Satiriker Sonneborn im kress-Interview: "Fernsehen ist Arbeit und 'Partei' ist Vergnügen"

 

Stressige Zeiten für Martin Sonneborn: Der TV-Satiriker ("heute-show"),  Bundesvorsitzende der Spaß-Partei "Die Partei" und Herausgeber der "titanic" hat während des Wahlkampfs die dreiteilige Reportagereihe "Sonneborn rettet die Welt" für ZDFneo gedreht. Warum es nicht immer einfach ist, satirische Sendungen ins Fernsehen zu bringen, was Umweltminister Peter Altmaier mit einem Michelin-Männchen gemein hat 

Stressige Zeiten für Martin Sonneborn: Der TV-Satiriker ("heute-show"), Bundesvorsitzende der Spaß-Partei "Die Partei" und Herausgeber der "titanic" hat während des Wahlkampfs die dreiteilige Reportagereihe "Sonneborn rettet die Welt" für ZDFneo gedreht (Sendetermin: 10. Oktober). Warum es nicht immer einfach ist, satirische Sendungen ins Fernsehen zu bringen, was Umweltminister Peter Altmaier mit einem Michelin-Männchen gemein hat und was er unter "Gonzo-Journalismus" versteht, sagt der 48-Jährige im kress-Interview.

kress: Herr Sonneborn, am 10. Oktober läuft die erste Folge Ihrer satirischen Reportagereihe "Sonneborn rettet die Welt" auf ZDFneo. Leider zu spät, um den Wahlkampf für "Die Partei" miteinfließen zu lassen. Hätten Sie es gerne dafür genutzt?

Martin Sonneborn: Ja sicher, aber das sind Entscheidungen, die nicht ich treffe. Und ich glaube nicht, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen ein Interesse daran hätte, eine seriöse Partei, die zur Wahl steht, und ihren Bundesvorsitzenden in einem derartigen Format zu bewerben. Das ist eigentlich nur ein Job für mich gewesen: Ich hab die Welt gerettet, ich hab Geld dafür bekommen und die Positionierung im Programm ist Sache der ZDFneo-Redaktion.

kress: Dennoch begegnen Sie in der Sendung auch Politikern, die zum Ausstrahlungszeitpunkt nicht mehr im Amt sein könnten, beispielsweise Umweltminister Peter Altmaier.  

Sonneborn: Für dessen Positionierung sind wir leider auch noch nicht zuständig. Was Herrn Altmaier angeht, ein schwerwiegender Fall, bin ich zwiegespalten. Einerseits wünsche ich mir, dass er weiter im Amt ist, damit er diese ganze Würde, die er in dem Film ausstrahlt, auch als Amtsinhaber dann noch präsentieren kann. Auf der anderen Seite mussten wir bei den Dreharbeiten auf seine Bitte hin die Kamera kurz ausstellen. Es ging um CO2-Emmissions-Zertifikate. Er erklärte uns, dass er leider gerade nicht wisse, worum es geht, auch als Minister könne man nicht alles wissen. Drei Tage später hat er eine Klimaschutzkonferenz zu dem Thema eröffnet.
Insofern ist es fachlich fraglich, ob er im Amt bleiben sollte, aber für "Sonneborn rettet die Welt" wäre es gut. Außerdem sieht er total lustig aus. Die Tür geht auf, der Kamera strahlt ein properes, aufgeblasenes Michelin-Männchen entgegen. Das ist ein Anblick, den ich nie wieder vergessen werde.

"Wir nennen es Gonzo-Journalismus"

kress: Was war Ihre Motivation zu dieser satirischen Reportagereihe?

Sonneborn: Geld. Und natürlich Idealismus. Aber in erster Linie Geld.

kress: Dann hätte man die Sendung ja auch "Sonneborn macht‘s für Geld" nennen können.

