"Der Kunde ist ungern aktiv": Schroeter von TV/App-Synchronisierer wywy im Interview

 

Dem Ziel, Fernsehen und Mobilgeräte enger miteinander zu verzahnen, hat sich wywy verschrieben. Auf Servern analysiert das Münchner Unternehmen momentan 30 deutsche Sender.

Dem Ziel, Fernsehen und Mobilgeräte enger miteinander zu verzahnen, hat sich wywy verschrieben. Auf Servern analysiert das Münchner Unternehmen momentan 30 deutsche Sender.

Erstes für Endkunden sichtbares Produkt war die wywy-App, die TV-Konsum mit Prämien belohnt, das zweite eine Kooperation mit dem Real-Time-Advertising-Anbieter revcloud, mit deren Hilfe Vodafone momentan zeitgleich zum TV-Spot Werbung auf mobilen Geräten schaltet. Die Auslieferung erfolgt unabhängig davon, ob der Nutzer tatsächlich den Spot sieht. Es hört nämlich nur der wywy-Server mit, der dann revcloud signalisiert, dass der Spot gerade läuft.

Mit der App von wywy ist jedoch auch ein Mithören mit dem Smartphone oder Tablet des Nutzers möglich. Zur Verifizierung des TV-Programms wird ein Audioschnipsel an die wywy-Server geschickt und mit dem laufenden Fernsehprogramm verglichen. Auch andere Unternehmen können die Technik von wywy in ihre Apps einbauen.

mobilszene.de sprach mit Andreas Schroeter (Foto links), Geschäftsführer und Mitbegründer von wywy.

mobilszene.de: Gibt es schon Medienunternehmen, die die Technik einsetzen oder daran interessiert sind?

Schroeter: Es gibt ein Beispiel, da so halboffiziell ist, nämlich Like TV in Schweden. Das Unternehmen hat erste Tests mit synchronisierter Werbung in seiner TV-Companion-App erfolgreich abgeschlossen und wird das dann im Herbst ausrollen.

mobilszene.de: Gibt es schon Beispiele für Apps, in denen die Technik nicht zur synchronisierten Schaltung von Werbung sondern für andere Inhalte eingesetzt wird?

Schroeter: Da ist noch nichts spruchreif. Wir sind kurz davor, aber eine Unterschrift gibt es noch nicht.

mobilszene.de: Auch bei der Partnerschaft mit revcloud geht es um Werbung...

Schroeter: Der TV-Werbemarkt ist riesiger Markt, und reif für neue Ideen. Da viel Potenzial in diesem Markt steckt, haben wir uns darauf konzentriert.

mobilszene.de: Ist ähnliches für Radio geplant?

Schroeter: Prinzipiell ist das machbar, aber konkret geplant haben wir nichts. Wenn ein Kunde das nachfragt, dann machen wir das. Radio ist für uns nichts anderes als Fernsehen. Radiosender in unsere Analyse einzubeziehen ist keine Arbeit. Aber Radio ist eher ein Nebenbei-Medium.

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mobilszene.de: Wie sehen die weiteren Schritte für wywy aus?

Schroeter: Wir rollen wywy jetzt erst einmal in Deutschland aus und schauen, dass es in den Köpfen der TV-Werbungtreibenden verankert ist. Der Gedanke dahinter: Es gab bisher keinen Rückkanal für TV-Werbung, jetzt gibt es ihn für - im Verhältnis zu den Werbebudgets im TV - schmales Geld. Für einen kleinen Prozentsatz des Budgets lässt sich Werbung synchron zum TV-Spot ausliefern. Schritt zwei ist sind weitere Anwendungen für die Echtzeiterkennung. Ein Beispiel ist das Kampagnen-Tracking, ein anderes neue Werbeformen, die gezielt für den Abverkauf von Angeboten gemacht sind. Ein weiterer Schritt ist die Internationalisierung.

mobilszene.de: Shazam will in UK TV-Inhalte monitoren, dazu allerdings nicht passend Anzeigen schalten, sondern zu Hintergrund-Infos (auch werblichen) verlinken. Vorstellbar für wywy?

