"Closer"-Chef Junkersdorf über die Medienszene: "Langeweile ist das Problem"

29.07.2013
 
 

"Closer" statt "LandLust": Im zweiten Quartal 2013 hat Bauers wöchentliches Klatschblatt die Heile-Welt-Zeitschrift aus dem Landwirtschaftsverlag als Auflagengewinner Nummer eins abgelöst. "Closer" legte um über 90.000 auf gut 202.000 verkaufte Exemplare zu. Geht es nach Chefredakteur Tom Junkersdorf, war das nicht die letzte Erfolgsmeldung: Im kress.de-Interview nimmt er schon einmal die "Bunte" ins Visier.

"Closer" statt "LandLust": Im zweiten Quartal 2013 hat Bauers wöchentliches Klatschblatt die Heile-Welt-Zeitschrift aus dem Landwirtschaftsverlag als Auflagengewinner Nummer eins abgelöst. "Closer" legte um über 90.000 auf gut 202.000 verkaufte Exemplare zu. Geht es nach Chefredakteur Tom Junkersdorf, war das nicht die letzte Erfolgsmeldung: Im kress.de-Interview nimmt er schon mal die "Bunte" ins Visier.

kress: Herr Junkersdorf, haben Sie schon einmal über Gemeinsamkeiten zwischen "Closer" und "LandLust" nachgedacht?
Tom Junkersdorf: Die "LandLust" ist als einzigartiges Magazinkonzept gestartet, war sofort erfolgreich und ist es bis heute. Das ist eine gute Verbindung zu "Closer", weil auch wir mit einem einzigartigen Konzept überrascht haben, das funktioniert. Es gibt noch eine Parallele: Als Erfinder eines Segments wurde "LandLust" gnadenlos kopiert, und das erleben wir auch. Beim Start von "Closer" vor anderthalb Jahren haben wir gesagt, dass wir nur deutsche Stars machen, während alle anderen auf internationale Stars gesetzt haben. Und heute setzen alle auf deutsche Stars, weil sie versuchen, "Closer" zu kopieren.

kress: Wer kopiert Sie denn?
Junkersdorf: Mit den Kopierern meine ich viele deutsche People-Magazine, über alle Verlage hinweg. Deutsche Stars, die vor einem Jahr belächelt wurden, finden Sie jetzt auf allen Covern von "Gala" bis "OK!". Alle wollen im Erfolgsfahrwasser mitschwimmen. Wir können das nicht verhindern, zum Glück sind wir aber immer den entscheidenden Schritt voraus. "Closer" war das erste Magazin in Deutschland, das gemeldet hat, dass die Wulffs sich trennen, dass sich Jürgen Klopp die Haare transplantieren hat lassen und dass Sylvie van der Vaart sich von ihrem Franzosen getrennt hat.

kress: Mit einem Auflagenzuwachs um gut 90.000 Exemplare oder 80,6% hat "Closer" die "LandLust" im zweiten Quartal als Top-Aufsteiger abgelöst. Ist nach Ihrer Einschätzung ein so schnelles Wachstum einer neuen Zeitschrift heutzutage noch in vielen Segmenten möglich?
Junkersdorf: Ich glaube, das ist in allen Segmenten noch möglich, egal ob Lifestyle oder People. Was man dazu braucht, sind Mut, Entschlossenheit und eine richtig gute Idee. Wenn es in der Medienszene ein Problem gibt, dann ist es die Langeweile, die weitreichende Ideenlosigkeit. Ohne Ideen werden Sie aber weder Zeitschriften verkaufen noch digitale Erlöse erzielen können.

kress
: Wer in der Medienszene langweilt Sie?
Junkersdorf: Langweilig ist es zum Beispiel, wenn ein Nachrichtenmagazin zum 100. Mal das Thema Burnout covert. Wenn ein Magazinmacher nur noch guckt, was früher funktioniert hat, und das noch einmal macht. So etwas kann vielleicht den Verkauf einer Ausgabe beschönigen, es beschädigt aber langfristig die Marke, wenn sie keine Aussage mehr hat, austauschbar ist und nichts mehr macht, worüber die Menschen sich unterhalten. Ein weiteres Problem der Gattung ist, dass an den Redaktionsspitzen dort kaum noch spannende Typen wie Henri Nannen oder Rudolf Augstein unterwegs sind.

kress
: Sie sind mit "Closer" in einem Segment unterwegs, das in Summe nicht mehr wächst. Wie viel Luft nach oben hat der Titel noch?
Junkersdorf: Wir haben richtig viel Luft nach oben, es gibt keine Wachstumsgrenzen. Wir sind ja bemüht, unsere Konkurrenten weiter zu verdrängen. Wir entwickeln "Closer" permanent weiter, für uns ist Stagnation Rückschritt, immer wieder werden wir mit Produktinnovationen unsere Position ausbauen.

kress
: Wen haben Sie als Opfer dieses Verdrängungswettbewerbs ausersehen?
Junkdersdorf: Opfer haben und wollen wir keine. Wir sind in einem spannenden Wettbewerb mit wenigen starken Boulevard-Magazinen. Es ist möglich, "Bunte" im Einzelverkauf dauerhaft zu überholen, der Abstand ist mittlerweile überschaubar. Unser junges und modernes Zielgruppenpotential bietet uns herausragende Perspektiven.

kress
: Auch die "Gala" orientiert sich mittlerweile stärker an deutschen Stars und setzt auf mehr Exklusivität. Spüren Sie Ihrerseits schon den heißen Atem der Konkurrenz im Nacken?
Junkersdorf: Es gibt keinen heißen Atem, "Gala" stagniert auf niedrigem Niveau und kann viele Geschichten nicht machen, weil ansonsten Anzeigenkunden verschreckt würden. Das können die sich nicht leisten. Von Angriff spüren wir da überhaupt nichts. In der entscheidenden Sparte Einzelverkauf liegt "Gala" meilenweit hinter Closer zurück.

kress
: Sie haben den Erfolg von "Closer" durch Bauer-untypisch hohe Investitionen in Redaktion und Marketing erkauft. Wie lange lässt sich das durchhalten?
Junkersdorf: "Closer" ist eine Innovation, erkauft haben wir gar nichts. "Closer" ist schnell, vernetzt und vorallem exklusiv! Die Marketinginvestitionen schaffen Nachfrage, kontinuierliches Wachstum erzeugt aber nur Produktqualität. "Closer" ist Agendasetter und setzt im Markt der Peoplemagazine die Maßstäbe!

 

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