Trendforscher Sven Gábor Jánszky: Bezahl-Modell von "bild.de" ist "intelligenter Dummenfang"

11.06.2013
 

Axel Springer hat an diesem Dienstag das Abo-Angebot "Bild Plus" auf bild.de gestartet. Die Nutzer sollen dabei vor allem mit exklusiven Inhalten und Bundesliga-Fußball gelockt werden. Der Trendforscher Sven Gábor Jánszky hält das Modell der "Bild"-Leute nicht für den großen Wurf, bezeichnet es sogar als "intelligenten Dummenfang".

Axel Springer hat an diesem Dienstag das Abo-Angebot "Bild Plus" auf www.bild.de gestartet (kress.de vom 27. Mai 2013). Die Nutzer sollen dabei vor allem mit exklusiven Inhalten und Bundesliga-Fußball gelockt werden. Der Trendforscher Sven Gábor Jánszky hält das Modell der "Bild"-Leute nicht für den großen Wurf, bezeichnet es sogar als "intelligenten Dummenfang". Warum er es dennoch als Schritt in die richtige Richtung wertet.

"Wenn es wirklich darum ginge, dem User zu vermitteln, dass er für besonders exklusive Inhalte bezahlen muss, dann würde das funktionieren. Ich bin sicher, dass es eine relevante Menge an Lesern gibt, die für ein Exklusivinterview mit Mark Zuckerberg oder ein Bikini-Foto der Kanzlerin oder einen Bundesliga-Clip vor der 'Sportschau' tatsächlich Geld ausgibt", sagt Jánszky und mahnt an: "Doch was sie tun, ist etwas ganz anderes: Sie führen ein Abo-Modell ein, bei dem die Bundesliga-Clips drei Euro kosten. Diese Clips kann man aber nur kaufen, wenn man ein normales Abo von mindestens fünf Euro hat. Das ist intelligenter Dummenfang."

Das Konzept von bild.de sei also nicht neu, alle existierenden Bezahl-Modelle von Zeitungen im Internet funktionierten so. Der Leser müsse selbst dann das volle Abonnement abschließen, wenn er die Zeitung nur an zwei Tagen in der Woche lese. An den Bedürfnissen und dem Nutzungsverhalten der User gehe diese verstaubte Strategie somit vorbei. Einen Teilerfolg hält Jánszky für den Verlag dennoch für sicher: "Zumindest der unausgesprochene Plan, die gedruckte Auflage zu stabilisieren wird wohl funktionieren. Außerdem wird der Verlag ein zweites unausgesprochenes Ziel erreichen: Er wird erstmals die persönlichen Kontaktdaten vieler Leser der Kioskausgaben und der User des Onlineangebots erhalten, verbunden mit Informationen über Themen und Inhalte, für die sich die jeweiligen Menschen interessieren. Diese Daten sind wertvoll und nutzbar gegenüber den Werbekunden und den eigenen Onlineangeboten."

Obwohl er das Modell nicht für "den großen Wurf und die Rettung der Zeitungslandschaft" hält, findet Jánszky auch anerkennende Worte für die Manager des Axel-Springer-Verlags. "Vermutlich sind die Zielgruppen inzwischen so differenziert, dass es einen großen Wurf gar nicht geben kann. Was wir hier sehen, sind drei kleine Schritte, wovon zwei schon einmal in die richtige Richtung gehen. Gut, das einer sich dies traut. Alle anderen jammern ja nur", sagt Jánszky.

Was Jánszky Verlagen rät

Auf Basis einer Trendanalyse empfiehlt Jánszky den Verlagen, ihr eigenes Geschäftsmodell anzugreifen. "Sie müssen dazu übergehen, online nicht mehr Werbung sondern eigene Services und Produkte zu verkaufen. Sie müssen das Internet nicht als zusätzlichen Vertriebskanal verstehen, sondern als Werkzeug, um das eigene Produkt adaptiv zu machen", erklärt Jánszky. Für Zeitungsliebhaber sei dies ein schwerer Schritt, was jedoch eher ein mentales als ein wirtschaftliches Problem sei. Nach Auffassung von Jánszky sind der Axel-Springer-Verlag sowie der Burda Verlag die Vorreiter in der deutschen Verlagslandschaft, wenn es darum geht, das eigene Geschäftsmodell anzugreifen. Beide Verlage hätten bereits frühzeitig auf die Warnsignale reagiert und machten nur noch ein Drittel ihres Geschäfts mit gedrucktem Papier.

Sven Gábor Jánszky untersucht als Direktor und Trendforscher des 2b Ahead ThinkTanks die Trends unserer Zeit. Der studierte Journalist hält Reden und er hat die Bücher "Rulebreaker - Wie Menschen denken, deren Ideen die Welt verändern" und "2020 - So leben wir in der Zukunft" verfasst.

Ihre Kommentare
Kopf

mediaproof

11.06.2013
!

Liebe Kress-Redaktion,

die Äußerungen von Herrn Jánszky finde ich peinlich. Wenn Verlage vom Einzelverkauf leben könnten wäre es schön und von der IVW und deren verstaubten Vorgaben hat er wohl auch noch nichts gehört...


web-regie

11.06.2013
!

Eigentlich ist es doch ganz einfach!

Papier zur Veröffentlichung von Schrift ist ein teueres Medium. Auf lange Sicht gesehen wird der elektronische Wissenträger gewinnen.

Die elekronische Zeitung muss nur einen echten Mehrwert bringen, dann klappt es auch mit der Bezahlung.
Oft ist die Info in der Tageszeitung auf eine Seite auf Papier Lokales begrenzt.
Einfach 5 mal soviel Info für elektonische Zeitungen. Permanent veröffentlicht - super aktuell. Ohne Redaktionsschluss - Das wäre ein Anreiz


Marketingexperte

11.06.2013
!

Generell für Artikel Geld zu nehmen die überall im Netz kostenlos zu beziehen sind ist völliger Unsinn. Andere Zeitungen machen es der Bild vor oder nach, wie man es eben sieht. Die meisten Internetnutzer möchten ihre Daten jedoch nur bedingt preisgeben, somit wird dieses Geschäftsmodel scheitern. Aber es eröffnet neuen Internetinformationsportalen ungeahnte Möglichkeiten Marktanteile abzuschöpfen.


Uwe

12.06.2013
!

"Gut, das einer sich dies traut. Alle anderen jammern ja nur" Das ist die entscheidende Aussage. Machen und ausprobieren, ggf. verwerfen und weiterentwickeln. Wie soll es sonst gehen? Die Einschätzung, dass dies drei Punkte sind und "zwei in die richtige Richtung" (sic) gehen, halte ich am ersten Tag des Angebots für mehr als mutig. Aber das müssen Trendforscher ja auch sein. ;)


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