"Vergleichbar mit dem Start einer Gratiszeitung": Zeitungsverleger kritisieren deutsche "HuffPo"

20.06.2013
 

Axel-Springer-Boss Mathias Döpfner hat sie bereits als "Anti-Geschäftsmodell für Journalismus" bezeichnet. Nun positioniert sich auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger eindeutig gegen die "Huffington Post", die im Herbst auch in Deutschland an den Start gehen soll. Das Projekt sei vergleichbar mit dem Start einer Gratiszeitung -

Axel-Springer-Boss Mathias Döpfner hatte sie bereits als "Anti-Geschäftsmodell für Journalismus" bezeichnet. Nun positioniert sich auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger eindeutig gegen die "Huffington Post", die im Herbst auch in Deutschland an den Start gehen soll. Das Projekt sei vergleichbar mit dem Start einer Gratiszeitung und damit ein Angriff auf alle Versuche von Verlagen, Bezahlmodelle für digitale publizistische Angebote zu entwickeln, erklärte der Vize-Präsident des BDZV und Vorstand Welt-Gruppe und Technik bei Axel Springer, Jan Bayer, beim Kongress "Zeitung Digital" von BDZV und Weltverband der Zeitungen WAN-IFRA.

Christoph Schuh, Vorstand der Tomorrow Focus AG, die mit der "Huffington Post" kooperiert, führte auf dem Kongress in Frankfurt am Main aus, dass zunächst mit 15 Redakteuren gestartet werde. Es gebe eine enge Kooperation mit der "Focus"-Redaktion. Zudem sei wichtig, dass in Deutschland eine "Blogger-Community" aufgebaut werde, denn diese sei ein wesentlicher Teil des integrierten Ansatzes der "Huffington Post". In den USA beschäftige das Nachrichtenportal 400 Redakteure und 30.000 Blogger. Täglich würden unter Hinzunahme von nutzergenerierten Inhalten rund 1.600 Geschichten veröffentlicht.

Schirrmacher warnt vor "Echtzeit-Journalismus"

Derweil äußerte sich "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher vor den rund 300 Kongressteilnemern besorgt zur Zukunft des Journalismus. Er warnte vor den gesellschaftspolitischen Folgen eines sich abzeichnenden "Echtzeit-Journalismus", der automatisiert sei und von Maschinen gesteuert werde. Er sehe die Gefahr, dass Journalismus ebenso wie die Finanzbörsen zu Segmenten einer automatisierten Gesellschaft werde. Umso wichtiger sei die künftige Rolle von reflektierendem und analytischem Journalismus, der von individuellen Autoren komme und nicht über Algorithmen generiert werde. Journalismus stehe für Vertrauen, das Maschinen nicht liefern könnten. Darin liege die große Chance. Der gedruckten Zeitung sprach der Schirrmacher auch für die Zukunft eine wichtige Rolle zu: Im Jahre 2020 werde sie womöglich das einzige moderne Medium sein, "das nicht kontrolliert werden kann".

Ihre Kommentare
Kopf

Carlos Wulff

20.06.2013
!

Ach, Ihr Leut'...

Sind Eure Diffamierungen, "Besorgnisse" und "Warnungen" in Wirklichkeit Zeugnisse Eures Unvermögens, mit dem Lauf der Dinge mithalten zu können, weil es Euch zu lange zu gut gegangen ist, und Ihr es nicht gelernt habt, Euch da draußen zu behaupten...?

Lasst doch das Publikum darüber entscheiden, was gut ist... denn es wird Euch nichts anderes übrig bleiben.


Jochen Wagner

21.06.2013
!

Im Lokalen kann man von Qualitätsjournalismus oft kaum noch reden - Hofberichterstattung, PR-Lastigkeit und Polizeimeldungen bzw. Terminlagweile. Etliche Verlage rennen der JUgend vergeblich hinterher. Es ist wie bei den Gesangvereinen - stirbt einer, kommt kaum ein neuer nach. Bei den Zeitungsabos ist es ebenso. Ruhet sanft weiter im Printzeitungsland.


boing

21.06.2013
!

Seit 15 Jahren mäkeln die Zeitungsverleger, dass Internetjournalismus ihnen das Wasser abgräbt. Sie dinieren intensiv mit der Kanzlerin, sie bemühen Anwälte, betreiben emsige Lobbyarbeit, erfinden neue "Leistungsschutzrechte" und stehen jetzt doch ziemlich ohne Ergebnis da. Macht doch ein Zeitschriftenverleger und Onlinehändler einfach frech mit einem Internetprovider eine Minutenzeitung. Kostenlos für die Leser. Fast so wie ein Privatsender im Radio, Fernsehen ... und das im Jahr 2013.


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