" jünger geworden. Und Sonntage zu Pflichtterminen ohne Fremdschäm-Pein. 

"Tatort: Feuerteufel" läuft am Sonntag, 28. April, um 20:15 Uhr in der ARD.

Ihre Kommentare
Kopf
Thomas Bauer

Thomas Bauer

TOM-Verlag
Verlagsleiter

25.04.2013
!

Wotan ist nicht der besser Til. Der ist seine eigene Liga. Wotan ist einfach ein brillanter Schauspieler, dem im Moment nicht nur alles gelingt, sondern endlich auch der Erfolg seiner Arbeit zufliegt.


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