Serien-Fastfood aus der Arztpraxis: RTL stellt neue Comedy "Schmidt" vor

13.06.2013
 
 

Es beginnt mit einem relativ schlechten Witz: Adam und Eva – so heißen die beiden Protagonisten einer Serie, die RTL im kommenden Jahr ausstrahlen will. Adam und Eva tragen beide den Nachnamen Schmidt und sind Ärzte, weshalb der Sendungstitel "Schmidt – Chaos auf Rezept" wohl unvermeidbar war. RTL will damit zurück in die Zeit, als eigenproduzierte Serien noch ein Straßenfeger waren. Ob "Schmidt" das gelingt?

Es beginnt mit einem relativ schlechten Witz: Adam und Eva – so heißen die beiden Protagonisten einer Serie, die RTL im kommenden Jahr ausstrahlen will. Adam und Eva tragen beide den Nachnamen Schmidt und sind Ärzte, weshalb der Sendungstitel "Schmidt – Chaos auf Rezept" wohl unvermeidbar war. Und während die Namen Adam und Eva ein wenig an den Ursprung der Menschheit erinnern, will auch der Kölner Sender mit den acht 45-Minütern zurück an den Ursprung: zurück in die Zeit, als eigenproduzierte Serien noch ein Straßenfeger waren. Ob "Schmidt" das gelingt? Es dürfte sehr schwer werden, wie die erste Folge zeigt, in die kress.de nun schon am Berliner Filmset hineinschauen durfte.

Die Handlung ist schnell erklärt, denn sie ist so überschaubar wie durchsichtig: Im Mittelpunkt stehen zwei junge Ärzte, die nicht nur gegensätzlich sind, sondern, man vermutet es, auch noch unglücklich ineinander verliebt. Dr. Eva Schmidt, gespielt von Julia Hartmann, ist die süße und äußerst strenge Durchstarterin. Dr. Adam Schmidt, der übrigens nicht verwandt, verschwägert oder verheiratet mit seiner Angebeteten ist und von Lucas Gregorowicz gespielt wird, stellt dagegen den lieben tätowierten Chaoten aus dem Kreuzberger Kiez dar. Beide führen zusammen eine Praxis, in der natürlich eine dümmliche Arzthelferinnen-Blondine namens Britta (Jil Funke) nicht fehlen darf. Schließlich taucht immer wieder der schmierige Sportwagenfahrer Imre (Florian Jahr) auf, an den wiederum Eva ein Herz verloren hat.

Klingt irgendwie bekannt? Ist es auch. RTL wagt mit "Schmidt" nicht wirklich Neuland, sondern knüpft an altbekannte Serienmuster für das seichte Abendprogramm an. Wie üblich in solchen Serien, steht pro Folge weniger ein Fall oder ein Problem im Mittelpunkt, als die gesamte Konstellation. So ist auch die erste Folge namens "Kinderkram" inhaltlich weitgehend belanglos – die Geschichte einer minderjährigen und in der Schmidt-Praxis entbindenden Mutter ist nur Mittel zum Zweck, ausführlich die Liebelei zwischen Adam und Eva und all die latenten Konflikte drumherum zu beleuchten.

Solche Muster sind bei RTL zuletzt schon wegen schwacher Quoten gescheitert, wie "Countdown" oder die ebenso im Krimi-Genre angesiedelten "Die Draufgänger" bewiesen haben. Wie die "Draufgänger" ist auch "Schmidt" eine Produktion aus dem Hause Constantin. Ist das Projekt eine Trotzreaktion von RTL auf jüngste Misserfolge? Es wirkt beinahe so, denn "Schmidt" sei auch der Versuch, an das hochgelobte "Doctor’s Diary" anzuknüpfen, sagt RTL-Sprecher Claus Richter.

Für "Schmidt" dürfte das allerdings schwer werden, denn die Fußstapfen von "Doctor’s Diary" aus der Produktionsschmiede von Polyphon sind dank eines Grimme-Preises und mehrerer Deutscher und Bayerischer Fernsehpreise riesig. Und die Geschichte rund um die beiden Ärzte ist zwar solide und stellenweise witzig, jedoch wohl zu gewöhnlich, um für ausreichend Aufmerksamkeit zu sorgen. "Schmidt" ist eine lockere Portion Serien-Fastfood, die vom Sender allen Ernstes als "Feelgood-Comedy-Serie mit Lach/Wein-Tränen-Garantie" beworben wird.

Doch RTL glaubt gerade wegen der häufig gesehenen Figuren-Konstellation an gute Quoten und drückt noch vor dem Start von "Schmidt" mächtig auf die Tube. Der Sender setzt zu seiner bereits vor Monaten angekündigten Offensive mit selbstproduzierten Serien an: "Sekretärinnen" (produziert von ITV Studios Germany), "Christine" (Polyphon) und "Doc meets Dorf" (teamWorx) starten zu einem noch unbekannten Termin in der kommenden TV-Saison im Spätsommer – und zwar alle an einem Tag, wie Richter im Gespräch mit kress.de ankündigt.

Gedreht wird "Schmidt" noch eine weitere Woche lang in einer nachgebauten Praxis, die im Studio Berlin im Südosten der Hauptstadt steht. Die Regie führen Alexander Dierbach und Sebastian Sorger, Produzent für Constantin Television ist Fritz Wildfeuer. Die Drehbücher stammen vom Serienspezialisten Tom Maier ("Der Kriminalist", "SK Kölsch") und den Autoren Andi Knop (ZDF-Komödie "Der große Schwindel", "Ein Fall für zwei"), Boris Anderson ("Verbotene Liebe", "Alles was zählt") und Henning Köhn ("Unser Charly"). Redaktionell verantwortlich bei RTL sind Melanie Brozeit und die Fiction-Bereichsleiterin Barbara Thielen.

Autor: Jens Twiehaus
 

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