Sonneborn: Ja, das hätte man auch. Aber das Format ist so besser verkäuflich gewesen. Es handelt sich ja nicht um seriösen Journalismus. Es war zwar als saubere Reportage geplant, das Ganze ist schon deshalb  hochgradig unseriös geworden, weil wir unser Handwerk bei "titanic" und bei der "heute-show" gelernt haben. Wir nennen das Ergebnis "Gonzo-Journalismus", genauer Gonzo 2.0. Insofern ist es auch schwierig, solche Dinge im öffentlich-rechtlichen Fernsehen überhaupt zu platzieren. Ich freu mich, dass ein freundlicher Spartensender ohne Zuschauer zugegriffen und das in Auftrag gegeben hat.

kress: Hat Sie während Ihrer Recherchen für "Sonneborn rettet die Welt" etwas überrascht?

Sonneborn: Ja, die Aussichtslosigkeit unserer Situation. Die war mir vorher nicht so bewusst. Und die Dreistigkeit, mit der Politik sich in den Dienst von Industrie und Wirtschaft stellt.

kress: Daraus folgere ich: Sie haben die Welt nicht gerettet?

Sonneborn: Das erfahren Sie Ende Oktober. Entweder in der "Tagesschau" oder bei ZDFneo.

"Satire ins Fernsehen zu bringen, ist nicht immer ganz einfach"

kress: Werden Reportagen nun Ihr nächstes Standbein?

Sonneborn: Nein, auf keinen Fall. Es ist auch immer die Frage, wie die Filmemacher Susanne Müller und Andreas Coerper das sehen. Sendungen mit satirischen Inhalten ins Fernsehen zu bringen, ist nicht immer ganz einfach, da müssen wir erst einmal schauen, wie viele Nerven es letztendlich gekostet hat. Danach ist erst einmal Urlaub angesagt. Wir können ja auch nicht wöchentlich die Welt retten...

kress: Wie wichtig ist das Fernsehen im Vergleich zum Bundesvorsitz der "Partei" für Sie?

Sonneborn: Es sind unterschiedliche Formate, in denen man sich satirisch betätigen kann. "Die Partei" arbeitet ja mit satirischen Methoden, auch wenn der Wille zur Macht ein authentischer ist. Fernsehen ist Arbeit und "Partei" ist Vergnügen.

kress: Nur tut das Fernsehen der "Partei" ja auch gut.

Sonneborn: Das ist eine gesunde Wechselwirkung, schließlich sind die Aktionen und Wahlwerbespots der "Partei" ja auch deutlich sehenswerter als die der etablierten Kollegen.

kress: Die Tendenzen, die im Bericht an den Club of Rome aufgezeigt werden und denen Sie in Ihrer Reportage nachgegangen sind, gelten bis zum Jahr 2052. Dann sind Sie 87 Jahre alt. Wo werden Sie dann sein?

Sonneborn: Ich werde dann am Ende einer langen, langen, für das Land erfolgreichen Regentschaft für "Die Partei" sein, mit relativ wenig Bundestagswahlen. In welcher Form, muss man mal sehen. Kanzler, Präsident, Vati, der große Diktator - wir wissen noch nicht, wie wir es dann nennen.

Nach der Bundestagswahl werden wir noch einmal ausführlich mit Martin Sonneborn über seine Pläne als TV-Reporter und Vorsitzender der "Partei" sprechen. Abonnenten lesen das Interview in kressreport-Ausgabe 20.13, die am 4. Oktober erscheint. Hier geht's zum kostenlosen Probe-Abo

Ihre Kommentare
Kopf

Karl Jobig, PDE Dresden

16.09.2013
!

Das ketzerisch, satirische an Martin Sonneborn kann ich gut ab. Wenn er allerdings unterstellt, dass sich 'die Politik' dreist in den Dienst von Industrie und Wirtschaft stellt, liegt MS komplett daneben - oder sollte ich da was falsch verstanden haben. SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT FUNKTIONIERT NUR BEI FLORIERENDER WIRTSCHAFT und dem darf der Staat nicht mit seiner Bürokratie-Krake im Wege stehen. Die Volkspartei der Zukunft heißt PDE. Das ist DIE PARTEI.....


Ed

17.09.2013
!

Hier ist dem Autor wohl ein Fehler unterlaufen der schnell korrigiert werden sollte: Die PARTEI ist keine Spaßpartei, diesen Begriff hat die FDP gepachtet. Martin Sonneborn wird sehr sauer wenn er das liest.


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