"Journalistische Angebote mit Vorbildfunktion": Bundeszentrale schreibt KinderMedienPreis aus

 

Während regionale Kindermedienangebote von der Partizipation der Jungreporter leben, verkaufen sich Zeitschriften für den Nachwuchs am besten mit Gimmicks. Die Bundeszentrale für politische Bildung  (bpb) schreibt zum ersten Mal den KinderMedienPreis aus, der mit insgesamt 12.000 Euro dotiert ist. Sabine Berthold, Produktverantwortliche für das Kindermedienangebot der bpb,

Während regionale Kindermedienangebote von der Partizipation der Jungreporter leben, verkaufen sich Zeitschriften für den Nachwuchs am besten mit Gimmicks. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) schreibt zum ersten Mal den KinderMedienPreis aus, der mit insgesamt 12.000 Euro dotiert ist. An wen sich der Preis richtet, erzählt Sabine Berthold, Produktverantwortliche für das Kindermedienangebot der bpb, im Interview.

kress: Warum braucht es einen KinderMedienPreis?

Sabine Berthold: Wir wollen mit dem Preis besonders qualitätsvolle journalistische Angebote mit Vorbildfunktion würdigen und stärken. Im Sinne politischer Bildung sind das solche, die bei Kindern das Interesse an Politik zu wecken vermögen und ihnen vermitteln, wie demokratisches Zusammenleben funktioniert. Außerdem ist es uns ein Anliegen, auf die besondere Verantwortung der Kindermedienmacher aufmerksam zu machen und zu veranschaulichen, welche Bedeutung sie bei der Herausbildung von Medien- und Demokratiekompetenz haben. Da wird täglich viel geleistet und das steht unserer Meinung nach viel zu wenig im Fokus.

kress: Was ist das Besondere an Ihrem Preis?

Berthold: Es gibt ja schon recht viele Preise, aber die Kriterien, die wir ausgewählt haben, bilden ein Alleinstellungsmerkmal insofern, dass alle Mediengattungen zugelassen sind. Erwünscht sind längerfristige Konzeptionen. Wir würden auch gerne einen Impuls setzen und stärker den Fokus auf regionale Angebote legen. Kindern Politik zu erklären, ist keine ganz einfache Sache. Der Stoff ist oft sehr abstrakt und schwere Kost, im Lokalen lässt sich das viel anschaulicher machen. Man kann den Kindern beispielhaft zeigen, dass sie von fast allen politischen Entscheidungen betroffen sind und ihnen vermitteln, dass Demokratie von Beteiligung lebt.

kress: Stellen Sie fest, dass die Anzahl an Kindermedienangeboten zugenommen hat?

Berthold: In den letzten Jahren ist sie vor allem im Print-und Online-Bereich gestiegen. Nach unserer Auffassung dürften es aber auch gerne noch mehr sein.

kress: Wie bewerten Sie die Kinderseiten in Tageszeitungen?

Berthold: Sie haben enorm an Qualität gewonnen, vermutlich weil ihnen ein höherer Stellenwert beigemessen wird. Es sind nicht mehr nur Spiel- und Bastelecken. Man bemüht sich um gesellschaftspolitische Aufklärung, um anspruchsvollere Wissensvermittlung. Das Hinzuziehen von Agenturmaterial finde ich dabei keineswegs verwerflich. Man kann nicht alles selber stemmen und man kann es sich auch nicht immer leisten, Kinderreporter loszuschicken. Das können nur wenige große Anbieter.

Im aktuellen kressreport 16.13 (EVT 9.8.2013) haben wir ein Spezial zum Thema Kinder- und Jugendmedien. Unter anderem sprechen die Macher von regionalen Kindermedien über die Herausforderungen in der Produktion. Außerdem beleuchten wir, wie sich das Segment von "Micky Maus", "Yps" und Co. entwickelt. Hier gehts zum Probeabo

kress: Sind digitale Angebote noch eher die Ausnahme für Kinder?

Berthold: Print erreicht immer noch die meisten Familien mit Kindern, gerade durch regionale und lokale Zeitungen. Aber auch im Online-Bereich hat sich viel getan. Wir sind seit 2003 Mitglied im Netzwerk Seitenstark, das ist ein Zusammenschluss qualitätsvoller Kinderseiten im Netz. Seit Beginn hat sich die Mitgliederzahl vervielfacht, sie explodiert nahezu.

kress: Was macht für Sie ein gutes Kindermedium aus?

Berthold: Ein gutes Kindermedium macht für mich aus, wenn das, was Kinder wünschen, in Einklang gebracht werden kann mit dem, was pädagogisch verantwortbar ist und gemäß unserem Auftrag auch den Zielen politischer Bildung entspricht. Das ist immer ein Balanceakt. Kinder wollen sehr viel kommunizieren, sie wollen interagieren und etwas zu den Inhalten beitragen. Das ist personal- und kostenintensiv. Für den Politikbereich heißt das, dass man einfach und direkt berichtet, dass man Emotionalisierung vermeidet, mehrere Meinungen darstellt zu einem Thema, auch Konfliktlösungsstrategien aufzeigt und Kinder aktiv einbezieht.

kress: Vor allem Kindermedienangebote leben davon, gesponsert oder durch den öffentlichen Auftrag finanziert zu werden. Wie sieht es mit einer Finanzierung durch Werbung aus?

Berthold: Im Idealfall sind Kindermedienangebote werbefrei. Lässt sich das nicht machen, dann sollte der redaktionelle Inhalt immer von der Werbung getrennt sein. Und man sollte den Kindern auch vermitteln, dass es Werbung ist und es ums Kaufen geht.

kress: Wie kann man mit Kindermedienangeboten Geld verdienen?

Berthold: Das ist in der Tat eine wichtige Frage. Anbieter qualitätsvoller Produkte müssen hier m.E. gemeinsam nach Lösungen suchen. Für nicht-kommerzielle Angebote wird es langfristig nicht ohne staatliche Unterstützung gehen. Es ist sehr schwer, ein solches Angebot beispielsweise nur über Sponsorengelder oder Mitgliedsbeiträge zu finanzieren. Aber zum Glück wurde das in den vergangenen Jahren erkannt. Der Staat unternimmt mehr, um Kinderangebote zu fördern und ihnen auch eine mittel- bis langfristige Finanzierung zu sichern. Nur so kann oftmals Qualität gesichert werden.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) vergibt einen Preis für Kindermedienangebote mit lokalem Fokus in Print, TV, Hörfunk und Online. Prämiert werden die besten redaktionellen Angebote für sowie mit und von Kindern. Der Preis ist mit insgesamt 12.000 Euro dotiert und wird am 28. November im Rahmen der KinderMedienKonferenz in Berlin verliehen. Bewerbungen sind bis zum 30. August möglich. Mehr Infos gibt es hier.

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