Döpfner über den Start des "Bild"-Bezahlmodells: "Jeder Redakteur will hinter seinem Artikel ein Plus haben"

29.06.2013
 

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner, 50, hat sich im Interview mit der "SZ" über die neuen Bezahlschranken bei "Bild" und "Welt" im Internet geäußert: "Wir sind mit dem Start bei der 'Welt' sehr zufrieden. Inzwischen schließen wir pro Tag im Durchschnitt mehr digitale Abos als Print-Abos ab." Bei "Bild"stellt Döpfner fest, "dass unsere Bezahlangebote ein stimulierendes Element für die Redaktion sind".

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner, 50, hat sich im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagsausgabe) über die neuen Bezahlschranken bei "Bild" und "Welt" im Internet geäußert: "Wir sind mit dem Start bei der 'Welt' sehr zufrieden. Inzwischen schließen wir pro Tag im Durchschnitt mehr digitale Abos als Print-Abos ab."

Konkrete Zahlen nennt Döpfner nicht. Mit der Begründung, dass bei der IVW und in den Gremien der Werbewirtschaft noch über einheitliche Zählstandards für die Branche diskutiert werden. Das wolle man abwarten. Laut Döpfner handelt es sich "in jedem Fall um ernstzunehmende Größenordnungen". Die Entwicklung sei bisher sehr ermutigend und erfreulich und übertreffe die Springer-Erwartungen. Zahlen wird es aber wohl erst Ende des Jahre geben.

"Wir müssen viel analysieren. Das haben wir immer gesagt, weil wir erst lernen müssen, wie die Haltbarkeit von digitalen Abos ist. Teile der Abos werden mit Kombi-Angeboten abgeschlossen. Was in der Printwelt die Kaffeemaschine als Aboprämie war, ist hier ein Rabatt beim Tablet-PC. Wir müssen herausfinden, wer am Inhalt und wer lediglich am iPad interessiert ist", erklärt Döpfner.

Bei "Bild" sei es (auch) noch zu früh für eine Bilanz. Schon jetzt stellt Döpfner aber fest, "dass unsere Bezahlangebote ein stimulierendes Element für die Redaktion sind". Jeder wolle hinter seinem Artikel ein Plus haben. Das fördere die journalistische Qualität.

Auf die Frage, was sein Plan B sei, wenn das "Bild"-Bezahlmodell scheitere, antwortet Döpfner: "Unser Plan B ist, es noch mal zu versuchen, auf eine andere Weise." Man besitze den Stein der Weisen nicht, man probiere einfach aus.

Produktionsbüros in anderen Zeitzonen

Döpfner kündigt im Interview mit der "Süddeutschen" an, dass Springer 24-Stunden lang arbeitende Redaktionen einführen werde: "Welt" und "Bild" planen demnach, Produktionsbüros in Städten wie Los Angeles und Sydney in anderen Zeitzonen einzurichten. "Dort arbeiten die Kollegen tagsüber im deutschen Nachtdienst", erklärt Döpfner.

"Renaissance der Inhalte"

Ohnehin gehe er davon aus, dass Inhalten im Internet wieder mehr Bedeutung zukommen werde. "Ich bin mir sicher, dass wir vor einer Renaissance der Inhalte stehen. Die technologiebetrunkene Anfangsphase der digitalen Revolution endet langsam. Auch der perfekteste Algorithmus mit Emotionszufallsgenerator nützt nichts, wenn ich irgendwann keine Inhalte mehr habe, die die Menschen wirklich interessieren."

"Keine Schockerkenntnisse im Silicon Valley"

Den Vorwurf, die Exkursion Kai Diekmanns ins Silicon Valley sei allein eine PR-Aktion gewesen, weist Döpfner zurück. Es sei darum gegangen, "sich zu vernetzen und interessante Geschäftsideen mitzubringen", um bei Springer den "Kulturwandel" voranzubringen. Er selbst habe nicht so viel Neues dort gelernt: "Für mich gab es da keine Schockerkenntnisse", kommentiert Döpfner seine Besuche in Palo Alto, er sei seit 1988 immer wieder im Silicon Valley gewesen. Gemerkt habe er sich aber den Spruch auf einem Schild der Universität Stanford: "The only way to do it, is to do it." "Das bringt gut auf den Punkt, was für uns als Unternehmen wichtig ist: Nicht zu viel theoretisieren, sondern einfach mal anfangen. Wir warten nicht, bis andere Paid Content einführen, wir starten damit und lernen aus Fehlern", so Döpfner. 

Inzwischen sei es aber so, dass in Kalifornien junge Gründer ihre Koffer für Berlin packten. Das zeige, dass sich hierzulande etwas ändere. An Gründergeist habe es lang in Deutschland gefehlt.

Ihre Kommentare
Kopf
Simon Eberhardt

Simon Eberhardt

ideenhunger media GmbH
Geschäftsführer

29.06.2013
!

Ich persönlich finde das Bezahlmodell zeitgemäß und bezahle gerne. Was die journalistische Qualität in der Bild betrifft, muss jeder für sich selbst entscheiden. Was mir gerade in letzter Zeit sehr häufig aufgefallen ist, sind die zahlreichen Rechtschreibfehler in Überschriften, vor allem bei den bebilderten Schlagzeilen auf Bild.de. Und hier zeigt sich für mich das größte Problem in den Online-Medien: Die fehlende Zeit. Hier im Text z.B. will man auch in "Sidney" ein Produktionsbüro eröffnen.


Marc Bartl

Marc Bartl

Johann Oberauer GmbH
Chefredakteur kress.de

29.06.2013
!

Lieber Herr Eberhardt, im Interview der "Süddeutschen" ist tatsächlich - sowohl in der Online-Kurzversion (siehe Link) als auch in der gedruckten Komplettfassung - von einem "Sidney" die Rede. Ob es sich dabei aber tatsächlich um das Sidney in Montana handelt, darf zumindest bezweifelt werden. Danke für den Hinweis und schönes Wochenende!


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