Jauch-Gottschalk-Show "Die 2" im kress-Check: Streber und Sonnyboy kabbeln und lieben sich

 

Für das Debüt einer Quizshow interessierten Spielmodus und die oft läppischen Fragen herzlich wenig. Und dafür, dass Günther Jauchs i&u selbst produziert, ging technisch sogar einiges schief. Wichtig war das aber nie, funktionierte doch das Frotzeln zwischen Thomas Gottschalk, Jauch und Barbara Schöneberger prächtig. Die augenzwinkernde Kritik an ihrem eitlen Treiben lieferten "Die 2" gleich mit.  

Für das Debüt einer Quizshow interessierten Spielmodus und die oft läppischen Fragen herzlich wenig. Und dafür, dass Günther Jauchs i&u selbst produziert, ging technisch sogar einiges schief. Wichtig war das aber nie, funktionierte doch das Frotzeln zwischen Thomas Gottschalk, Jauch und Barbara Schöneberger prächtig. Die augenzwinkernde Kritik an ihrem eitlen Treiben lieferten "Die 2" gleich mit.  

Zugegeben, ein wenig zu oft, ritten die beiden Show-Dinosaurier, die schon seit frühen BR-Zeiten Freunde sind, auf ihrem vor allem von sich selbst angedichteten Senioren-Image herum. Etwas mehr jedenfalls als das einem immer noch an der TV-Jugend mitinteressierten Sender lieb sein könnte. Und doch kann man mit einleitenden Jauch-Sprüchen wie "Das ist die Hybris des Alters, jetzt ist alles egal" natürlich vieles kaschieren.

Gottschalk braucht Blondinen an seiner Seite

Auch Gottschalk hängte für sich selbst die Latte niedrig. "Mir reicht es, wenn ich eine blonde Frau an meiner Seite habe", sagte er und flirtete Barbara Schöneberger an, die ja auch schon als seine "Wetten, dass ..?"-Nachfolgerin gehandelt worden war. Zu recht. Sie bugsierte die beiden gelegentlich etwas zu anzüglich witzelnden Herren sicher durch eine nicht unkomplizierte Show, achtete darauf, dass niemand über die Show-Stufe (nicht Showtreppe, Herr Gottschalk) stolperte oder die Bandscheiben überstrapazierte. 

Ihren Mit-Auftragegeber Jauch siezte Schönebeger höflich, Gottschalk duzte sie hemmungslos und erlaubte ihm auch das Küsschen. "Da Michelle Hunziker hochschwanger ist, habe jetzt ich den Fuß in der Tür", beschrieb sie ihre Rolle kokett. Der blonde Thommy bediente die Erwartungen seiner Zielgruppe - und die seiner Kritiker - und lieferte zum Tun gleich noch die eigene Meta-Kritik mit. Er vermutete zu recht, dass viele Betrachter auf die Stoppuhr blicken würden, bevor er Barbara Schöneberger betatschte. Es dauerte natürlich nicht lang.

Gemeinsames Blättern im Jauch-Gottschalk-Fotoalbum

Allerdings lagen sich ohnehin die meiste Zeit die beiden nur leicht gealterten Jugendfreunde in den Armen - beim Schwelgen in gemeinsamen Erinnerungen, die durch viele Blicke ins Foto-Album unterstützt wurden. So etwas hat man schon bei der ebenfalls von i&u produzierten Show "60 Jahre ARD - Die große Geburtstagsshow" gesehen. Aber die stieren Passfoto-Blicke sieht man dann doch immer wieder gern. 

Allerdings war die Reminiszenz an den legendären "Rätselflug", als der junge Jauch ungesichert an den Kufen eines Show-Hubschraubers hing, damit unvermeidlich. Und ebenso unvermeidlich eine Wiederauflage der Kraftprotzübung mit dem Noch-immer-Hänfling. Damals wie gestern beeindruckte der ehrgeizige Moderator. Er hielt in 25 Meter Höhe 2,50 Minuten hängend aus - und schlug damit Herausforderer Henry Maske (1,06 Min) um Längen. Zum Dank gab's von Freund Thommy eine innige Umarmung - und einen Ring an den Finger. Es war der Ehering, den Gottschalk in Verwahrung genommen hatte. Der gemeinsame Gattinnen-Name Thea verbindet zusätzlich.

