Vom "senderpolitischen Kuhhandel" entnervt: Beckmann hört mit seiner ARD-Talkshow auf

26.05.2013
 

Reinhold Beckmann, 57, gibt seine Talkshow "Beckmann" in der ARD Ende des nächsten Jahres auf. "Ich bin der Debatten über Sinn und Unsinn der politischen Talkshows in der ARD einfach müde", so der Fernsehmoderator im Gespräch mit der "FAS".

Reinhold Beckmann, 57, gibt seine Talkshow "Beckmann" in der ARD Ende des nächsten Jahres auf. "Ich bin der Debatten über Sinn und Unsinn der politischen Talkshows in der ARD einfach müde", so der Fernsehmoderator im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er habe das Gefühl gewonnen, dass es bei der Bewertung der Talkshows in der ARD nicht um Qualität, sondern nur um die Frage gehe, welche Sendeanstalt wie viele Talkshows habe. "Das ist ein Abzählreim. Da wollte ich nicht mitgerechnet werden."

Vor drei Wochen hat Beckmann nach eigenen Angaben dem Intendanten des Norddeutschen Rundfunks, Lutz Marmor, seinen Entschluss mitgeteilt. Der sei zuerst erschrocken, dann aber auch erleichtert gewesen. Es sei doch vollkommen klar, dass Marmor sich als NDR-Intendant und ARD-Vorsitzender in einem politischen Konflikt befinde.

Als sich der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks vor ein paar Wochen die Forderung des BR-Intendanten Ulrich Wilhelm zu eigen gemacht habe, die Zahl der Talkshows im ersten Programm von fünf auf drei zu reduzieren, sei klar gewesen, "in welche Richtung das läuft". Er wolle nicht "Gegenstand eines senderpolitischen Ablass- oder Kuhhandels werden", sagt Reinhold Beckmann im Interview mit der "FAS".

"Vielleicht beendet ja mein Entschluss die ständige Auseinandersetzung zwischen den Sendern über zu viel Gerede", hofft Reinhold Beckmann. Vierzehn Jahre lang hat er seine Sendung moderiert. Vollkommen verschwinden vom Bildschirm wird er nicht, er wird weiter Sendungen für NDR und ARD produzieren, moderieren und entwickeln. Er hat Ideen für den Fußball und für ein unterhaltendes Format.

Seit Herbst 2011 wartet die ARD mit fünf Spättalks zwischen Sonntag und Donnerstag auf.  Am Sonntagabend talkt Günther Jauch, montags Frank Plasberg, dienstags Sandra Maischberger, mittwochs Anne Will und donnerstags Reinhold Beckmann. Innerhalb des Senderverbunds wird schon seit über einem Jahr intensiv über einen Abbau der Formate diskutiert (kress.de vom 16. April 2012).

Reinhold Beckmann war 2012 nach einer Auswertung der GfK-Fernsehforschung Talk-Tabellenschlusslicht unter den großen Abend-Gesprächsrunden. 1,04 Mio (7,2%) schalteten im Jahresschnitt ein (kress.de vom 20. Dezember 2012).

ARD plant Comedy-Abend am Donnerstag

Indes berichtet der "Spiegel", dass sich die ARD-Intendanten am Montag zu einer Sondersitzung treffen, bei der auch das Überangebot an Talkshows auf der Tagesordnung stehe. Die Senderchefs seien sich immer noch uneins, wie viele der Talkshows wegfallen sollen. Gefährdet sei vor allem "Beckmann", wegen der schwachen Quoten. Mit seinem Vorstoß an die Öffentlichkeit nimmt Beckmann seinen Chefs die Entscheidung ab. Donnerstags will die ARD laut "Spiegel" einen Comedy-Abend etablieren.

Ihre Kommentare
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Ingo Köcher

Ingo Koecher

Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG
Redakteur PROMOBIL/CARAVANING Test und Technik

26.05.2013
!

Auch Öffentlich Rechtliches Fernsehen braucht mehr Spaß und weniger Tiefgang. Diese Entwicklung ist nicht neu. Seit Jahrzehnten wird das Programm ausgedünnt. Als erstes rückten politische Magazin auf hintere Sendeplätze, dann wurde deren Ausstrahlungsrhythmus reduziert. Vor wenigen Jahren gab es noch zweimal wöchentliche zwei Polit-Magazine. Heute teilen sich Monitor, Panorama und Fakt einen Sendeplatz pro Woche. Weniger Produktionsdruck dürfte hierbei nicht das Ziel der Intendanz gewesen sein.


AKS

26.05.2013
!

Na wenn jetzt noch Anne Will freiwillig ihren Hut nimmt, dann bleiben uns doch die beiden interessantesten Talkshows der ARD erhalten - plus Günther Jauch...


B. Leicht

26.05.2013
!

Wieso? Beckmann war doch noch nie 'ne "politische" Talkshow sondern zu 97,5% geprägt von Klatsch und Sensationen... und vom pseudo-tiefenpsychologischen Nachhaken des... aber lassen wir das ;)


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