Losverfahren im NSU-Prozess abgeschlossen: "Bild", "Spiegel" & "Focus" dabei, "FAZ" & "Zeit" nicht

29.04.2013
 

Das OLG München hat bekannt gegeben, welche Medien dem NSU-Prozess beiwohnen dürfen. Einen der 50 Plätze konnte dpa in dem Losverfahren ergattern. Auch "Bild", "Focus", "Spiegel", "Süddeutsche Magazin" sind dabei. Nicht geschafft haben es u.a. "FAZ", "taz", "Tagesspiegel", "Berliner Zeitung" oder "Die Zeit".

Das Oberlandesgericht München hat am Montag bekannt gegeben, welchen Medien dem in einer Woche beginnenden NSU-Prozess beiwohnen dürfen. Die Entscheidung fiel im Losverfahren. Einen der 50 Plätze konnte dpa ergattern. Auch "Bild", "Focus", "Spiegel", "Süddeutsche Magazin" sind dabei. Von den internationalen Medien sind u.a. die türkische Agentur IHA, das Al-Jazeera-Büro Istanbul und die türkischen Zeitungen "Hürriyet" und "Sabah" vertreten.  

Ziehen enttäuschte Bewerber vor das Bundesverfassungsgericht?

Nicht geschafft haben es u.a. "FAZ", "taz", "Tagesspiegel", "Berliner Zeitung", "Die Welt" oder "Die Zeit". Ein Ergebnis, das der Deutsche Journalisten-Verband "mit Unverständnis" zur Kenntnis nimmt. "Das Ergebnis des Akkreditierungsverfahrens ist zweifelhaft", kritisierte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. "Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass es für die überregional wichtigsten Medien kaum eine Möglichkeit geben soll, über das NSU-Verfahren zu berichten. Die Vergabe der Presseplätze steht in krassem Widerspruch zur immensen bundesweiten und internationalen Bedeutung des Prozesses." Auch das jetzt abgeschlossene zweite Akkreditierungsverfahren habe gezeigt, dass das Oberlandesgericht München mit der Pressearbeit zum NSU-Prozess überfordert sei. Der DJV-Bundesvorsitzende erwartet, dass überregionale Zeitungen das Bundesverfassungsgericht anrufen werden.

Gelächter bei der Pressekonferenz

Laut Agenturangaben soll es bei der Nennung einiger, vor allem kleinerer Medien oder der Frauenzeitschrift "Brigitte", Gelächter unter den Journalisten gegeben haben.

Das Ergebnis der Auslosung:

Radio Dienst

Rufa Rundfunk-Agenturdienst

IHA (Ihlas Haber Ajansi, Türkei)

dpa

dpa English Services

ERT (griechischer Rundfunksender)

Al Jazeera (Büro Istanbul)

Sabah

Hürriyet

Evrensel

Radio Lora München (polnischsprachige Redaktion)

Svenska Dagbladet

France 2 Berlin

NOS - Niederländische Rundfunk

Neue Zürcher Zeitung

ARD

WDR

Ebru TV

Kabel 1

Deutschlandfunk

BR

SWR

Top FM

Charivari

Radio Lotte Weimar

Bild

Allgäuer Zeitung

Passauer Neue Presse

Pforzheimer Zeitung

Sächsische Zeitung

Oberhessische Presse Marburg

Stuttgarter Zeitung

Lübecker Nachrichten

Focus

Stuttgarter Nachrichten - Sonntag aktuell

Der Spiegel

Tom Sundermann (freier Journalist)

Freie Presse

Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung

Thüringer Tageszeitung "Freies Wort"

Thüringische Landeszeitung

Viola Volland (freie Journalistin)

RTL II

Offenbach Post

ZDF

Hallo-muenchen.de

Hendrik Puls (freier Journalist)

Junge Welt

Brigitte

Größeres Medieninteresse als bei der ersten Runde

927 Medien und Medienvertreter hatten eine Akkreditierung für das Verfahren beantragt. Hiervon mussten nach Angaben des OLG München 30 Gesuche abgelehnt werden, weil die Akkreditierungsvoraussetzungen nicht erfüllt wurden. Da sich für zahlreiche Medien jeweils mehrere Journalisten akkreditiert hatten, jedes Medium jedoch nur mit einem Los am Losvefahren teilnehmen konnte, befanden sich insgesamt 324 Lose in den Körben. Bei der ersten Verteilungsrunde hatten sich nur 129 Medien akkreditiert.

Das Bundesverfassungsgericht hatte zuvor auf Klage der türkischen Zeitung "Sabah" hin entschieden, dass vor allem türkische Medien eine angemessene Zahl von Sitzplätzen erhalten müssten. Daraufhin kündigte das OLG ein neues Akkreditierungsverfahren an und der Prozess wurde auf den 6. Mai verschoben.

Ihre Kommentare
Kopf

Andreas Tsilis

29.04.2013
!

Brigitte, wie bitte? Radio Lora - nie gehört. Meinungsvielfalt ist wichtig, zeichnet unsere Demokratie aus, aber: FAZ nein, Zeit Fehlanzeige? Ich kapier das nicht.
Da hätte man doch mehr als 50 Plätze anbieten mögen. Ich bin gespannt, was für eine weitere Farce aus dem Backofen geschoben wird.


AKS

29.04.2013
!

Meine Güte! Kann dieses Gericht nicht einfach GENÜGEND Presse-Plätze anbieten - und dann ist's gut!? Und weshalb muss eigentlich die ARD noch zusätzlich mit DREI Landessendern vertreten sein? DAS ist nun wirklich überflüssig... Da sähe ich lieber die FAZ, die taz und die Zeit auf diesen Plätzen!


Janin

29.04.2013
!

Warum kann man nicht einfach das Verfahren live in einen großen Presseraum übertragen? Damit wären doch alle Probleme gelöst. Warum einfach, wenns auch kompliziert geht?!


Tizia Koese

Tizia Koese

Buch-Autorin/freie Journalistin
freie Autorin

30.04.2013
!

Das OL-Gericht München betonte, man habe sich korrekt verhalten und daher sei die Kritik der Medien und Öffentlichkeit nicht nachvollziehbar. Ja, das OLG hat sich tatsächlich korrekt verhalten und genau das ist mE das Problem: Erinnert mich an den Spruch "Operation gelungen, Patient tot". Der Dimension dieses Mordprozesses wird die Haltung des Gerichts nicht gerecht. Bin gespannt, ob und welche Medien mit welchem Ziel/Ergebnis erneut klagen.


Heinz

30.04.2013
!

Wird das Urteil jetzt auch ausgelost? (*Sarkasmus Ende*)


Thomas Bauer

Thomas Bauer

TOM-Verlag
Verlagsleiter

30.04.2013
!

„Korrektes“, also "legales" Verhalten der Gerichte war noch selten ein Ausweis von Verantwortung für das eigene Verhalten. Legal und legitim sind eben zwei Paar Schuhe. Wem das zweite zu groß ist, der wählt das erste…


gast

01.05.2013
!

Wird jetzt über das Verfahren gejammert oder über das Ergebnis? Als das Verfahren bekanntgegeben wurde, gabs keine großen Bedenken. Also passt nur das Ergebnis einigen nicht. Hätten Sie auch gejammert, wenn sie dabeigewesen wären? Eher nicht. Also gehr es nur um wirtschaftliche Interessen.

Meine persönliche Meinungsbildung sehe ich nicht gefährdet, mindestens 30 Berichterstatter kann ich auf Deutsch oder Englisch verstehen. Aber ich muss mich vielleicht anders informieren als bisher. That´s all


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