Eine Show mit nur zwei Inhalten - Selbstbezug und Kabbelei

Weit vorab der mit drei Stunden dann doch ziemlich langen Sendedauer war damit ein echter Höhepunkt erreicht, der das Gespann aus vermeintlichem Alleswisser und Blender diesmal eher umgekehrt, aber eben auch sportlich gefordert hatte. Thomas Gottschalk fühlte sich für einen Moment sogar fast in der falschen, weil abgelegten Show: "Ich habe immer noch den Reflex zu sagen, Top ..." wollte er den Hubschrauber-Stunt einläuten. 

Zuvor und dann für zwei eher zähe Final-Runden weiter mussten Jauch/Gottschalk und das per Publikum und Telefon-Einblendung zugeschaltete "Deutschland" eher harmlose Wissens- und Schätzaufgaben übernehmen. Es galt etwa zu kalkulieren, wie viel Dosenpfand im Studio aufgeschichtet ist. Das waren natürlich Aufgaben ganz nach dem Geschmack eines Pfenningfuchsers - und Jauch schlug sich meist ziemlich gut. 

Kopfhörer spielen Jauch seine Kontoauszüge vor

Zum respektlosen Dank musste er sich den Spott von Barbara Schöneberger gefallen lassen. Als das Herren-Team bei einer Spielaufgabe kurzzeitig mal wieder weghören musste und Kopfhörer aufgesetzt bekam, feixte die Moderatorin, dass dem Vielverdiener Jauch zur Ablenkung und Beruhigung unter dem Hörschutz seine Kontoauszüge vorgelesen werden würden.

Allerdings musste auch die zum Schluss hin etwas gouvernantenhaftere Spielleiterin ebenfalls einstecken. "Ich bin selbstverständlich nicht tätowiert", sagte sie auf eine Frage von Gottschalk hin. Dafür musste sie sich ein freches "Da wäre ja dann noch eine Menge Platz" gefallen lassen.

Gottschalks Humor dient der Selbst-Therapie

In der Abteilung Selbstironie ließ Gottschalk ein Foto seiner Oberarm-Tätowierung zeigen - angeblich eine Buße für eine "Wetten, dass ..?"-Wettschuld. Außerdem hätten die Mainzer dort am liebsten ein ZDF-Logo gesehen. "Säße ich dann hier?", fragte er in die RTL-Runde. Humor ist wichtig, auch zur Selbsttherapie. In eine ähnliche Kerbe schlug die Bemerkung, dass er das leichtsinnige Spiel mit Jauchs Leben im "Rätselflug" immer noch bezittere. "Wenn er runtergefallen wäre, würde ich heute Wer wird Millionär? moderieren", drohte Gottschalk. 

Dass eine Zuschaltung zum Show-Oldie Otto, der für eine Quiz-Frage ein Live-Konzert in Leipzig unterbrechen musste und die glänzende Glatze für die Fernsehkameras schnell mit einer Schirmmütze bedeckte, wegen grausamer Ton-Probleme nicht wirklich klappte - geschenkt! Ebenso ignorieren konnte man die fehlende Quiz-Spannung und die Tatsache, dass eine Telefon-Kandidatin nicht mehr als ein "Jennifer" herausgebracht hatte und allein dafür beinahe 50.000 Euro gewonnen hätte. 

Die Presse-Scheuen und die privaten Geheimnisse

Gottschalk, Jauch und Schöneberger könnte man noch lange zuhören. Und nebenbei bei den privat medial Verschlossensten der Branche noch ein paar Indiskretionen mitbekommen. Für Überneugierige: Jauchs Nummernschild beginnt mit "P - TG" für "Thea und Günther", nicht für "Thomas Gottschalk". Jauch wiegt rund 80 Kilo, Gottschalk derzeit fast 100 - wegen der "Eisenschuhe" allerdings.

Bleibt nur die Frage, ob für die nächste Show am 7. Oktober das Foto-Album noch genug nostalgisch-schräge Aufnahmen hergibt? Vermutlich ja. Und zum Kabbeln gibt es sicher genug Stoff.

Ihre Kommentare
Kopf
Wolfgang Ferencak

Wolfgang Ferencak

EMC Medienberatung / MS One Radiogroup / Starrocket Musik Management
Geschäftsführer

10.09.2013
!

Zum einen Günther und Thommy können es noch immer, und zwar auch ohne die Absurditäten und unterirdischen teils ekligen Einlagen ihrer so hochgejubelten und quotentechnisch desaströs abschneidenden selbsternannten Nachfolger a la "Jost & Klaas". Die Show war sicher simpel gestrickt und hatte Längen was jedoch durch die beiden hervorragend aufgelegten Protagonisten deutlich wettgemacht wurde. Wenn RTL & Jauch noch ein wenig an dem Format schrauben und es etwas straffen, ein absolutes Erfolgsforma


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