Springer Verlag stellt digitales Bezahlmodell vor: "Bild" startet "übergreifendes Marken-Abonnement"

27.05.2013
 

Deutschlands Boulevard-Riese steuert gegen: Nach dem jahrelangen massiven Sinkflug der klassischen Auflage peilt "Bild" vom 11. Juni an weitere Erlöse im Digitalen an.

Deutschlands Boulevard-Riese steuert gegen: Nach dem jahrelangen massiven Sinkflug der klassischen Auflage peilt "Bild" vom 11. Juni an weitere Erlöse im Digitalen an. Für exklusive Inhalte sollen Leser zwischen 4,99 Euro (Portal) und 9,99 Euro (mit PDF) im Monat zahlen (kress.de vom 24. Mai 2013). Wer zusätzlich zur Digitalausgabe auf Gedrucktes steht, dem bietet der Axel Springer Verlag für dann insgesamt 14,99 Euro auch noch Gutscheine für den Gang zum Kiosk an. Die Videoberichte der Fußball-Bundesliga wiederum kosten in jedem der drei Pakete noch einmal 2,99 Euro extra pro Monat. Und wer "Bild" klassisch am Kiosk kauft, der kann an diesem Tag die Exklusivinhalte von "Bild Plus" unbegrenzt abrufen.

Tagespass als Schnittstelle

Andreas Wiele, der für "Bild" zuständige Vorstand des Axel Springer Verlags, sprach am Montagabend bei der Präsentation des Modells in Berlin von einem "übergreifenden Marken-Abonnement", seine hauseigene Digitalstrategin Donata Hopfen von einem "Kreislauf von Print zu Digital". Die Schnittstelle ist ein Tagespass in der klassischen Zeitung: Jede "Bild"-Zeitung wird mit einem einmaligen Code versehen, der für den jeweiligen Tag den Zugang zu den "Bild Plus"-Abonnenten vorbehaltenen Inhalten ermöglicht – ohne Aufpreis, aber auch ohne die "Highlight"-Bundesliga-Berichte.

Sein Verlag glaube daran, "dass das, was einen Wert hat, auch einen Preis haben sollte", sagte Wiele. Er wisse, dass das Risiko des Scheiterns in dem Projekt inbegriffen sei. "Bild" wolle auch mit Bezahlangeboten das größte Nachrichtenportal in Deutschland bleiben und so viele Leser wie möglich zu zahlenden Kunden machen. Dabei bleibe ein großer Teil der Inhalte im Online-Angebot frei zugänglich, insbesondere Nachrichten. Digitalstrategin Hopfen zeigte bei der Präsentation allerdings, was künftig Abonnenten vorbehalten sein soll: Detailauswertungen. Als Beispiel führte sie einen ausführlichen "Gehalt-Report" vor – mit weit mehr Details als sie sich in einer Print-Infografik finden.

24 Millionen Euro für Bundesliga-Rechte im Netz

"Bild Plus" soll vor allem auch die Investitionen wieder reinfahren, mit der sich der Verlag das Recht gesichert hat, von der kommenden Saison 2013/2014 an seinen Lesern Zusammenfassungen der Fußball-Bundesliga zu präsentieren – exklusiv und zumindest am Samstag sogar ein paar Minuten früher als die ARD-"Sportschau" auf dem klassischen Weg des Fernsehens. Etwa 24 Millionen Euro hat der Verlag dafür auf den Tisch gelegt – Geld, das nicht nur die neuen Digitalabos wieder reinspielen sollen, sondern auch Werbung um die Videoberichte. Hopfen präsentierte eine erste Version, in der sich Nutzer aus den Berichten eine persönliche Sendung zusammenstellen können.

Die Auflage der gedruckten "Bild" sackte von einst deutlich über vier Millionen Exemplaren, die noch Anfang dieses Jahrtausends über die Ladentheken gingen, auf zuletzt nur noch etwa 2,5 Millionen ab – ein Branchentrend. Im vergangenen Jahr hatte der Springer-Verlag bereits für seine "Welt"-Gruppe Digitalabos eingeführt und für Teile seiner Seite Geld. Zahlen wolle er erst Ende des Jahres preisgeben, sagte Vorstandschef Mathias Döpfner. "Nur so viel: Wir verkaufen mit der 'Welt' pro Tag mehr digitale als analoge Abos. Das ist schon ein sehr ermutigendes Signal." Zu "Bild Plus" sagte Döpfner, er hege mit dem Projekt auch eine journalistische Hoffnung: "Dass das Plus-System eine zusätzliche Dynamik in den Redaktionen auslösen wird: Wer will jetzt noch einen kostenfreien Artikel produzieren? Jeder wird doch hinter dem Plus stehen wollen."

"Drücken Sie uns wenigstens heimlich die Daumen"

Chefredakteur Kai Diekmann spielte am Montagabend im Springer-Haus übrigens keine Rolle – obgleich er pünktlich zum Start von "Bild Plus" und nach seiner Dauerhospitanz im Silicon Valley wieder seinen Dienst in Berlin antreten soll. Was seine "Zeitung" mit dem Bezahlmodell wagt, hat unterdessen Signalwirkung, denn die Kombination aus Boulevard im Web und Bezahlmodellen ist Neuland. Denn neben deutschen Titeln wie der Münchner "Abendzeitung" und dem Kölner "Express" verharren auch der Schweizer "Blick" und die britische "Sun" mit ihren Webseiten weiter im Reich der ausschließlich werbefinanzierten Portale. Konzernvorstand Wiele rief die Besucher der "Bild Plus"-Präsentation dann auch auf: "Drücken Sie uns wenigstens heimlich die Daumen!"

Ihre Kommentare
Kopf

Peter F. Meyer

28.05.2013
!

Meine Prophezeiung: Es wird nicht funktionieren. Kein Bauarbeiter wird sein Tablett nehmen und in der Frühstückspause zur Wurststulle mit fettigen und schmutzigen Fingern durch die digitale Welt der Bild streichen. Das Modell scheint mir eher etwas für Bams-Leser zu sein. Die Bams wird ja ohnehin "nur wegen des Sportteils" gekauft...


Lutz Schmidt

28.05.2013
!

Warum heimlich die Daumen drücken? Viel Erfolg der ganzen Mannschaft!!!


Christo Volschenk

28.05.2013
!

Meine Prophezeiung, Herr Meyer: es wird funktionieren. Die Bauarbeiter können, wie früher, die gedrückte Ausgabe kaufen/lesen. Die Auflage-Zahlen zeigen jedoch das Bauarbeiter am Verschwinden sind...und das die digitale Leser am Wachsen sind...


Chris Ecklebe

Chris Ecklebe

COSMOTY.de
Geschäftsführer

28.05.2013
!

Die Frage ist, ist der hiesige Bild-online Leser bereit Geld in die Hand zu nehmen und lässt die jeweilige Bonität auch z.B. Lastschrift oder Rechnungskäufe zu?


Bernd Trumpfheller 66

28.05.2013
!

Und wie das funktionieren wird. Ich jedenfalls bin da voll dabei . Als spätpupertierender User , jetzt zum Silver-Surver ernannter Netz -Opa , bleibt mir
der Blogger erspart . man muß nur eine Stelle , NUR für SILVER -SURVER einrichten,-- Ist das noch zu gebrauchen oder kann das weg. " Verfallsdatum überschritten. " Fundus entrüppeln." Junge Journalisten Stoffbörse gründen . Die Silver - Surver kontaktieren. Und schon geht die Luzie ab.


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