WDR-Intendant Tom Buhrow im "Spiegel": "Es ist intellektuelle Mode, auf die ARD einzuhauen"

13.10.2013
 

Nach hundert Tagen im Amt hat sich WDR-Intendant Tom Buhrow im "Spiegel" zu seinem Wandel vom Journalisten zum Manager geäußert."Ich wusste, dass dieser Job eine extreme Herausforderung ist. Aber die tatsächliche Wucht des Amtes hat mich dann doch überrascht", sagt Buhrow. Er sagt auch, dass ihn die öffentliche Kritik an der ARD "deutlich nerve".

Nach hundert Tagen im Amt hat sich WDR-Intendant Tom Buhrow im "Spiegel" zu seinem Wandel vom Journalisten zum Manager geäußert."Ich wusste, dass dieser Job eine extreme Herausforderung ist. Aber die tatsächliche Wucht des Amtes hat mich dann doch überrascht", sagt Buhrow im Gespräch mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin.

Seine schlimmste Versuchung sei der Aktionismus gewesen: "Je größer die Aufgabe ist, umso gewaltiger ist der Sog zu zeigen, dass man da ist, dass man kraftvoll und entschlossen agiert. Dem zu widerstehen, ist unvorstellbar schwer." "Ich musste mich zwingen, erst einmal zu lernen, bevor ich handle. Da musste ich komplett gegen meinen Instinkt angehen. Das hat mich unglaublich viel Kraft gekostet."

Um den Posten gerissen hat Buhrow sich nach eigenen Angaben nicht. "Mich hat es nie in die Hierarchien gezogen. Man kann auch ganz platt sagen: Ich bin nicht machtgeil, kein bisschen. Doch auch wenn sich das jetzt ganz unbescheiden anhört: Ich habe irgendwann eingesehen, dass ich mich nicht länger wehren konnte, dass der WDR jetzt einen wie mich braucht. Einen Kommunikator."

"Die Rasenmähermethode ist nur eine Notmaßnahme"

Um das potentielle Milliardenloch im Etat des WDR zu verringern, hat Buhrow vergangene Woche harte Kürzungen angekündigt (kress.de vom 8. Oktober 2013). "Doch es ist auch keine Dauerlösung, den Gürtel immer enger zu schnallen. Wir müssen eine Diät machen, damit der Gürtel wieder bequem passt. Sonst schnürt man sich die inneren Organe ab, nichts wird mehr durchblutet, man wird krank und dann läuft gar nichts mehr.  Die Rasenmähermethode ist nur eine Notmaßnahme für eine begrenzte Zeit, damit wir Luft kriegen, um strukturelle Maßnahmen zu ergreifen", erklärt er seine Strategie.

"Kollegen, lasst euch nicht kleinreden"

Vor Kritik fürchte er sich weniger, die sei er gewohnt. "Schon als "Tagesthemen"-Moderator wurde ich unweigerlich von allen Seiten kritisiert. Von dem Tag an, als ich den Job hatte, war mein Skalp auf einmal wertvoll." Dabei habe er eines gelernt: "Wenn der Kern deines Charakters angegriffen wird, dann mach keinen Millimeter Kompromiss! Dann schalte auf Angriff! Weil das, was du in deinem Innersten bist, am Ende und auch für deinen Job das einzig Wichtige ist. Sich selbst zu verleugnen, ist das Rezept für Scheitern. Und das habe ich hier am ersten Tag den Kollegen gesagt: Lasst euch nicht kleinreden."

Auf die "Spiegel"-Kritik am "einfallslosen ARD-Hauptprogramm" antwortet Buhrow: "Unser Programm ist viel besser als des die öffentliche und auch Ihre Kritik jetzt nahelegt. Aber das Erste kann ruhig etwas frecher sein, das muss nicht die 'Traumhochzeit' sein. Ich hätte es etwa klasse gefunden, wenn Olli Dittrich sein Konzept fürs 'Frühstücksfernsehen' der ARD schon viel eher hätte durchsetzen können." Veränderung gehe nicht zuerst und allein über Konzepte, sondern auch über Köpfe. Man müsse die Leute das machen lassen, worin sie gut seien, wo sie selbst hinwollten, so Buhrow.

"Mit dem Kauf von 'Breaking Bad' sind nicht alle Probleme gelöst"

Buhrow findet zwar international gefeierte Serien wie "Homeland" und "Breaking Bad" "toll" und "weiß, dass sie süchtig machen". Er weist aber darauf hin, dass sie extrem teuer seien und meist nicht besonders tolle Quoten hätten. "Ich glaube, es ist ein Fehlschluss zu glauben, wir kaufen diese Serien und dann sind alle Probleme gelöst."

"Das Reflexartige der Kritik an der ARD nervt"

Buhrow sagt im "Spiegel"-Gespräch weiter, dass ihn die öffentliche Kritik an der ARD "deutlich nerve". Das sei ein bisschen eine Modeerscheinung. Jahrzehntelang sei der öffentlich-rechtliche Rundfunk das Nonplusultra gewesen, "wenn man da landete, war das großartig. Jetzt ist es auf einmal intellektuelle Mode, auf die ARD einzuhauen und sich darüber zu amüsieren, dass sie sich noch nicht einmal wehrt". Buhrow nervt "das Reflexartige der Kritik". Aber er hat Hoffnung: "So langsam kommen wir in eine Phase, wo es sich ein bisschen totläuft."

Ihre Kommentare
Kopf
Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

13.10.2013
!

"intellektuelle Mode, die ARD zu kritisieren" - nun ja, so spricht man, wenn man keine fundierte Argumente gegen berechtigte Kritik liefern kann. Gründe zur Kritik liefern die öffentlich rechtlichen doch am laufenden Band, und da dieser Moloch schon seit langem ein Staat im Staate ist, und sich unverfroren bedient und rigide herrscht, ist tägliche Kritik angebracht und eine Pflicht für Demokraten. Auch öffentlichrechtliches TV ist wie die übrige Politik eine Lobbykratie geworden...


TV-Querulant

15.10.2013
!

Tja, wenn man einzig Ollie Dittrich als Garant für Qualität anbieten kann, spricht das wohl Bände. Hier werden Pfründe verteidigt nach dem Motto: "Wir feiern hier 'ne Party, und du bist nicht dabei."


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