"Flair"-Neustart im kress-Check: Mehr Schmäh, bitte

 

Die Regalbretter mit den Frauenmode-Magazin biegen sich bedenklich: Ab sofort hält auch "Flair" nach Leserinnen Ausschau: Nach einem Neustart im kleinen Berlin-Wiener Boutique-Verlag Ahead Media meldet sich der zuletzt glücklose Mandadori-Lizenztitel als Schwergewicht zurück. Rund 50 Anzeigenseiten bei einem 252-Seiten-Umfang sind in Print-Krisenzeiten ein Pfund. 

Die Regalbretter mit den Frauenmode-Magazin biegen sich bedenklich: Ab sofort hält auch "Flair" nach Leserinnen Ausschau: Nach einem Neustart im kleinen Berlin-Wiener Boutique-Verlag Ahead Media meldet sich der zuletzt glücklose Mandadori-Lizenztitel als Schwergewicht zurück. Rund 50 Anzeigenseiten bei einem 252-Seiten-Umfang sind in Print-Krisenzeiten ein Pfund. 

Dafür dass "Flair" erst im Mai wieder vom Markt verschwunden war, weil Klambt schon in Heft 7 die Notfall-Reißleine gezogen hatte (unter anderem wegen angeblich mangelhafter Akzeptanz auf dem Anzeigenmarkt), ist der Titel schnell wieder zurückgekehrt - diesmal unter der Führung von Desirée Treichl-Stürgkh, die im Impressum etwas pomadig als "Editorial Director" vorgestellt wird. Sie will laut ihrem ersten Editorial ein Heft mit folgendem Credo liefern: "Flair, das ist selbstverständlicher Umgang mit der Kultur der Mode und des Designs als Ausdruck unserer Zeit."

Hochwertige Modestrecken, etwas betuliche Portraits

Tatsächlich kommt natürlich die Mode nicht zu kurz: Sie wird mit angemessen opulenten Fotostrecken in Szene gesetzt und dabei teilweise im High-End-Stil ausgeleuchtet, wie man ihn aus "Vogue", "Elle" oder der "Madame" kennt. Schwarz weiß und streng platziert etwa Paolo Zambaldi seine Aufnahmen im latent beunruhigenden "Frauen von Stepford"- oder "Das Dorf der Verdammten"-Stil.

Auch das Beauty- und Home-Ressort fällt in diese Kategorie, wobei jedoch eine deutliche Akzentverschiebung auffällt: Vor-Chefredakteur Klaus Dahm hatte eine deutlich mutigere Mischung aus Mode- und Wohnthemen gewagt - und dem Design mehr Luft gegeben. 

La Jolie - mal wieder als Mutter, Muse, Teufel und Heilige

Etwas unentschlossen wirkt der Heftcharakter, wenn er sich abseits von Stilfragen bewegt: Titelthema (ohne allerdings dass die Schauspielerin auch tatsächlich auf dem Titel gelandet wäre) ist etwa Angelina Jolie, von der in diesem Jahr bekanntlich schon sehr viel zu lesen war. Ihre kontrovers diskutierte Brustoperation fand im Mai statt. "Flair" widmet ihr nun eine 22-Seiten-Strecke, die sich dem "Phänomen" Jolie, die auf dem Cover als "Mutter, Muse, Teufel und Heilige" besungen wird, von verschiedenen Seiten nähert.

Kein Zugang ist zwingend originell, darunter ihre Lebensgeschichte, die Biograf Brandon Hurst ausbreitet, eine feministische Analyse von Julie Burchill oder eine Einschätzung von Magdalene Hele, "Flair"-Autorin und fünffache Mutter. Und dann findet sich auf einer Doppelseite auch noch ein Nachdruck von "Meine medizinische Entscheidung", einer Jolie-Selbstoffenbarung, die einst in der "New York Times" stand. Hm. 

Was haben sich Carrie und Hannah zu sagen?

Ähnlich zwiespältige Eindrücke hinterlässt ein "fiktives" Interview zwischen "Sex and the City"-Serienheldin Carrie Bradshaw und ihrem "Girls"-Gegenüber Hannah Horvath. Sich so etwas einfallen zu lassen, ist nicht verboten, wirkt aber ein wenig wie einer dieser Zaubertricks, die auf Schulfesten oder in Partykellern dargeboten werden. Der ganz große "Girls"-Hype war ja eigentlich auch schon gestern. Oder hat nie wirklich eingesetzt. 

Geschenkt: "Flair" ist ein Heft, dem man alles Gute wünscht. Und vor allem den Mut, sich zu einem etwas klareren Profil - und ein wenig mehr Pfiffigkeit zu bekennen. Wiener Schmäh kann doch auch zum Flair beitragen - und der hat im bundesdeutschen Medienbetrieb noch nie geschadet.

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