"Kebekus!"-Macher im kress-Interview: "Auf solche Publicity sind wir nicht heiß"

 

Ein unscheinbarer Hinterhof in Köln-Ehrenfeld: Hier am Sitz der Produktionsfirma Bildundtonfabrik (btf) ist das wohl meist bejubelte TV-Format 2012 entstanden. Mit "Roche und Böhmermann" mögen Philipp Käßbohrer, 29, und Matthias Schulz, 28, schon so etwas wie Fernsehgeschichte geschrieben haben. Im Interview mit kress sprechen sie über den Ärger um die Ausstrahlung von „Kebekus!“, die neue Sendung „Neo Magazin“ mit Jan Böhmermann und

Ein unscheinbarer Hinterhof in Köln-Ehrenfeld: Hier am Sitz der Produktionsfirma Bildundtonfabrik (btf) ist das wohl meist bejubelte TV-Format 2012 entstanden. Mit "Roche und Böhmermann" mögen Philipp Käßbohrer, 29, und Matthias Schulz, 28, schon so etwas wie Fernsehgeschichte geschrieben haben. Im Interview mit kress sprechen sie über den Ärger um die Ausstrahlung von „Kebekus!“, die neue Sendung „Neo Magazin“ mit Jan Böhmermann und ob sie auch für Privatsender arbeiten würden.

kress: Können Sie eigentlich nur lustig?

Matthias Schulz: Eigentlich können wir gar nicht lustig. Wie kommen Sie darauf?

kress: "Roche und Böhmermann" war die etwas andere Talkshow, "Kebekus!" und "Mr. Dicks" auch nicht frei von Comedy und Ironie...

Schulz: Wobei "Mr. Dicks" ja auch einen journalistischen Anspruch hat. Wir haben bisher sehr viele Kurzfilme gemacht, haben eine klassische Filmausbildung hinter uns und unseren Fokus eigentlich auf’s seriöse Filmemachen gelegt.

Philipp Käßbohrer: Im Gegensatz zu anderen Filmstudenten haben wir immer eine Tendenz zur Unterhaltung. Unterhalten bedeutet aber ja nicht zwangsläufig, dass die Leute sich auf die Schenkel klopfen sollen. "Roche und Böhmermann" war kein Format, bei dem man sich jede Minute kaputtlachen konnte. Es war aber sehr viel Show darin, eben Unterhaltung. Diesen Anspruch verfolgen wir durch all unsere Projekte hindurch. Mit "Roche und Böhmermann“ haben wir ja auch das erste Mal richtig Fernsehen gemacht…

kress: …und gleich für viel Furore gesorgt. Was nehmen Sie aus dem Trubel mit?

Käßbohrer: Für uns war es interessant zu sehen, was passiert, wenn man mit dieser Haltung, die wir gemeinsam mit Jan und Charlotte entwickelt haben, Fernsehen macht. Wir sind etwas unbedarft und naiv an das Medium herangegangen, haben keine Regeln befolgt. Wir haben versucht, das herzustellen, was wir gerne im Fernsehen sehen würden. Es ist natürlich cool, dass das funktioniert hat und es ein Publikum gibt, dass es gut findet, wenn man Konventionen aufbricht. Dabei haben wir das gar nicht unbedingt absichtlich gemacht, sondern waren durch "Unkenntnis" dieser Konventionen gezwungen, uns etwas Eigenes, Neues auszudenken.

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kress: Sprechen Sie noch mit dem WDR, der kurzfristig das kirchenkritische Musikvideo aus dem "Kebekus!"-Piloten strich?

Käßbohrer: Natürlich. Wir trinken sogar noch Kölsch mit beiden Seiten, wir haben schließlich gemeinsam eine schöne Show gemacht. Außerdem gibt es ja nicht "den WDR". Auch innerhalb des Hauses gab es selbstverständlich Befürworter sowie Kritiker des Videos. Auf die Entscheidung, solch einen Inhalt schlussendlich herauszuschneiden, haben wir dann nur bedingt Einfluss. Ob, wie, wann und wo es weiter geht, weiß gerade noch niemand.

kress: Nun prüft die Staatsanwaltschaft Köln, ob das Video strafrechtliche Konsequenzen zur Folge hat, die Medien berichten weiterhin. Bessere Publicity können Sie sich doch nicht wünschen, oder?

Käßbohrer: Ehrlich gesagt sind wir persönlich gar nicht besonders heiß auf solche Publicity. Aufmerksamkeit ist dann gut, wenn sie den Werken und den Künstlern vor der Kamera zufällt. In diesem Falle haben vom Boulevard bis zum Feuilleton alle ihren Senf dazu gegeben, ob man sich über die Kirche lustig machen darf, aber keiner hat sich die Sendung angesehen. Diese Art Aufmerksamkeit verbuchen wir eher unter: "nach hinten losgegangen".

Wenn Sie wissen wollen, warum Käßbohrer und Schulz die öffentlich-rechtlichen Sender dennoch für mutig halten und was die digitale Sparte beim ZDF mit Henkel Trocken zu tun hat, sollten Sie den kressreport abonnieren. In der aktuellen Ausgabe, die am 28. Juni erscheint, finden Sie das gesamte Interview.

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