Bezahlschranke unerwünscht: netzpolitik.org plant eine Anzeigen-Offensive

07.05.2013
 
 

Das Blog netzpolitik.org will eine Renaissance klassischer Werbeformate einläuten, um endlich in die schwarzen Zahlen zu kommen. Auf der Seite soll es bald einen Stellenmarkt für Internet- und IT-Experten geben. Auch einige bezahlte Anzeigen für Veranstaltungen werde es künftig in einem der beliebtesten deutschen Weblogs geben,

Das Blog netzpolitik.org will eine Renaissance klassischer Werbeformate einläuten, um endlich in die schwarzen Zahlen zu kommen. Auf der Seite soll es bald einen Stellenmarkt für Internet- und IT-Experten geben. Auch einige bezahlte Anzeigen für Veranstaltungen werde es künftig in einem der beliebtesten deutschen Weblogs geben, verriet dessen Gründer Markus Beckedahl am Dienstag bei der Internetkonferenz Republica in Berlin.

Für den Blogger gibt es nicht mehr "den einen richtigen Weg der Finanzierung". Deshalb werde netzpolitik.org viele Säulen aufbauen, um seine journalistische Arbeit im Netz auf ein sicheres Fundament zu stellen. Derzeit seien freiwillige Spenden der beste Weg, um Geld für kleine journalistische Plattformen einzusammeln. Binnen weniger Wochen kamen zuletzt 21.000 Euro zusammen, das meiste über normale Banküberweisungen, rund 1.300 Euro aber auch über winzige Spenden mit dem Dienst "Flattr".

Allein durch Banneranzeigen finanziert habe das im Jahr 2002 gegründete Projekt zuletzt monatlich 3.950 Euro Verlust gemacht, sagte Beckedahl. Dem größten Ausgabeposten, 5.200 Euro für ihn, den Redakteur Andre Meister sowie Praktikanten und Honorare stünden etwa 2.000 Euro Einnahmen dank der Vermarktung durch die "Zeit" gegenüber. Beckedahl glich die Verluste durch die von ihm gegründete Agentur Newthinking aus.

Mit täglich 30.000 Lesern sei netzpolitik.org ein kleines Massenmedium, "aber es trägt sich halt nicht", resümierte Beckedahl. Das größte Hindernis seien Ad-Blocker, also kleine Plugins, die beim Nutzer Werbung auf der Seite ausblenden: "Ad-Blocker sind ein großes Problem bei der Refinanzierung des Journalismus."

Als umfassende Informationsquelle über netzpolitische Themen will sich das Blog aber nicht nur über Wasser halten, sondern weiter wachsen. So plane das Team eine Art Frühwarnsystem aufzubauen, um geplante Grundrechtseinschränkungen in der Netzpolitik früher aufzuspüren. Mit anderen Worten: Die Blogger wollen möglichst früh in politischen Prozessen recherchieren. Außerdem wünschten sich die Nutzer mehr Zeit für Hintergrundrecherchen: "Wir wollen Dinge einfacher erklären, aber einfacher erklären dauert länger", sagte Beckedahl. Neben seinem Redakteur Andre Meister gibt es etwa fünf regelmäßige Mitarbeiter, die für das preisgekrönte Blog berichten.

Für die Zukunft schloss Beckedahl eine Bezahlschranke aus. Netzpolitik.org wolle eine "quellenoffene Nachrichtenagentur für digitale Bürgerrechte" bleiben, dazu passe keine Paywall. Auch Medienpartnerschaften mit einem großen Verlag soll es nicht geben: "Wir wollen nicht mit einer Chefredaktion oder irgendeinem Redakteur darüber verhandeln, warum wir einen Artikel wie schreiben."

Autor: Jens Twiehaus

 

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