Goldmedia-Gastkommentar: Wird Android unser neues Windows?

06.05.2013
 
 

Charles Darwin hat früh erkannt, dass nicht der Stärkste oder der Intelligenteste überlebt, sondern derjenige, der sich am besten dem steten Wandel anzupassen vermag. Der Wandel heute heißt mobiles Internet und wir sehen ihn derzeit überwiegend in Gestalt von Android, dem mobilen Betriebssystem, das Google verschenkt.

Charles Darwin hat früh erkannt, dass nicht der Stärkste oder der Intelligenteste überlebt, sondern derjenige, der sich am besten dem steten Wandel anzupassen vermag. Der Wandel heute heißt mobiles Internet und wir sehen ihn derzeit überwiegend in Gestalt von Android, dem mobilen Betriebssystem, das Google verschenkt. Android hatte bereits Ende 2011 Apple iOS als beliebtestes Smartphone-Betriebssystem abgelöst. (Goldmedia Mobile Monitor 2012) Ende 2012 erreichte Android dann einen Marktanteil von 50 Prozent bei den Smartphones. (Comscore, 2013)

Das Interessante dabei ist, dass eigentlich alle alternativen Betriebssysteme gegen Android verlieren. Lediglich Apple liegt bei ca. 20 Prozent (nur Smartphones) seit 2010 relativ konstant. Womit wir wieder bei Charles Darwin wären. Zieht man nämlich den Blick etwas weiter auf und betrachtet alle Betriebssysteme für das Personal Computing seit Mitte der siebziger Jahre, so zeigt sich ein ähnlich stabiles Bild für alle Apple-Betriebssysteme. In der Summe pendelt deren Anteil immer recht stabil um die Zehn-Prozent-Marke. Viele andere Systeme sind bis zu den frühen neunziger Jahren wieder verschwunden, so z.B. AtariCommodore und Amiga. All diese freien Anteile konnte sich Windows damals sichern und hielt seit Mitte der neunziger Jahre einen Anteil von über 90 Prozent bei den Betriebssystemen. Doch seit 2008 wendet sich das Blatt: Microsoft verliert stetig und Googles Android gewinnt genau diese Anteile hinzu. "Mobile killed the Desktop PC-Star" könnte man in Anlehnung an den berühmten Song der Buggles sagen oder eben "Android kills Windows".

Microsoft Windows hat damit ein doppeltes Problem: Desktop-Rechner verlieren an Bedeutung (14 Prozent weniger verkaufte Desktop-PCs im ersten Quartal 2013 als 2012 laut IDC) und im Mobile-Markt findet man keinen Anschluss. Windows befindet sich offensichtlich auf dem Weg in das OS-Nirvana – dieser Trend ist schwer aufzuhalten. Nach Berechnungen des renommierten Risikokapitalunternehmens Kleiner Perkins (KPCB) fiel der Gesamtmarktanteil von Windows von 96 Prozent in 2005 auf nur noch 35 Prozent in 2012. Weil es Windows trotz der besonders mobile-affinen Version 8 offensichtlich nicht schafft, seinen stärksten Triumph – das Office-Paket – mobil richtig auszuspielen und gleichzeitig die Bedeutung von Büroprogrammen insgesamt nachlässt, wird sich die Negativentwicklung weiter beschleunigen.

Seit 2011 werden mehr Tablets und Smartphones verkauft als Laptops und Notebooks. Dadurch erscheint die Perspektive von Android äußerst positiv. Entwickelt man das Szenario weiter, so werden viele kleine Betriebssysteme wie z.B. SymbianBlackberry oder Bada vermutlich vom Markt verschwinden. Wir stehen also vor einem Duopol von Android und Apple, die jetzt schon zusammen 75 Prozent des mobilen Marktes kontrollieren.

Interessant ist hierbei aber auch, dass Android mit ähnlichen Problemen kämpft wie Windows seit den frühen achtziger Jahren: Mehrere Systemversionen und unendlich viel Hardware, die unterstützt werden muss. Nicht alles passt optimal zueinander und die daraus resultierenden Probleme werden sich wohl eher noch verstärken. Zusätzlich muss sich das Android-Google-Imperium neuerdings auch gegen juristische Anfeindungen zur Wehr setzten: Konkurrenten beklagen die marktbeherrschende Marktstellung. Ironischerweise ist es jetzt Microsoft, das nun die Perspektive wechselt und selbst zum Kläger wird.

Parallel zu alldem gibt es auch die Bestrebungen, möglichst viele Anwendungen in die Cloud zu schicken und Programme nicht mehr lokal auszuführen, sondern über einen Browser oder eine ähnliche Schnittstelle. Hier setzt z.B. das neue Firefox OS an. Doch wenn man eines aus der Desktop-Geschichte lernen konnte, dann: Diese Strategie funktionierte schon bei den Desktop-Computern nicht. Lokal installierte Programme sind dann eben doch unabhängig vom Internet immer verfügbar und in der Regel auch performanter, als es die internetbasierten Dienste sind. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Insbesondere die schwache User Experience steht den Onlineprogrammen immer wieder entgegen und macht das Auslagern von Programmen auf zentrale Server unattraktiv. Auch werden viele einfach den Gedanken nicht mögen, dass ihre Daten auf fremden Servern "irgendwo in der Wolke" liegen.

Doch einen Trost gibt es für Windows doch noch: In knapp 20 Jahren werden wir vielleicht über den Untergang des alles beherrschenden Android-Systems schreiben, während Apple weiterhin einen zehnprozentigen Marktanteil gegen wechselnde Konkurrenten verteidigt. Offensichtlich hat man sich in Cupertino intensiv mit Darwin beschäftigt.

Florian Kerkau

Geschäftsführer Goldmedia Custom Research GmbH

 

Ihre Kommentare
Kopf

Mathias N.

07.05.2013
!

"...dass Android mit ähnlichen Problemen kämpft wie Windows seit den frühen achtziger Jahren: Mehrere Systemversionen und unendlich viel Hardware, die unterstützt werden muss..." Das ist kein Android-Problem, sondern das liegt an den Herstellern, die kein Interesse daran haben, Ihre Geräte mit Updates zu versorgen, denn im Gegensatz zu PCs kann ich ein Smartphone maximal mit einer SD-Card aufrüsten. Das es mit den Updates funktioniert, sieht man ja an den Nexus-Geräten!


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