"FAZ"-Chef zieht Bilanz: Was Tobias Trevisan gern anders gemacht hätte

 

Tobias Trevisan (Foto) ist als Sprecher der Geschäftsführung der FAZ GmbH nur noch bis Ende 2015 im Amt - "längstens". In einem Interview mit "persönlich.com" zieht er Bilanz: "Ich hätte sehr gerne schon früher den Aufbau neuer Geschäftsfelder wie das Weiterbildungsgeschäft vorangetrieben." Aber da die "FAZ" "in besonders hohem Masse von der Finanzkrise" getroffen war, mussten man sich über lange Zeit darauf konzentrieren, "das Schiff auf Kurs zu halten".

Tobias Trevisan (Foto) ist als Sprecher der Geschäftsführung der FAZ GmbH nur noch bis Ende 2015 im Amt - "längstens". In einem Interview mit "persönlich.com" zieht er Bilanz: "Ich hätte sehr gerne schon früher den Aufbau neuer Geschäftsfelder wie das Weiterbildungsgeschäft vorangetrieben." Aber da die "FAZ" aufgrund ihrer "großen Abhängigkeit" vom Stellenmarkt und von der Finanzbranche "in besonders hohem Masse von der Finanzkrise" getroffen war, mussten man sich über lange Zeit darauf konzentrieren, "das Schiff auf Kurs zu halten". "In dieser Zeit konnten wir uns kaum mit Neuem beschäftigen", so Trevisan.

Zu seinen Verdiensten zählt er die Gründung der Quality-Alliance, einer Kooperation zwischen FAZ-Verlag, Süddeutscher Verlag, der Zeit-Gruppe und der Verlagsgruppe Handelsblatt. Das habe in verschiedenen Bereichen zu konkreten Projekten geführt, die für die Branche zukunftsweisend sind.

Von Blumencron soll Paywall-Projekt "intensiv begleiten"

Im Frühjahr hatte Trevisan angekündigt, Paid-Content einführen zu wollen (kress.de vom 26. April 2013). Konkret festlegen, wann das "Projekt Paywall" startet, will er sich im Interview nicht: "In Bezug auf die Technologie sind wir bereits recht weit fortgeschritten. Doch ob die Einführung Ende Jahr oder erst Anfang 2014 sein wird, muss sich noch zeigen." Am 1. Oktober startet der frühere "Spiegel"-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, der "Spiegel-Online" aufgebaut hat, bei der "FAZ". Er soll diesen Schritt dann "intensiv begleiten".

Und auch ob die "FAZ" ein Freemium- oder ein Metered Modell mache, sei noch nicht entschieden, "aber auch nicht entscheidend". Wichtig sei lediglich, dass die Bezahllösung wirklich greife, andererseits den Zugang der Nutzer nicht verhindere, so wie dies im Falle der "Times" in London geschehe. "Bei diesen Fragen ist uns die Meinung von Mathias Müller von Blumencron sehr wichtig", sagt Trevisan.

"Bezos kann der Branche vormachen, wie das Zeitungsmodell von morgen aussieht"

Amazon-Gründer Jeff Bezos, der das US-Traditionsblatt "Washington Post" für 250 Mio Dollar gekauft hat, traue Trevisan den Ehrgeiz zu, der Branche vorzumachen, wie das Zeitungsmodell von morgen aussieht. "Traditionsgemäß sind wir Verlage sehr angebotsorientiert. Wir produzieren eine Zeitung und setzten unsere Marketinginstrumente erst ab der Phase der Vermarktung ein", so der "FAZ"-Chef. "Ein nachfrageorientiertes Geschäftsmodell würde bedeuten, dass wir sehr viel mehr wie heute über unsere Kunden wissen müssten und diese Angaben in einer Datenbank sammeln und auswerten um den Kunden zielgruppengenau Produkte anzubieten, die stärker auf ihre individuellen Bedürfnissen zugeschnitten sind. Dies ist durch die digitalen Technologien heute möglich."

Unterm Strich habe Trevisan bei der "FAZ" eine "tolle, wertvolle und sehr faszinierende Aufgabe". Doch dafür zahle er auch einen sehr hohen Preis: nämlich sein Privatleben. "Die hohe zeitliche Belastung und das Pendeln lassen keinen Raum für andere Dinge im Leben außerhalb der Arbeit", so Trevisan. Deswegen ist in Zukunft Schluss mit der Pendelei. Mitte August ist in den Verwaltungsrat des Schweizer Privat-TV-Betreibers 3 Plus Group gewählt worden (kress.de vom 12. August 2013). Und er wünscht sich noch weitere VR-Mandate.

Bei der "FAZ" beabsichtige man jetzt, die Strukturen der gesamten Gruppe den veränderten Marktgegebenheiten anzupassen, so Trevisan. Das mache sein Nachfolger, der dann auch die Verantwortung dafür trage. Trevisan werde der "FAZ" so lange vollumfänglich zur Verfügung stehen, bis sein Nachfolger im Haus und eingearbeitet sei. "Ich werde der FAZ aber auch über diesen Zeitpunkt hinaus treu bleiben und den von mir initiierten Aufbau des Weiterbildungsbereichs im Rahmen eines Beiratsmandats begleiten", so Trevisan.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.