"Borgia"-Produzent Jan Mojto im kress-Gespräch: "Qualität des Erzählens wird immer wichtiger"

 

Jan Mojto, einer der erfolgreichsten Produzenten und Rechtehändler, lange Zeit Programmchef der KirchGruppe, lädt das deutsche Publikum zu sechs Spielfilm-langen neuen "Borgia"-Folgen im ZDF ein. Ab Montag, 30. September, können die Zuschauer die Päpste bei Sex-, Macht- und Gewaltexzessen begleiten. "Viele Serien, die heute so beliebt und erfolgreich sind, hätten vor zehn Jahren noch nicht entstehen können – als Sendezeit noch eine begrenzte Ressource war", sagt Mojto.

Jan Mojto, einer der erfolgreichsten Produzenten und Rechtehändler, lange Zeit Programmchef der KirchGruppe, lädt das deutsche Publikum zu sechs Spielfilm-langen neuen "Borgia"-Folgen im ZDF ein. Ab Montag, 30. September, können die Zuschauer die Päpste bei Sex-, Macht- und Gewaltexzessen begleiten. "Viele Serien, die heute so beliebt und erfolgreich sind, hätten vor zehn Jahren noch nicht entstehen können – als Sendezeit noch eine begrenzte Ressource war", sagt Mojto.

Literweise Kunstblut vergossen

Eine gewisse Nervosität vor der Ausstrahlung der zweiten Staffel - die dritte lässt er gerade drehen - ist dem Routinier auch diesmal anzumerken. "Ein angespanntes Bangen ist der natürliche Zustand vor jeder Ausstrahlung. Je wichtiger und größer das Projekt, desto größer ist meine Sorge", so Mojto. 129 Schauspieler aus 19 Nationen (und zwar nur solche mit Sprecherrollen gezählt) haben rund 159 Liter Kunstblut an Drehorten zwischen der tschechischen Republik und Italien vergossen.

Auf die Diskussion um heftige Bilder zur besten Sendezeit ist Mojto gefasst. "Wir erzählen eine durchaus radikale, differenziert aufbereitete Geschichte, aber eben so, wie sie sich damals tatsächlich hätte abspielen können. Man kann die Serie nicht nur auf ihre expliziten Sex- und Gewaltszenen reduzieren", sagt er. Erbitterte Kämpfe mit den ZDF-Jugendschützern gab's diesmal allerdings nicht. "Wir wissen, für wen wir drehen: Die Fassungen, die wir von der zweiten Staffel erstellt haben, weichen nur unwestlich voneinander ab", heißt es nun.

"Eine mutige Programmierung"

Mit den Sendeplätzen, gestreckt über jeweils drei Spieltage werktags innerhalb von zwei Wochen, ist der Eos-Geschäftsführer recht zufrieden. "Von der Menge der Folgen gehen wir ins Serielle, vom Aufwand her bleiben wir beim Event-Mehrteiler", so Jan Mojto. "Wir sind sehr froh über die Art der Programmierung. Es ist eine mutige Entscheidung, 'Borgia' so zu zeigen. Doch wer nichts wagt, kann auch nicht gewinnen."

Und auf was dürfen sich die Zuschauer freuen? "Die Staffel öffnet sich", so Mojto. "Das gilt zum einen für die Handlungsorte: Sie spielt nicht mehr nur im Vatikan und Rom. Wir gehen nach Neapel, Norditalien und nach Frankreich. Ein Drittel der zweiten Staffel wurde in Italien gedreht - teilweise an Originalschauplätzen, darunter wunderschöne Villen, Burgen und mittelalterlichen Städte." Inhaltlich gibt es eine klare Akzentverschiebung: "Lucrezia und Cesare rücken in den Mittelpunkt. Über ihre Entwicklung können wir sie mit der Renaissance-Welt konfrontieren – und Figuren wie Machiavelli, Michelangelo und Leonardo da Vinci ins Spiel bringen."

Dem Strippenzieher entgleitet langsam die Macht

Für Staffel-Eins-Protagonisten Rodrigo Borgia (John Doman) wird die bizarre, weitgehend historisch verbürgte Familien-Soap zur Achterbahnfahrt: "Dem Papst fällt es immer schwerer, die Fäden in der Hand zu halten. Die Macht entgleitet ihm zunehmend – und er fängt an, über die Endlichkeit der Dinge nachzudenken. Er wird die Staffel aber überleben", versichert Mojto.

Sein Ende und damit auch das Ende der Serie nahen in der finalen Staffel: "Wir drehen die dritte Staffel noch bis Februar. Mit dem Tod von Rodrigo Borgia endet die Geschichte, die wir erzählen wollen, nämlich jene eines Außenseiters und seiner Familie, dem es als Spanier gelang, in Italien die Macht zu ergreifen- und zu verteidigen."

Vom unerbittlichen Überlebenswillen der Kirche

Aktuelle Bezüge zu Hinterzimmerkämpfen im Vatikan von heute darf man sich durchaus mitdenken: "Wir erzählen, wie Menschen um Macht ringen, wie sie die Macht missbrauchen, Fehler machen – und oft keine Auswege finden", sagt Jan Mojto. "Die katholische Kirche ist die einzige Institution der Menschheit, die 2000 Jahre überlebt hat. Diese Bilanz hat man mir schon als junger Student an der Business School beigebracht. Sie ist der Subtext, den diejenigen sehen und begreifen, die unsere Serie aufmerksam verfolgen."

Naturgemäß erfüllt einen Produzenten und Händler das allgegenwärtige Diktum von der "Goldenen Zeit des Fernsehens" mit Freude - wenn auch die veränderten Sehgewohnheiten auch die Hersteller zum Umdenken zwingen. "Mit der Komplexität und der Tiefe von Charakteren, die sich auch nach der ersten Folge mehr als nur ein Geheimnis bewahren, kommen die Zuschauer heute zurecht", so Mojto. "Die Zeiten, in der man eine Woche lang auf die nächste Episoden warten musste, sind technisch vorbei. Dieser Tatsache müssen sich Produzenten und Lizenzhändler stellen. Dass die Zuschauer uns gleichzeitig in den Stoffen wieder mehr Zeit geben, komplexe Charaktere zu entwickeln, ist eine sehr positive Entwicklung."

Zuschauer können sich mehr als zwei Stunden konzentrieren

Von Netflix-Strategie, "House of Cards" auf einen Schlag zur Verfügung zu stellen, war auch er beeindruckt - und als Anbieter von Programmflächen nur leicht verunsichert. Als Regel kann er für sich nur einen erhöhten Anspruch ableiten. "Wir müssen spannende Geschichten erzählen, damit die Zuschauer am Ball bleiben. Doch das Sehverhalten hat sich geändert: Die Aufmerksamkeitsspanne ist heute länger als nur zwei Stunden", sagt er. "Die Herausforderung an die Qualität des Erzählens wird immer größer."

"Borgia", ab Montag, 30. September, 20:15 Uhr im ZDF.

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