"Spiegel" und "Süddeutsche" gehen 2013 leer aus: Henri Nannen Sonderpreis für "FTD"

 

Diesmal blieb die Verleihung des Henri Nannen Preises skandalfrei - zumindest bis zum Ende des offiziellen Teils. Den Preis für eine überragende journalistische Leistung verlieh die Jury an die im Dezember eingestellte "FTD". Für die beste Reportage wurde Heike Faller ("Zeitmagazin") geehrt.

Diesmal blieb die Verleihung des Henri Nannen Preises skandalfrei - zumindest bis zum Ende des offiziellen Teils. Jörg Thadeuz, der die Gala gemeinsam mit Linda Zervakis moderierte, erinnerte in in kurzen Sequenzen an das Leben Henri Nannens, der in diesem Jahr den 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Julia Jäkel, die als G+J-Vorstandsvorsitzende zum ersten Mal als Gastgeberin einlud, begrüßte die 1.200 Gäste, unter denen sich auch die G+J-Vorstandsvorsitzenden der vergangenen 30 Jahre befanden, u.a. Bernd Buchholz und den erst vor Kurzem aus dem Amt entlassenen Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein. Jäkel ging in ihrer Begrüßungsrede auf den Medienwandel ein, den die Branche derzeit umtreibt: "Bei Gruner und Jahr stürmt es auf allen Etagen." Sowohl Manager als auch Journalisten müssten sich völlig neu erdenken. Wie auch in ihrer Antrittsrede betonte sie, dass G+J das Haus der Inhalte sein wolle, sowohl in Print als auch digital. Man glaube an die Kraft von Zeitschriften.

Der "stern"-Titel über Bushido sei ein Sinnbild dafür, wie das Flaggschiff des Verlags in Zukunft sein müsse, so Jäkel. Sie dankte Dominik Wichmann, Andreas Paetzold und Thomas Osterkorn für den gelungenen Generationswechsel, der von "menschlicher Größe und Respekt" zeuge.

"Spiegel" geht leer aus, beste Reportage im "Zeitmagazin"

Anders als in den vergangenen Jahren verlieh die Jury keinen Preis an den "Spiegel", obwohl Redakteure des Nachrichtenmagazins in zwei Kategorien nominiert waren. Ebenso ging die immer gut in der Preisliste vertretene Redaktion der "Süddeutschen Zeitung" leer aus, die ebenfalls in zwei Kategorien nominiert war.

Die Preisträger 2013 in den einzelnen Kategorien:

Reportage (Egon-Erwin-Kisch-Preis): Heike Faller für "Der Getriebene", "Zeitmagazin"

Dokumentation: Fabian Gartmann, Sönke Iwersen für "Ladenschluss" über die Firmengeschichte von Schlecker, "Handelsblatt"

Essay: Bernd Ulrich für "Wer sind wir, heute?" über das Gedenken an den Holocaust, "Die Zeit"

Foto-Reportage: Sandra Hoyn für "Die Kampfkinder", emerge-mag.com

Investigation: Wolfgang Kaes für "Vermisst. Verschollen. Und beinahe vergessen" über den Fall der verschwundenen Trudel Ulmen , "General Anzeiger", Bonn

Pressefreiheit: René Wappler für seine Recherchen in der rechten Szene, "Lausitzer Rundschau"

Den Preis für das publizistische Lebenswerk erhielt Anneliese Friedmann, Herausgeberin der "Abendzeitung München". Sie hatte unter dem Pseudonym "Sibylle" zunächst Kolumnen für die "Abendzeitung" verfasst, ab 1960 schrieb sie dann für den "stern" unter Chefredakteur Henri Nannen. Die Laudatio auf Friedmann hielt Thomas Gottschalk.

Sonderpreis für letzte Ausgabe der "FTD"

Den Sonderpreis für eine überragende journalistische Leistung vergab die Jury an die Redaktion der im Dezember eingestellten "FTD". Laudator Stefan Plöchinger, Chefredakteur "Süddeutsche.de", lobte die Macher für die letzte Ausgabe der Wirtschaftszeitung und ihren "klugen Witz". Selten sei sich die "FTD" so nah gewesen wie im letzten Augenblick, so Plöchinger. Den Preis nahmen stellvertretend Steffen Klusmann, Sven Clausen und Stefan Weigel entgegen. Das Preisgeld von 5.000 Euro werden sie an "Reporter ohne Grenzen" spenden. Für die Organisation hatte die "FTD" Devotionalien aus den 13 Jahren Zeitungsgeschichte versteigert. Dabei waren mehr als 40.000 Euro erlöst worden (kress.de vom 11. Dezember 2012).

Der Henri Nannen Preis wurde 2005 erstmals verliehen. In diesem Jahr hatten sich Redakteure und Fotografen mit insgesamt 802 deutschsprachigen Print- und Online-Texten sowie Fotoarbeiten beworben. Der renommierte Journalistenpreis wird jährlich von G+J und dem "stern" vergeben. Die Beiträge stammen aus 177 deutschsprachigen Print- und Onlinemedien und wurden im vergangenen Jahr publiziert. Der Preis ist mit insgesamt 35.000 Euro dotiert.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.