Schroeter: Prinzipiell ist das möglich, aber wir persönlich sehen den Shazam-Ansatz etwas kritisch, da wir denken, dass der Kunde ungern aktiv ist. Die Shazam-Werbung funktioniert ja nur, wenn man das Handy rausholt, die Shazam-App öffnet und dann die Erkennung startet. Dann erst kommt die Antwort zurück. Das sind sehr viele Schritte. Wir glauben, dass man den Zuschauer abholen muss. Deshalb auch die synchronisierte Werbung. Der Zuschauer muss nicht daran denken, weitere Informationen zur Werbung anzufordern. Er bekommt sie einfach präsentiert. Das sind zwei grundverschiedene Ansätze. Beide haben ihre Berechtigung. Prinzipiell ist das, was Shazam mit den Produkten in der Sendung macht, auch mit wywy möglich. Da muss man dann ein bisschen smarter werden. Wenn beispielsweise in "GNTM" die Modells mit der neuen C&A-Kollektion über den Laufsteg laufen, könnte man eine Werbung mit dem Motto "Willst du nicht auch die Kollektion tragen?" schalten.

mobilszene.de: Wie passt jetzt die wywy-App in diese Strategie? Die App muss ja auch aktiv geöffnet werden...

Schroeter: Die App an sich war eher als Showcase gedacht. Wir waren letztes Jahr auf der IBC in Amsterdam, und hatten dort unsere Technologie vorgestellt. Die potenziellen Kunden waren interessiert und wollten die Technik im Einsatz sehen. Wir mussten aber immer sagen: "Sie sind der erste Kunde mit dem wir das machen würden." Um einfach mal unsere Technik darzustellen und zu testen haben wir dann die App gebaut.

mobilszene.de: Die App wird jetzt aber nicht zum Hauptstandbein von wywy?

Schroeter: Wir bauen die App schon aus, wollen mit ihr aber nicht ins Ausland, anders als mit der Technologie dahinter. Wir stecken auch keine riesigen Marketing-Budgets rein. Durch Kooperationen mit TV-Sendern, zuletzt mit Tele 5, zeigen wir, was mit unserer Technik machbar ist.

mobilszene.de: Jetzt gibt es noch keine App aus Deutschland, die die Technik von wywy einsetzt, weder von einem TV-Sender noch von einer TV-Zeitschrift, für deren App sich die Technik ja auch anbietet...

Schroeter: Ja, es würde sich auch anbieten. Mehr sage ich dazu nicht. Es ist sehr naheliegend.

mobilszene.de: Ist in den nächsten Monaten damit zu rechnen?

Schroeter: Es liegt nicht in unserer Hand.

mobilszene.de: Ist das jetzt ein Gesprächsangebot an die Macher von TV-Zeitschriften oder ist da etwas Konkretes im Busch?

Schroeter: Über das Stadium sind wir schon hinaus. Allgemein formuliert: Große Konzerne haben lange Entscheidungswege.

mobilszene.de: Theoretisch ist ja auch das permanente Mithören möglich. Könnten App-Entwickler das mittels SDK auch in andere Apps einbauen?

Schroeter: Absolut. Permanent muss jedoch definiert werden. Man muss das Mithören immer wieder auslösen. Das kann beispielsweise alle fünf Sekunden, zehn Sekunden, jede Minute oder alle fünf Minuten geschehen. Zudem haben wir das Werbesynchronisierungs-SDK. Anders als bei der Kooperation mit revcloud, bei der die Werbung ausgeliefert wird, wenn der Spot läuft, egal ob der Nutzer ihn gerade sieht, ermöglicht das SDK 100-prozentiges Matching. Man könnte damit ein Werbenetzwerke in TV-Companion-Apps aufbauen, das Werbung ausspielt, wenn der Kunde eine der Apps offen hat und die Werbung im TV läuft.

mobilszene.de: Die Xbox One, aber auch Samsung Smart-TVs hören permanent mit. Birgt das Potenzial für wywy?

