ZDFneo stellt Herbstprogramm vor: Kaum Funkenschlag beim Speed-Dating

14.06.2013
 
 

Im Rahmen eines Speed-Datings hat der Digitalkanal ZDFneo sein Programm für die zweite Jahreshälfte 2013 vorgestellt. So hip die Aktion auch war, die große Liebe konnte der Sender nicht vermitteln.

Im Rahmen eines Speed-Datings hat der Digitalkanal ZDFneo sein Programm für die zweite Jahreshälfte 2013 vorgestellt. So hip die Aktion auch war, die große Liebe konnte der Sender nicht vermitteln.

Dröge, innovationsarm, langsam: mit diesem Image der Öffentlich-Rechtlichen will der hippe Digitalsender ZDFneo nichts zu tun haben. Entsprechend stellten am Freitagvormittag die ZDFneo-Leiterin Simone Emmelius und der Chef vom Dienst Slaven Pipic ihr Programm für die zweite Jahreshälfte 2013 nicht bei einer typischen Pressekonferenz in kargen Büroräumen vor. Stattdessen sollte ein kleiner Kreis Berliner Journalisten beim Speed-Dating im Restaurant mit den Moderatoren neuer und alter eigenproduzierter Sendeformate auf Tuchfühlung gehen.

Doch die Idee zündete nicht so recht. In jeweils fünf Minuten blieb den Fragenden weder Zeit, die drängendsten Gedanken zu den Shows zu besprechen, noch den Antwortenden, das selbstauferlegte Coolness-Image des Senders zu transportieren. Zuweilen verging das Speed-Dating im hohen Lärmpegel, der Geschwindigkeit und den raschen Abbrüchen. Der Funke zwischen Journalisten und Moderatoren wollte nicht überspringen.

"Never change a running system"

Vor allem lag das aber auch an der fehlenden Lust der alten Hasen, sich auf das bemühte Veranstaltungskonzept einzulassen. Anastasia Zampounidis' und Wolfgang Treppers Dokutainment-Format "Da wird mir übel" werde auch in der zweiten Staffel fortgeführt, erklärten die beiden routiniert. Neuerungen? "Never change a running system", antwortete Trepper.

Ebenso eingespielt laufen weiter die Reportageserie "Herr Eppert sucht ...", die sich ab Herbst unter anderem den Themen Familie, Macht und Angela Merkel widme; Sarah Kuttners Magazin "Bambule"; und auch in der Optimierungssendung "Wie werd' ich ...?" mit der Gedächtniskünstlerin Christiane Stenger und Lutz van der Horst bleibt alles, wie es in der ersten Staffel bereits war: witzig und mit Mehrwert.

Allein der niederländische Kabarettist Philip Simon erklärte im Vier-Augen-Gespräch, dass sich an "late night" Fragmente ändern würden. Immerhin verändere er sich ja ständig auch. "Es gibt Dinge, die nicht funktionieren", sagte er, "die lasse ich dann bleiben."

Rappend durch Europa

Spannendere Auskünfte hätte man sich von der neuen Riege an ZDFneo-Gesichtern gewünscht. Für ihre neuen Produktionen saßen Ex-"Wild Germany"-Macher Manuel MöglichViva-Köpfe Jan Köppen und Amiaz, Sexratgeber-Autor Thilo Mischke sowie Jan Böhmermann an den Speed-Dating-Tischen. Doch was für ein Abenteuer der Dreh zu ihrem Wissenstrip durch Europa für die rappenden Jungs Jan Köppen und Amiaz bisher gewesen sein muss, konnten die zwei nur andeuten. Welche spannenden Erkenntnisse Mischke mit "Heiß & Fettig! - Das Sexmagazin" aus Gesprächen mit unterschiedlichen Gästen für unser Liebesleben gewonnen hat, ließ sich auch nicht so recht klären. Und was Jan Böhmermann bei seiner geplanten Politsatire-Show "Neo Magazin" abziehen wird - man muss sich überraschen lassen.

Immerhin konnten die Journalisten einen geschmacksintensiven Eindruck von den Grillkünsten der "Beef Buddies" gewinnen. Nach dem Speed-Dating standen Frank BuchholzChakall und Tarik Rose, deren als Food-Adventure deklarierte Sendung am 1. August startet, am Grill. Kochend. Schwitzend. Eher beschäftigt als gesprächig.

So hip ZDFneo sich auch verkaufte, diese Schnelle-Nummer-Präsentation reichte nicht aus, um das Programm ausführlich zu besprechen. Um welche Uhrzeit der eingekauften Serien-Hits "Girls" oder "Misfits" laufen werden, blieb auch ungeklärt. Aber der Herbst ist ja nicht mehr lange hin.

Autor: Mark Heywinkel

 

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