"Chancengleichheit im dualen System wahren": VPRT kritisiert SPD wegen Exklusiv-Vertrag mit ZDF

 

Die SPD feiert am Donnerstag ihr 150-jähriges Bestehen in Leipzig. Für die Live-Übertragung der Feier ins Fernsehen hatte die Partei eine Exklusiv-Vereinbarung mit dem ZDF und Phoenix geschlossen. Der Vertrag erlaubte es privaten Rundfunkanbietern nicht, live und zeitgleich von der Feier zu berichten. Dem Verband Privater Rundfunk- und Telemedien (VPRT) passt dieses Vorgehen gar nicht.

Die SPD feiert am Donnerstag ihr 150-jähriges Bestehen in Leipzig. Für die Live-Übertragung der Feier ins Fernsehen hatte die Partei eine Exklusiv-Vereinbarung mit dem ZDF und Phoenix geschlossen. Der Vetrag erlaubte es privaten Rundfunkanbietern nicht, live und zeitgleich von der Feier zu berichten. Dem Verband Privater Rundfunk- und Telemedien (VPRT) passt dieses Vorgehen gar nicht.

"Diese Zweiklassenbehandlung innerhalb des dualen Rundfunksystems ist nicht hinnehmbar", sagt Annette Kümmel, Vorsitzende des Fachbereichs Fernsehen und Multimedia im VPRT. "Die Sozialdemokraten zeigen hier ein sehr spezielles Verständnis von Informationsfreiheit. Wir fordern die Sozialdemokratische Partei daher auf, Chancengleichheit in der Berichterstattung herzustellen und private Veranstalter nicht weiter zu benachteiligen", so Kümmel weiter.

Auch der DJV kritisiert die Partei

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert ebenfalls die Medienauswahl bei der 150-Jahr-Feier der Sozialdemokraten. DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken forderte die SPD auf, alle Medien in der Berichterstattung gleich zu behandeln und darauf zu achten, dass auch private Medien zeitgleich berichten können. "Sonst muss man wirklich von einem Zweiklassensystem sprechen, wie dies der VPRT bereits getan hat." Die Partei soll "Regularien finden, die garantieren, dass private Sender gleich behandelt werden."

ZDF weist Kritik zurück

Das ZDF reagierte prompt auf die Kritik: "Alle ausländischen Fernsehanstalten erhielten die Möglichkeit zur zeitgleichen Ausstrahlung, inländische Sender sind zu einer Ausstrahlung mit 15-minütiger Zeitverzögerung berechtigt mit Ausnahme des Partnersenders Phoenix, der die Veranstaltung parallel ausstrahlte."

Haben mehrere TV-Anstalten Interesse an der Live-Ausstrahlung eines Events, heißt es weiter in der Mitteilung, wird üblicherweise nach dem sogenannten Berliner Modell verfahren: Alle beteiligten Sender setzen Geld und Produktionsmittel nach einem festgelegten Schlüssel ein, um das jeweilige Event live zu übertragen.

Das sei beim SPD-Jubiläum nicht der Fall gewesen. Das ZDF trage die Übertragungskosten alleine. Einer gestrigen Bitte von n-tv, das Signal kostenlos live zu übertragen, konnte deshalb nicht entsprochen werden, teilt das ZDF mit. Dieses Verfahren sei absolut üblich und werde auch bei vergleichbaren Veranstaltungen angewendet.

n-tv "überrascht" von ZDF-Erklärung

Bettina Klauser, Pressesprecherin von n-tv, teilt jedoch in einem Statement mit, dass der Sender die SPD "nicht erst gestern auf die Ungleichbehandlung aufmerksam gemacht", sondern "schon vor zwei Wochen über die SPD mit dem ZDF das Gespräch gesucht" habe.

"Bis zum gestrigen Nachmittag hat sich das ZDF aber nicht in der Lage gesehen, mit uns eine Lösung zu finden", so Klauser. "Der Verweis auf die Kosten überrascht uns doch sehr. Wir wären da durchaus gesprächsbereit gewesen, zumal in Poolverfahren eine Kostenbeteiligung ja durchaus üblich ist." Eine finanzielle Forderung des ZDF sei aber weder in der Geschäftsführung noch in der Chefredaktion von n-tv bekannt.

Ihre Kommentare
Kopf

Peter F. Meyer

23.05.2013
!

Parteien sollten lieber Fussball spielen. Da ist schon lange die Zwei-Klassen-Welt üblich. Demnächst scheint es wohl vor Parteitagen dann auch Verhandlungen mit Fernsehanstalten zu geben, die dann gegen Zahlung von ein paar Milliönchen live von den Parteitagen der Sozialen Piraten Deutschlands oder so berichten dürfen. Wo sind wir hier gelandet???


Paul Singles

25.05.2013
!

Many friends in the UK who care for democracy in Germany wonder if this event could mean a further extension of SPD media power (which is already beyond anything acceptable in a democracy).
Maybe Mr Steinbrueck and those still supporting his candidacy realise that their chances to win the General Elections in september are as faint as they have been since Steinbrueck has been crowned.


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