Schroeter: Das ist in der Tat sehr spannend. Und auch da haben wir uns schon viele Gedanken gemacht und auch schon Gespräche geführt. Aber - um bei ihrem Beispiel zu bleiben - Samsung ist ein riesiger Konzern, bei dem man gefühlt 80 Ansprechpartner hat. Rein theoretisch könnte ein Fernsehhersteller beispielsweise über Affiliate-Programme Geld verdienen. Ein Beispiel: Mit unserer Technologie erkennt das TV-Gerät, was läuft und verlinkt zu einem Musik-Shop, in dem der Zuschauer dann etwas kauft. Wie das rechtlich ist, müsste man abklären.

mobilszene.de: Konzentrieren Sie sich auf Display-Werbung?

Schroeter: Das Problem mit Textanzeigen ist, dass sie sich nicht so schnell ausliefern lassen. Es ist nicht trivial, Anzeigen in Echtzeit zu schalten. Real Time Bidding ist das eine, die Auslieferung in Echtzeit ist das andere. Daher die Kooperation mit revcloud. Ist die Werbung auch auf sozialen Netzwerken möglich?

Schroeter: Prinzipiell schon. Aber auch Facebook Exchange ist nicht in der Lage, Kampagnen in Echtzeit an- und auszuschalten.

mobilszene.de: In den USA hat Twitter durch die Übernahme von Bluefin eine ähnliche Technik im Angebot...

Schroeter: Das könnten wir auch. Das ist keine Schwierigkeit, da die Tweets ja auch in Echtzeit ausgeliefert werden. Aber Twitter ist in Deutschland nicht wirklich angekommen. Sieht man vom "Tatort" ab, finden mehr Chats zu einzelnen Sendungen in unserer wywy-App statt als Unterhaltungen auf Twitter.

mobilszene.de: Wie viele Nutzer hat die App zu Hochzeiten und im Durchschnitt?

Schroeter: Eine gut vierstellige Nutzerzahl am Tag. 

mobilszene.de: In der letzten Finanzierungsrunde haben Sie im Juli 2012 rund 2,5 Mio Euro eingesammelt. Steht da wieder etwas an oder reicht das Geld noch?

Schroeter: Das Geld reicht noch, wobei wir immer auf der Ausschau nach neuen Wachstumsfinanzierungen sind, wenn das mit den nun anstehenden Kooperationen klappt. Dann würden wir sicherlich noch einen Wachstumsschritt machen, um den Schritt ins europäische Ausland zu finanzieren.

mobilszene.de: Sind Sie offen für Geld von ihren Kooperationspartnern?

Schroeter: Das kann ich Ihnen pauschal nicht sagen. Ein strategischer Partner muss extrem gut passen. Denn wenn man einen strategischen Partner im Boot hat, fühlen sich die Finanzinvestoren eingeschränkt in den Möglichkeiten, an wen sie ihre Anteile verkaufen können. Ein strategischer Partner muss das Unternehmen voranbringen.

mobilszene.de: wywy soll aber schon eigenständig bleiben?

Schroeter: Auf jeden Fall. Wir wollen jetzt noch mal kräftig wachsen und dann schauen, wie es weiter geht. Wir fangen erst jetzt erst wirklich an, uns der Öffentlichkeit zu zeigen.

mobilszene.de: Welche Märkte haben Sie bei der Expansion ins europäische Ausland im Auge?

Schroeter: Schweden, da sich dort die Gelegenheit mit Like TV ergab, und dann die nahen europäischen Märkte wie Niederlande, Frankreich, Italien, eventuell UK und so weiter. Es handelt sich um große TV-Märkte mit einer hohen Durchdringung mit Smartphones.

mobilszene.de: Wie groß ist der Aufwand, weitere Sender hinzuzufügen?

Schroeter: Es dauert selbstverständlich länger als bei einem Sender, aber bei 40 bis 50 Sendern handelt es sich auch nur um Tage, nicht Wochen.

mobilszene.de: Hängt es dann hauptsächlich von Server-Kapazitäten ab?

Schroeter: Diese gibt es nicht kostenlos. Auch das Finanzielle muss stimmen, weshalb Wachstumsfinanzierung ein Thema ist.

mobilszene.de: Oder man hat schon einen Kunden auf dem Markt...

Schroeter: In Schweden ist das genau so gekommen.

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