Cord Schnibben bei Netzwerk Recherche: "Wir können uns nicht mehr auf die Verleger verlassen"

 

Um den Journalismus zu retten, sollten sich Journalisten künftig um den Job des Verlegers kümmern, findet Cord Schnibben. Ansonsten sei ein Jahrzehnt des Sparens programmiert. Was der "Spiegel"-Redakteur in seinem Vortrag auf der Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche den Verlegern rät

Um den Journalismus zu retten, sollten sich Journalisten künftig um den Job des Verlegers kümmern, findet Cord Schnibben. "Wir können uns nicht mehr auf die Verleger verlassen", sagte der "Spiegel"-Redakteur in seinem Vortrag anlässlich der Jahreskonferenz der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche. Ein Jahrzehnt des Sparens sei programmiert, wenn Journalisten nun nicht eingriffen. Ein ähnliches Schicksal wie bei "FTD" oder "Frankfurter Rundschau" werde sonst immer mehr Medien treffen.

Nichts verändere den Journalismus so sehr wie das Tablet, so Schnibben. "In manchen Teilen des Netzes wird man heutzutage besser informiert als bei den sogenannten Qualitätsmedien", sagte er getreu dem Motto: Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern. Der Internetnutzer, der die richtigen Websites nutzt, sei mitunter besser informiert als der Journalist.

Künftig gelte es, Journalismus vom Gerät her zu denken. In fünf Jahren werde es in Deutschland 18 Mio Tablets geben, darauf gelte es zu reagieren. Tabletuser seien intensive Leser, die sowohl schnelle Nachrichten als auch hintergründige Berichte konsumierten und darüber hinaus auch bereit seien, für Journalismus im Netz zu zahlen. In Zeiten der Entschleunigung, in der Tageszeitungen zu Wochenzeitungen und Wochenzeitungen zu Monatsmagazinen würden, gelte es Print- und Onlinejournalismus geschickt in einem Tabletprodukt miteinander zu verknüpfen.

"Bild Plus ist wie Trabi mit Hostessen"

Schnibben betonte in seinem Vortrag außerdem, dass die Einführung von Paywalls nicht die Lösung aller Probleme seien. "Bild Plus ist wie ein Trabi mit Hostessen", sagte er. Im Hinblick auf das neueste Experiment im Netz. Was Springer dort abliefere, sei "miefiger Journalismus". Die Schicksalsfrage, ob eine Bezahlkultur sich im Netz etabliere, sei an den Inhalten, die "Bild "liefere, nicht auszumachen. Viel spannender sei, ob "Welt Online" mit dem Metered Model Erfolg habe.

Zur 13. Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche in Hamburg werden am Freitag und Samstag 900 Teilnehmer erwartet. Nach einer "notgedrungenen Zwangspause", so der BpB-Präsident Thomas Krüger, ist in diesem Jahr die Bundeszentrale für politische Bildung wieder als Förderer an Bord. 2011 war publik geworden, dass die Journalistenvereinigung unberechtigt Zuschüsse erhalten hatte (kress.de vom 3. Juli 2011). Diese Krise, die zur Folge hatte, dass Vorstand Thomas Leif seinen Hut nehmen musste, scheint nun überstanden.

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