Julia Jäkel erklärt den neuen/alten "Brigitte"-Stil: "Die Leserinnen wollten die Models zurück"

 

Die alljährliche Burda-Sommerkongress DLD Women ist nicht nur ein inspiratives Gipfeltreffen in Pastelltönen, sondern auch die Bühne, um weibliche Rollenmuster und deren Inszenierung zu hinterfragen. "Die Leserinnen wollten die Models zurück", rechtfertigte in München G+J-Vorstand Julia Jäkel das gestoppte Amateur-Schönheiten-Projekt. "Sie fühlten sich von den toll inszenierten 'Normalfrauen' stärker unter Druck gesetzt als von den schönen, schlanken Profis." 

Die alljährliche Burda-Sommerkongress DLD Women ist nicht nur ein inspiratives Gipfeltreffen in Pastelltönen, sondern auch die Bühne, um weibliche Rollenmuster und deren Inszenierung zu hinterfragen. "Die Leserinnen wollten die Models zurück", rechtfertigte in München G+J-Vorstand Julia Jäkel das gestoppte Amateur-Schönheiten-Projekt. "Sie fühlten sich von den toll inszenierten 'Normalfrauen' stärker unter Druck gesetzt als von den schönen, schlanken Profis." 

"Brigitte"-Leserinnen reagierten irritiert

Damit lieferte Jäkel eine zunächst etwas überraschende, aber nachvollziehbare Erklärung dafür, dass der G+J-Vorzeige-Frauentitel "Brigitte" schon seit einiger Zeit wieder zum alten Präsentationsstil zurückgekehrt ist. Die Laien-Models, die von Gruner aufwändig gecastet worden waren, hätten in ihrer unfreiwilligen Vorbildfunktion - oft in Mehrfachfunktion als Berufstätige, Mutter und Power-Frau - offenbar stärker irritiert als gedacht. Trotz des großen PR-Wirbels und des positiven Image-Effekts stießen sie offenbar auf wenig Gegenliebe. Titel mit Profi-Models verkauften sich eben doch besser, sagte Jäkel. 

Burda hatte die Vorstandsvorsitzende des großen Zeitschriften-Konkurrenten zum Kongress in der Porzellanmanufaktur von Schloss Nymphenburg eingeladen - neben viel Polit-Prominenz wie den DLD-Vorsitzenden Viviane Reding und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen

Warum besetzen deutsche Produzenten zu wenige Frauen?

Im Panel, das sich mit dem Reizthema beschäftigte, in wie weit die Medien Geschlechterrollen-Klischees verstärke, geriet allerdings ein Mann in Erklärungsnöte: teamworx- und UFA Fiction-Chef Nico Hofmann. Er konnte zwar eine Art Bild-Wandel konstatieren: "Ich stelle fest, dass sich das Image von Frauen im Film sehr verändert hat. Heute sucht man zunehmend nach authentischen, natürlichen Darstellerinnen mit einer eigener Persönlichkeit", sagte er.

Allerdings musste er sich von Verlegergattin Maria Furtwängler, die das Panel moderierte und von Hofmann bereits besetzt worden war, fragen lassen, warum Frauen in den meisten deutschen Fernsehfilmen nur rund 30 Prozent aller Sprecherrollen erhalten. Ein Einwurf, der Hofmann nur ausweichend parieren konnte. "Auf die Zahlen kommt es ja nicht an, sondern darauf, ob es sich um starke Frauencharaktere handelt", sagte er. DLD Women hat einen Treffer gelandet.

Ihre Kommentare
Kopf
Thomas Bauer

Thomas Bauer

TOM-Verlag
Verlagsleiter

17.07.2013
!

Die Frage, die Frau Furtwängler natürlich nicht gestellt hat… warum werden bei den 30 Prozent Frauenrollen (das ist am Theater nicht anders) zudem nur 3% der qualifizierten deutschen Schauspielerinnen für die „starken Frauencharaktere“ regelmäßig besetzt?


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