ITV-Studios-Germany-Chef Jan Kromschröder: "Die Frauen-affine Farbe hat bei RTL gefehlt"

 

Er ist ein Mann, der nicht nur Frauen versteht, sondern auch den derzeit etwas angeschlagenen Kölner Marktführer: Jan Kromschröder, einst TV-Movie-Chef bei RTL, hat mit seiner TV-Schmiede ITV Studios Germany die neue Acht-Folgen-Serie "Sekretärinnen" produziert. "RTL muss sich trauen, auch die Dinge in Frage zu stellen, die lange sehr erfolgreich gelaufen sind", sagt er im kress-Interview.

Er ist ein Mann, der nicht nur Frauen versteht, sondern auch den derzeit etwas angeschlagenen Kölner Marktführer: Jan Kromschröder, einst TV-Movie-Chef bei RTL, hat mit seiner TV-Schmiede ITV Studios Germany die neue Acht-Folgen-Serie "Sekretärinnen" produziert. "RTL muss sich trauen, auch die Dinge in Frage zu stellen, die lange sehr erfolgreich gelaufen sind", sagt er im kress-Interview.

Ab 22. August baut RTL den sonst von "Alarm für Cobra 11" dominierten Serien-Donnerstags radikal um - und schwenkt nach einen schmerzhaften Flops für Krimiproduktionen, die wohl doch nicht in Auftrag gegeben werden, nun auf eine Frauen-Programmierung um.

Frauen-Sorgen statt Testosteron-Druckbetankung

Den Anfang macht um 20:15 Uhr die Dramedy "Doc Meets Dorf", danach folgt um 21:15 das Wiedersehen mit Diana Amft in "Christine. Perfekt war gestern". Um 21:45 geht die neue ITV-Büro-Comedy "Sekretärinnen - Überleben von 9 bis 5" in Serie. Kromschröder spricht also nicht wirklich uneingenützig. 

"Die Frauen-affine Farbe hat bei RTL gefehlt", sagt er. "Die Serie 'Doctor's Diary' hatte ja eindrucksvoll bewiesen, dass der typische RTL-Zuschauer nicht nur an Testosteron-lastigen Männer-Stoffen im Serienbereich interessiert ist", so Kromschröder im Gespräch mit kress.

"Eine mutige und vor allem eine wichtige Entscheidung"

Den Schwenk weg von den Krimis hin zu den Comedy-Serien hält er für überfällig - vor allem weil bislang noch kein geeigneter "Cobra 11"-Nachfolger aufgebaut wurde. "Das ist eine mutige und vor allem eine wichtige Entscheidung", so Kromschröder. "RTL muss sich auch trauen, auch die Dinge in Frage zu stellen, die lange sehr erfolgreich gelaufen sind."

Für den Erfolg seines eigenen halbstündigen Formats ist die Blockprogrammierung entscheidend, anderswo hätte "Sekretärinnen" wohl auch keinen Platz im RTL-Ablaufplan gefunden. "Wir sind sehr froh, dass unsere Serie am neuen RTL-Donnerstag so schön eingebettet ist", so Kromschröder. Dass "Sekretärinnen", in der Ellenie Salvo Gonzàlez eine etwas einschüchterbare Hauptdarstellerin und Jochen Horst ein Chef-Ekel spielt, auch ein wenig an den ProSieben-Macho "Stromberg" erinnert, stört den ITV-Studios-Chef nicht.

Jochen Horst gibt das Büro-Ekel von RTL

"Büro-Themen sind universell. Jeder kann sich in die Situation hineinversetzen, wenn morgens die Lieblingstasse in der Teeküche fehlt oder der Chef mal wieder zum Choleriker wird", sagt er. "'Stromberg' hat da eine ganz andere Färbung. Wir setzen uns gut voneinander ab. Den bösen Chef gibt's doch (fast) überall –  in den unterschiedlichsten Erscheinungen." Außerdem klopft er sich ein wenig selbst auf die Schultern: "Jochen Horst spielt so gut wie lange nicht."

Tatsächlich sind die "Sekretärinnen" ein wenig angreifbar - vor allem wegen des nicht gerade emanzipierten Frauenbilds. Gerade deswegen ist man bei ITV froh, dass man auf die Drehbuchautorin Sonja Schönemann verweisen kann, die die Idee für die Produktion ausgebrütet hat. "Wir haben den Stoff sehr lange entwickelt. Das Thema Frauen im Beruf in ihrem beruflichen Alltag hat uns schon immer interessiert", sagt Jan Kromschröder. "Für unsere Entwicklung gibt es eben mal keine Vorlage, die aus UK oder den USA stammt."

Tatsächlich betritt ITV relatives Neuland, produziert man doch sonst vor allem "Let's Dance", "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" oder "Das perfekte Dinner" non-fiktional. Allerdings: "Auch in unseren Non-Fiction-Formaten spielt Humor ja eine wichtige Rolle", beteuert der neue RTL-Serien-Mann. 

"15 oder 16 Prozent Marktanteil sind wunderschön"

Der Zuschauer-Erfolg wird zeigen, ob ITV nach den acht auch noch weitere "Sekräterinnen"-Folgen produzieren kann. Der derzeit nicht ganz so strahlende Zustand des Senders ist dabei für alle Produzenten eher von Vorteil - relativ gesehen.

"Ich weiß, dass das Penthouse bei RTL weg ist. Das heißt aber nicht, dass RTL nicht weiterhin hohe Ansprüche an die Produzenten hat", sagt Jan Kromschöder. "Es ist aber schon angenehm, wenn der Sender aktuell nicht unbedingt Marktanteile von 20 Prozent oder mehr einfordert. 15 oder 16 Prozent sind doch auch wunderschöne Werte."

Ihre Kommentare
Kopf

Rufin Wiesemann

15.08.2013
!

Warum läuft jetzt in Deutschland auf allen Sendern nur noch Frauen-TV ? Haben die Männer den Streit um die Fernbedienung verloren, haben aufgegeben oder schlafen vor bis um 1 Uhr nachts die Frau im Bett ist und auch wieder ein halbwegs ausgewogeneres Programm mit dem einen oder anderen schaubaren Spielfilm und ohne Knutschquote ausgestrahlt wird ? Nein, sie sitzen am Rechner. Kein Wunder, dass die Einschaltquoten sinken, wenn überall das selbe flimmert, um nur nichts falsch zu machen.


TH

15.08.2013
!

Das klingt doch schwer nach aufgewärmten "Girlfriends" Konzept.


Christoph von Gallera

Christoph von Gallera

CVG2000/Mittelhessenblog
Inhaber

15.08.2013
!

Wer hätte das gedacht: Die Privaten, allen voran RTL entpuppen sich immer mehr als Kulturhelferlein: Mehr Zeit fürs gute Bücher lesen! Danke RTL und Co.


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