DJV warnt vor "publizistischem GAU": Madsack will Überregionales in Zentralredaktion bündeln

04.10.2013
 

Die Mediengruppe Madsack will noch 2013 in Hannover eine Zentralredaktion aufbauen, die überregionale Inhalte für ihre 18 Zeitungen (u.a. "Märkische Allgemeine", "Leipziger Volkszeitung") erstellen soll. Dies gab die Konzerngeschäftsführung auf einer Tagung bekannt, an der neben über 100 Führungskräfte des Konzern auch Vertreter des Betriebsrates teilnahmen.

Die Mediengruppe Madsack will noch 2013 in Hannover eine Zentralredaktion aufbauen, die überregionale Inhalte für ihre 18 Zeitungen (u.a. "Märkische Allgemeine", "Leipziger Volkszeitung") erstellen soll. Dies gab die Konzerngeschäftsführung auf einer Tagung bekannt, an der neben über 100 Führungskräfte des Konzern auch Vertreter des Betriebsrates teilnahmen. 

"Die regionale Berichterstattung ist die Basis von allem - aber wir müssen auch dem Anspruch unserer Leser nach gut recherchierten, überregionalen Inhalten gerecht werden", so der Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung Thomas Düffert. "Würde sich jede unserer Regionalredaktionen auch mit allen überregionalen Themen beschäftigen, könnte sie sich nicht auf ihre jeweilige regionale und lokale Kernkompetenz konzentrieren. Die überregionale Berichterstattung wird besser, wenn wir sie mit den vereinten Kräften der ganzen Gruppe gestalten."

Fünf Chefredakteure der Mediengruppe Madsack haben daher gemeinsam das künftige Leitbild einer "klug vernetzten Redaktion" entwickelt: Thoralf Cleven (Chefredakteur "Märkische Allgemeine Zeitung"), Jan Emendörfer (Chefredakteur "Leipziger Volkszeitung"), Uwe Dulias (Entwicklungschefredakteur Mediengruppe Madsack) sowie Hendrik Brandt und Matthias Koch (Chefredakteure "Hannoversche Allgemeine Zeitung"). Die Zentralredaktion soll sich demnach allen überregionalen Themen widmen - von der Recherche über das Schreiben bis zur Seitenproduktion. Für alle Print- und Digital-Publikationen der Gruppe. "In den Redaktionen der einzelnen Titel fokussieren wir unsere Arbeit auf die lokalen und regionalen Themen", kündigen die Chefredakteure an.

Stellenabbau "nicht ausgeschlossen"

Dass es bei dem Umbau-Programm "Madsack 2018" zu Stellenstreichungen kommt, könne nicht ausgeschlossen werden, so eine Konzernsprecherin. Das Berliner Büro, von dem aus mehrere Korrespondenten die einzelnen Titel mit überregionalen Geschichten beliefern, bleibe aber bestehen.

Auch Vermarktung, Vertrieb, Logistik und Dienstleistungen sollen künftig "nur einmal ans Werk gehen und das Rad nicht an jedem Standort unserer Mediengruppe neu erfinden", so Madsack-Geschäftsführer Christoph Rüth. Jeder einzelne Standort könne sich somit noch besser auf die regionale Marktbearbeitung konzentrieren. Das gelte ganz besonders auch für die digitalen Angebote und Produkte. Rüth erklärt: "Die hohen technischen Investitionskosten werden geteilt - und vom konsequenten Ausrollen der einmal entwickelten Digitalprodukte profitieren dann alle Standorte."

Parallel zum Umbau der Konzernorganisation will Madsack das Postgeschäft ausbauen und regionale und lokale Print- und Online-Medien zukaufen. Die Mediengruppe sieht sich im Markt der Regionalzeitungen in einer "aktiven Konsolidierer-Rolle". 

DJV warnt vor "publizistischem GAU"

Der Deutsche Journalisten-Verband forderte Madsack am Freitag auf, alle vorhandenen journalistischen Arbeitsplätze zu erhalten. "Die Bündelung der Berichterstattung ist ein Schlag gegen die Medienvielfalt", erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. "Wenn in den Mantelteilen von Hannoverscher Allgemeinen, 'Ostsee-Zeitung' und 'Kieler Nachrichten' die gleichen Inhalte geliefert würden, wäre das ein publizistischer GAU." Zu befürchten wäre, dass die Attraktivität des Mediums Zeitung weiter sinken würde. "Wir erwarten von der Madsack-Geschäftsführung, dass sie ihre Pläne überdenkt und sorgfältig die Risiken abwägt. Keinesfalls dürfen journalistische Arbeitsplätze untauglichen Zukunftsvisionen geopfert werden."

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