"Markt nimmt neues Magazin sehr gut an": Wie sich die "FAZ" weniger abhängig von Werbung macht

11.06.2013
 

Die FAZ GmbH hat das Geschäftsjahr 2012 mit einem Jahresfehlbetrag von 4,3 Mio Euro abgeschlossen. Der im Vergleich zum Vorjahr (Jahresüberschuss 19,3 Mio Euro) deutliche Ergebnisrückgang hat neben niedrigeren Anzeigenerlösen hauptsächlich mit dem Verkauf der Anteile an der Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam zu tun.

Die F.A.Z. GmbH hat das Geschäftsjahr 2012 mit einem Jahresfehlbetrag von 4,3 Millionen Euro abgeschlossen. Den im Vergleich zum Vorjahr (Jahresüberschuss 19,3 Millionen Euro) deutlichen Ergebnisrückgang führen die Frankfurter neben niedrigeren Anzeigenerlösen hauptsächlich auf das rückläufige Beteiligungsergebnis zurück, das im Vorjahr durch die Veräußerung der Anteile an der Regionalzeitungsbeteiligung Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam geprägt worden sei. 

Die Bilanzsumme sei vornehmlich wegen des Fehlbetrags auf 396,7 Millionen Euro gesunken, die Eigenkapitalquote fiel leicht auf 46,6 Prozent. Dank der traditionell sehr konservativen Anlagestrategie verfüge man aber über einen hohen Bestand an Bankguthaben und Wertpapieren; sei weiterhin vollständig innenfinanziert und nehme ebenso wie die FAZ-Verlagsgruppe, in der die "FAZ" erscheint, keine Bankkredite in Anspruch, heißt es bei der FAZ GmbH.

Die FAZ-Verlagsgruppe soll den Angaben zufolge inzwischen weniger stark als zuvor von der Entwicklung des Werbemarkts abhängig sein. Auch künftig werde mit einer schrittweisen Erhöhung der Vertriebserlöse und der Erschließung neuer Geschäftsfelder dem Risiko schwankender Anzeigenmärkte begegnet. Zudem will man die "Kostenstrukturen optimieren" werden und verweist auf Kooperationen mit anderen Verlagen. So hat die FAZ GmbH Anfang des Jahres die Verwaltungsaufgaben des Schwesterunternehmens Frankfurter Societät GmbH übernommen. Im Gegenzug wurden die Sparten Corporate Publishing und Buch des FAZ-Instituts in die Frankfurter Societäts-Medien GmbH integriert. Dort sollen sie weiter ausgebaut werden. Außerdem hat sich die FAZ GmbH zusammen mit der Frankfurter Societät GmbH an der neuen Frankfurter Rundschau GmbH beteiligt, die die "Frankfurter Rundschau" seit März führt. Die Zusammenarbeit der drei Verlage im Rhein-Main-Gebiet eröffne neue Möglichkeiten für die regionale Vermarktung von Print- und Onlinewerbung.

Die Bilanzsumme der Verlagsgruppe sei auf 413,1 Millionen Euro gesunken, was hauptsächlich auf den Konzernjahresfehlbetrag von 3,6 Millionen Euro zurückzuführen ist. Außerdem habe die Entkonsolidierung der Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft Potsdam Spuren in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung der Gruppe hinterlassen. Das Geschäft des Tochterunternehmens FAZ Institut entwickelte sich im Berichtsjahr besser als erwartet. Das ebenfalls zur Gruppe gehörende Logistik- und Mediengeschäft Medienservice GmbH & Co. KG verzeichnete hingegen einen Umsatzrückgang.

Verhaltene Geschäftsentwicklung im laufenden Geschäftsjahr

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die "FAZ" mit einer wirtschaftlich verhaltenen Entwicklung. Für das Jahr 2014 geht die Geschäftsführung dann von einer moderaten Erholung aus, bei jedoch weiterhin stagnierenden Anzeigenmärkten.

"Markt nimmt 'Frankfurter Allgemeine Magazin' sehr gut auf"

In diesem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld bleibe die FAZ-Verlagsgruppe mit Kostendisziplin und dem Ausbau neuer Geschäftsfelder auf Kurs. Die konsequente Nutzung des Markennamens "Frankfurter Allgemeine Zeitung" biete zusätzliche Chancen, sagte Tobias Trevisan, der Sprecher der Geschäftsführung der FAZ GmbH, am Montag auf der Gesellschafterversammlung in Frankfurt. "Mit dem 'Frankfurter Allgemeine Magazin' (kress.de vom 6. Dezember 2012) haben wir ein Lifestyle-Produkt eingeführt, das unseren hohen publizistischen Ansprüchen genügt und das sehr gut vom Markt aufgenommen wurde." Auch die Veranstaltung von Konferenzen entwickle sich als neues Geschäftsfeld "FAZ Forum" vielversprechend. Der neue Bereich „"Frankfurter Allgemeine Business School" mit Angeboten für Weiterbildung komme ebenfalls gut voran.

Die konjunkturelle Abkühlung durch die Verschärfung der Euro-Krise belastete in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2012 das Anzeigengeschäft in Deutschland. Trotz des gesamtwirtschaftlichen Wachstums schrumpften die Anzeigenumfänge der überregionalen Tageszeitungen gegenüber dem Vorjahr um 10,8 Prozent. Auch das Werbegeschäft und insbesondere der Stellenmarkt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" verzeichneten starke Rückgänge. Den sinkenden Anzeigenerlösen standen steigende Vertriebserlöse für "FAZ" und "FAS" gegenüber. Während die Auflagen der deutschen Tageszeitungen im Vorjahr um 3,1 Prozent gefallen sind, hat die "FAZ" mit einer um 1,9 Prozent gesunkenen Auflage von täglich 354 225 Exemplaren besser abgeschnitten. Auch die Sonntagszeitung entwickelte sich besser als der Markt; sie hielt mit einer Auflage von 356 703 Exemplaren das Vorjahresniveau.

FAZ.net profitiere von Vermarkter-Allianz

Das Geschäft von FAZ.net sei im Berichtsjahr durch einen Wechsel des Vermarkters geprägt worden. Durch Bündelung der Online-Vermarktung in einer Allianz von Qualitätszeitungen, bestehend aus "FAZ", "Süddeutscher Zeitung", "Zeit" und "Handelsblatt" (kress.de vom 7. November 2012), stiegen im laufenden Jahr die Online-Werbeumsätze spürbar, heißt es in Frankfurt. Das "FAZ-Archiv" habe im vergangenen Jahr sein kontinuierliches Wachstum fortgesetzt. Besonders erfreulich entwickelte sich der Verkauf elektronischer Produkte und Dienste sowie der Verkauf von Lizenzen und Nachdruckrechten. 

Martin Kall neues Mitglied im Aufsichtsrat

Als neues Mitglied im Aufsichtsrat der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wurde Martin Kall bestellt. Von April 2002 bis Ende 2012 war Martin Kall Vorsitzender der Geschäftsleitung der Tamedia AG, eines börsennotierten Medienunternehmens in der Schweiz.

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