Die offenen Fragen des Mega-Medien-Deals: Wo Funke-Gruppe und Springer vornehm schweigen

 

Selbst das Tafelsilber ist Springer-Boss Mathias Döpfner (Foto) nicht mehr heilig. Für 920 Mio Euro hat er jetzt Regionalzeitungen, Anzeigenblätter und Zeitschriften an die Funke-Mediengruppe verkauft, die bislang zum Allerheiligsten des Unternehmens gehörten, darunter "Hamburger Abendblatt".

Selbst das Tafelsilber ist Springer-Boss Mathias Döpfner nicht mehr heilig. Für 920 Mio Euro hat er jetzt Regionalzeitungen, Anzeigenblätter und Zeitschriften an die Funke-Mediengruppe verkauft, die bislang zum Allerheiligsten des Unternehmens gehörten, darunter "Hamburger Abendblatt", "Hörzu" und "TV Digital". Döpfner will Platz machen und Mittel beschaffen für neue digitale Preziosen. Die Mitarbeiter des Hauses hat er am Donnerstag in Berlin über den Mega-Medien-Deal informiert, in Hamburg übernahmen das die Vorstände Andreas Wiele und Jan Bayer - die Stimmung war laut Teilnehmern bedrückt.

Längst nicht alle Unklarheiten haben Döpfner und die Seinen indes ausgeräumt. Das sind einige der wichtigen Fragen, vor deren Beantwortung sich Funke-Gruppe und Springer derzeit scheuen, weil das Kartellamt ihrem Geschäft noch nicht zugestimmt hat und die Mitarbeiter nicht beunruhigt werden sollen:

Was wird aus Springers Zeitungs-Redaktionsgemeinschaft und der "Welt"?

Springer produziert "Hamburger Abendblatt" und "Berliner Morgenpost" in einer Redaktionsgemeinschaft mit der "Welt"-Gruppe. Erst im Oktober ist die Hamburger Regionalzeitung hier eingemeindet worden (kress.de vom 26. Oktober 2012). Sämtliche überregionalen Inhalte entstehen in der Redaktionsgemeinschaft unter Federführung der "Welt"-Gruppe. Die Funke-Gruppe verfügt indes selbst über eine zentrale Mantelredaktion in Essen, den Content-Desk. Er produziert die überregionalen Teile ihrer Regionalzeitungen. Werden hier in Zukunft auch "Hamburger Abendblatt" und "Berliner Morgenpost" angedockt? Oder bezieht im Gegenteil in Zukunft die Funke-Gruppe überregionale Inhalte von der "Welt"-Gruppe? Bei Springer heißt es dazu lediglich, es solle "Content-Lieferervereinbarungen" zwischen beiden Häusern sowie eine enge Kooperation geben, die Details seien noch unklar.

Die Zusammenlegung von "Welt" und "Berliner Morgenpost" im Jahr 2002 war seinerzeit primär eine Rettungsaktion für die "Welt". Nun stellt sich die Frage, ob Springer die Tageszeitung und ihre Ableger ohne den Verbund mit den Regionalzeitungen dauerhaft weiterführen will. Springer-Boss Döpfner behauptet, dass das der Fall sei. Er hat am Donnerstag bei der Mitarbeiterversammlung ein Bekenntnis zur "Welt" abgegeben: "Ich möchte Ihnen von Friede Springer ausrichten, solange sie die Mehrheit bei Axel Springer hat, werden Bild und Welt dauerhaft Kern des Unternehmens bleiben - und das gilt auch solange ich etwas in diesem Haus zu sagen habe."

Was hat es mit den neuen Gemeinschaftsunternehmen auf sich?

Zwei neue Gemeinschaftsunternehmen für Vermarktung und Vertrieb sollen vom 1. Januar 2014 den Betrieb aufnehmen. Springer wird in beiden Fällen eine klare Mehrheit haben - offenbar 75,1% - und den Chef stellen. Im Falle der Vermarktungseinheit ist das Peter Würtenberger, bei dem Vertriebsunternehmen dürfte es auf Torsten Brandt hinauslaufen, derzeit Verlagsgeschäftsführer Vertrieb für die "Bild"-Gruppe und die Zeitschriften.

Ein Springer-Sprecher sagt, das neue Vertriebsunternehmen solle zunächst lediglich den Einzelhandels-Vertrieb der Springer-Titel und der an die Funke-Gruppe verkauften Titel übernehmen. Der allerletzte Stand dürfte das aber nicht sein, das neue Vertriebs- und Vermarktungsbündnis der Funke-Gruppe tangiert auch ihre bisherigen Bündnisse: Die Funke-Gruppe ist zusammen mit Hubert Burda Media Gesellschafterin des Nationalvertriebs MZV, der auch den Vertrieb ihrer Titel besorgt (kress.de vom 30. November 2009). Und die Essener kooperieren auch in der Vermarktung mit den Münchnern: Burda vermarktet seit Juli vergangenen Jahres 30 Zeitschriften der Funke-Gruppe (kress.de vom 15. März 2012). Zwischen Burda und Funke-Gruppe werden wohl bald intensive Gespräche geführt werden.

Welche Konsequenzen hat der Deal auf Standorte und Stellen?

Die Funke-Gruppe will die beiden Regionalzeitungen, die Anzeigenblätter in Berlin und Hamburg sowie die fünf Frauen- und TV-Zeitschriften mit Mann und Maus übernehmen. Betroffen sind laut Springer 900 Mitarbeiter bzw. 6% der Belegschaft. Über deren längerfristiges Schicksal machen die beiden Unternehmen keine Aussage. Dass es dauerhaft bei den zwei Zeitschriftenstandorten Hamburg (Springer) und München (Funke-Gruppe) bleiben soll, erscheint indes fraglich, und die Stimmung bei den Hamburger Springer-Mitarbeitern ist entsprechend schlecht. Auch beim Personal gibt es Überschneidungen: So haben beide Unternehmen zentrale Programmredaktionen für ihre Programmies. Fest steht: Der Mega-Deal wird eine Flut von Personalien auslösen.

Die Funke-Gruppe hat sich nach wie vor sehr profitable Print-Titel geangelt, deren langfristige Zukunftsfähigkeit allerdings in den Sternen steht. Für die Finanzierung waren die Essener auf ein Darlehen von Springer angewiesen: Sie zahlen den Kaufpreis in zwei Tranchen, und die zweite Tranche (260 Mio Euro) wird Springer als Verkäuferdarlehen vorstrecken. Die schon hoch verschuldeten Gesellschafter der Funke-Gruppe haben noch einmal draufgesattelt, sie werden fortan jeden Cent dreimal umdrehen. Für die vom  Verkauf der Zeitungen und Zeitschriften betroffenen Springer-Mitarbeiter sind das keine schönen Aussichten.

Ihre Kommentare
Kopf
Thomas Bauer

Thomas Bauer

TOM-Verlag
Verlagsleiter

25.07.2013
!

de facto heißt das also weniger, Springer verscherbelt das Tafelsilber, sondern Springer kauft sich (verbrämt als Kredittranchen) eine Billigtochter ein, die aus „Synergiegründen“ die personellen Grausamkeiten begehen kann, die Springer alleine nicht hätte wagen dürfen.


Andreas Tsilis

25.07.2013
!

Bin mal gespannt was mit den "Freien" vom Abendblatt passieren wird.


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