"Chefkoch" und "Das Kochrezept" im kress-Check: Wiener Schnitzel vs. Schnitzel Wiener Art

 

Nett ist das nicht: Einen Tag vor dem Start von Gruner + Jahrs "Chefkoch"-Magazin hat Burda am Mittwoch überraschend "Das Kochrezept" ans Büdchen gebracht. Die beiden konkurrierenden Titel sind Print-Ableger von Websites, deren Inhalte jeweils überwiegend Hobbyköche beisteuern.

Nett ist das nicht: Einen Tag vor dem Start von Gruner + Jahrs "Chefkoch"-Magazin hat Burda am Mittwoch überraschend "Das Kochrezept" ans Büdchen gebracht (kress.de vom 7. Oktober 2013). Die beiden konkurrierenden Titel sind Print-Ableger von Websites, deren Inhalte jeweils überwiegend Hobbyköche beisteuern. Im Hinblick auf die Zahl der Nutzer trennen Burdas "DasKochrezept.de" und Gruners "Chefkoch.de" allerdings Welten: "DasKochrezept.de" kam im Juli laut Agof auf 0,76 Mio Unique User, Marktführer "Chefkoch.de" schaffte 10,03 Mio.

Mit dem "Kochrezept"-Magazin ist Burda dem übermächtigen Wettbewerber knapp zuvorgekommen, aber qualitativ liegt G+J vorne. Mit den beiden Heften verhält es sich nämlich wie mit Schnitzel Wiener Art und Wiener Schnitzel - unter der Panierung sind sie ganz verschieden: Das "Chefkoch"-Magazin ist enger und besser mit der Website verzahnt, bezieht die Hobbykoch-Community mit ein und bietet mehr Service als sein Pendant.

Zur Panierung: Auf den ersten Blick gleichen sich beide Magazine. Sowohl "Das Kochrezept" als auch "Chefkoch" sind eine um Service-Seiten ergänzte Sammlung von Rezepten für handfest-herzhafte Gerichte, die zumeist leicht zu kochen sind. Beide Hefte sollen den Hunger breiter Schichten stillen und monatlich in großer Auflage ("Das Kochrezept": 250.000/"Chefkoch": 300.000 Exemplare) zum kleinen Preis (1,30/1,50 Euro) erscheinen.

Unterschiedliches Fleisch unter der Panierung

Doch kratzt man die Panierung ab, stößt man auf unterschiedliches Fleisch: Die "Chefkoch"-Rezepte stammen tatsächlich aus der "Chefkoch.de"-Community. G+J-Profiköche haben sie nachgekocht, teilweise modifiziert und geben manchmal ihren Senf dazu. Chefredakteur Jan Spielhagen und seine Redaktion veröffentlichen auch die Namen der Verfasser, die Bewertung der Rezepte bei "Chefkoch.de" und die Zahl der Aufrufe dort. In manchen Fällen haben sie auch die gewöhnungsbedürftigen ursprünglichen Bezeichnungen der Gerichte beibehalten, etwa "ganz 'feige' Rinderroulade" oder "Mafia-Penne". Kleine Einfälle runden den Geschmack ab: "Chefkoch" informiert seine Leser auch über den Preis der Zutaten, und über einen QR-Code lassen sich Einkaufszettel für die Gerichte aufs Smartphone beamen.

Nichts dergleichen findet sich bei "Das Kochrezept" - dieses Schnitzel Wiener Art ist nicht einmal richtig durchgebraten. Die Verbindung zwischen Heft und Website ist lose und die Herkunft der Rezepte wird nicht dokumentiert - unsere Stichproben ergaben als Quelle zumeist die Burda-Food-Zeitschrift "meine familie & ich".

Die Wahrscheinlichkeit, dass aus "Chefkoch.de"-Nutzern "Chefkoch"-Leser werden, ist also größer als beim Pendant, denn G+J bietet schlichtweg mehr Kaufanreize für die Community und das durchdachtere Produkt: In "Chefkoch" findet sich eine Auswahl der besten Rezepte der Website, die von Profis überprüft und angemessen in Szene gesetzt sind. Wunschlos glücklich sind wir mit dem Magazin aber nicht, es bleibt zumindest eine offene Frage: Welchen Kürbis nimmt man am besten für die Kürbis-Lasagne auf Seite 31?

Ihre Kommentare
Kopf

Krass Report

10.10.2013
!

Herrlich krass daneben ist der kress, wenn er Branchenfremde rezensieren lässt: Panade ist ein Füll- und Lockerungsmittel z.B. aus eingeweichtem Weißbrot oder Brötchen für Hackmassen (gefüllte Kalbsbrust, Kohlrouladen etc.). Das Schnitzel, Wiener wie Wiener Art, wird umhüllt von der Panierung. Dafür muss man kein Chefkoch sein, kann es dort aber nachlesen:

http://www.chefkoch.de/forum/2,57,457535/Panade-Panierung-Filieren-Filetieren.html


Henning Kornfeld

Henning Kornfeld

Medien- und Wirtschaftsjournalist

10.10.2013
!

Der branchenfremde Hobbykoch bedankt sich für die Aufklärung und hat sich erlaubt, den Text neu und angemessen zu panieren!


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