"Fuchs im Hühnerstall": Blome-Personalie sorgt für Aufruhr beim "Spiegel"

 

Die jüngste Personalentscheidung des künftigen "Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner sorgt angeblich für Ärger bei den Mitarbeitern. Büchner hätte Nikolaus Blome ohne das Einverständnis der Mitarbeiter KG zum Vize-Chef und Leiter des Hauptstadtbüros ernannt. Nun soll eine Sondersitzung der Gesellschafterversammlung einberufen werden.

Die jüngste Personalentscheidung des künftigen "Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner sorgt angeblich für Ärger bei den Mitarbeitern. Büchner hätte Nikolaus Blome ohne das Einverständnis der Mitarbeiter KG zum Vize-Chef und Leiter des Hauptstadtbüros ernannt. Die KG, in der die Mitarbeiter organisiert sind, ist mit 50,5% größter Gesellschafter des Spiegel-Verlags. Doch ob sie tatsächlich zustimmungspflichtig ist, ist unklar - laut "taz" sprechen Insider von einer "Grauzone".

Die Mitarbeiter des "Spiegel" wollen nun eine Sondersitzung der Gesellschafterversammlung der Mitarbeiter KG einberufen. Die 100 Unterschriften, die es für einen solchen Antrag braucht, kamen bis Mittwochmittag zusammen.

Unterdessen melden sich auch die "Spiegel"-Miteigentümer zu Wort: Während Jakob Augstein seinen Phoenix-Talk-Kollegen Blome gegenüber "Meedia" mit den Worten "Gute Leute bekommen immer Gegenwind" verteidigte, steht seine Schwester eher auf der Seite der Mitarbeiter. Franziska Augstein, Tochter von "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein und Mitinhaberin des Magazins, hält die Berufung Blomes "für eine verfehlte Personalentscheidung". Gegenüber der "taz" sagte sie außerdem: "Einen Mann von der 'Bild'-Zeitung, die die NSA-Affäre heruntergespielt hat, zum stellvertretenden Chefredakteur des Spiegels zu machen, der sich in der Aufklärung ebendieser Affäre profiliert hat, halte ich für indiskutabel." Damit hole man "den Fuchs in den Hühnerstall".

Doch nicht nur ihr Mitbestimmungsrecht sehen die "Spiegel"-Mitarbeiter verletzt. Auch über Büchners Art sollen die Mitarbeiter "erschüttert" sein. "Patzig", "brachial" und "unwirsch" soll der Auftritt des noch amtierenden dpa-Chefs Büchner am Mittwoch bei der 10-Uhr-Konferenz gewesen sein. Das berichtet Ulrike Simon in der "Berliner Zeitung". Auf die Frage des "Spiegel"-Autors Dirk Kurbjuweit, welche Auswirkungen der Wechsel des liberal-konservativen Springer-Journalisten Blome auf die politische Ausrichtung des Magazins habe, soll Büchner gesagt haben, dass er die Frage nicht verstehe. Auch beim zweiten Versuch habe Büchner abgewiegelt.

Die offizielle außerordentliche Versammlung der Mitarbeiter KG soll in spätestens drei Wochen sein. In der kommenden Woche haben die "stillen Gesellschafter" angeblich zu einer Info-Veranstaltung eingeladen.

Ihre Kommentare
Kopf

André Paul

24.08.2013
!

Man stelle sich mal vor, eine politisch eher liberal-konservativ ausgerichtete Zeitung (FAZ oder FOCUS beispielsweise) würde einen Kollegen eines linksliberalen Blatts wie STERN oder SÜDDEUTSCHE in die gleiche Position berufen - und die Kollegen dort würden dies beanstandeten mit den (berechtigten) Hinweis, dass dies die politische Blattlinie signifikant verschieben könnte: Ein Aufschrei der Empörung über derartige "Diskriminierung" und "Intoleranz" der "Ewiggestrigen" ginge durchs Land...


AKS

26.08.2013
!

Ich finde Büchners bereits im Juni angekündigte Linie - lieber harte Recherche u. Information statt beliebiger Lifestyle-Themen, lieber mit scharfen Kommentaren die politische Debatte anheizen als viele schöne Worte um nichts zu machen - nun wirklich nicht unpassend für den "Spiegel". Und so gesehen passt ja auch Herr Blome in dieses Konzept - den immerhin schon mal Jakob Augstein zu würdigen weiß. Und für die Beibehaltung der politischen Blattlinie wird hoffentlich das Leserinteresse sorgen...


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