Angeblich sollen mind. 15% eingespart werden: VRM will sich von Tarifverträgen verabschieden

 

Die Verlagsgruppe Rhein Main (VRM) hat beim Verband der Zeitungsverleger Rheinland Pfalz und Saarland sowie beim Hessischen Zeitungsverlegerverband die so genannte Ohne-Tarif-Mitgliedschaft beantragt. Damit hält sich laut ver.di keiner der großen Zeitungsverlage in Rheinland-Pfalz mehr an die einschlägigen Tarifverträge für Verlage und Redaktionen. In Hessen sind die Beschäftigten der beiden Wiesbadener Tageszeitungen "Kurier" und "Tagblatt" von den Maßnahmen der VRM betroffen.

Die Verlagsgruppe Rhein Main (VRM) hat beim Verband der Zeitungsverleger Rheinland Pfalz und Saarland sowie beim Hessischen Zeitungsverlegerverband die so genannte Ohne-Tarif-Mitgliedschaft beantragt. Damit folge das Unternehmen rund 50 weiteren Verlagen in Deutschland, die sich von der OT-Mitgliedschaft in den Verbänden "flexiblere  Reaktionsmöglichkeiten" auf die sich ständig ändernden Herausforderungen in der Medienbranche versprechen, teit die VRM mit.

Auf alle bisher im Branchentarif angestellten Mitarbeiter der VRM habe dieser Statuswechsel keinerlei Auswirkung. Mit diesem Schritt der VRM hält sich laut ver.di Hessen keiner der großen Zeitungsverlage in Rheinland-Pfalz mehr an die einschlägigen Tarifverträge für Verlage und Redaktionen. In Hessen sind die Beschäftigten der beiden Wiesbadener Tageszeitungen "Kurier" und "Tagblatt" von den Maßnahmen der VRM betroffen.

ver.di sieht darin einen  "weiteren krassen Vertrauensbruch"

Manfred Moos von ver.di Hessen sieht in der "Tarifflucht" der VRM einen "weiteren krassen Vertrauensbruch" gegenüber der Belegschaft. Nach der Ausgliederung des Mainzer Druckbetriebes der VRM in das tariflose Druckzentrum Rhein-Main in Rüsselsheim sei der Wechsel des Verlags in die OT-Mitgliedschaft das klare Signal, dass die Beschäftigten nun auch für die Kosten des aktuellen Wandels vom klassischen Verlagshaus zum Content-Anbieter aufkommen sollten.

Angeblich sollen mind. 15% eingespart werden

Nach ver.di-Informationen sollen künftig durch niedrigere Gehälter und längere Arbeitszeiten bei den Beschäftigten mindestens 15% eingespart werden. Als besonders zynisch bezeichnet Moos den gewählten Zeitpunkt der Tarifflucht. "Gerade erst wurde die faktische Zusammenlegung der Redaktionen von 'Wiesbadener Kurier' und 'Tagblatt' vollzogen. Die Beschäftigten haben in diesem Prozess für einen weitgehend reibungslosen Ablauf gesorgt. Als Dank wird ihnen nun der Tarifschutz entzogen."

"Bankrotterklärung für die Zeitungsverleger insgesamt"

ver.di Rheinland-Pfalz zeigte sich überrascht und bestürzt. Achim Schulze, Fachbereichsleiter Medien bei ver.di Rheinland-Pfalz: "Vorsicht Überfall kann man da nur sagen. Ziel sind die Konten der Beschäftigten." Es sei aber auch eine Bankrotterklärung für die Zeitungsverleger insgesamt, so Schulze weiter. Mit der Möglichkeit der OT-Mitgliedschaft habe sich der Arbeitgeberverband selber als Sozialpartner verabschiedet und kann sich in Zukunft darauf konzentrieren, Pressebälle zu organisieren.

Journalistische Leistungen gebe es nicht zu Dumping-Konditionen

Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert die Absicht der VRM, an künftige Tarifverträge für Redakteure an Tageszeitungen nicht mehr gebunden zu sein. "Damit begeht ein weiteres Medienunternehmen Tarifflucht", sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken.

"Wir befürchten, dass über einen Haustarifvertrag am Einkommen der Journalisten gespart werden soll", so Konken weiter. Hintergrund könnte der Druck durch den Gesetzgeber sein, die Leiharbeitnehmer zu integrieren. Das dürfe nicht mit schlechteren Leistungen für alle kompensiert werden. Journalistische Leistungen gebe es nicht zu Dumping-Konditionen. Er forderte die betroffenen DJV-Mitglieder bei der Verlagsgruppe Rhein-Main auf, sich an ihre DJV-Landesverbände in Rheinland-Pfalz und Hessen zu wenden.

"Die Auflösungserscheinungen im Verlegerlager sind unübersehbar", sagte Konken. Es sei nicht nachvollziehbar, wie wenig Bedeutung BDZV- Mitgliedsverlage den Tarifverträgen beimessen. Es sei alarmierend, wenn einzelne Zeitungsverleger Tarifverträge nur noch als Kostenballast begriffen, der schnellstens abgeworfen werden müsse.

Ihre Kommentare
Kopf

Karl Jobig, PFDE Dresden

10.06.2013
!

An dieser Einsparung sind die Gewerkschaften nicht schuldlos. Lohnsteigerungen lassen unweigerlich Kosten steigen. Das spürt zu Einsparungen - einige müssen gehen, damit andere mehr Geld bekommen. Wann begreifen Gewerkschaften endlich, dass ide Zukunft dem Slogan gehört: Boni für alle. Macht das Unternehmen Gewinn, partizipieren die Mitarbeiter. Die rituellen Lohnrunden sind seit Jahrzehnten überholt.


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