"Einseitige Darstellung des Landes": Stefan Aust wegen Aserbaidschan-Doku in der Kritik

 

Im vergangenen Jahr hat N24 eine Doku über Aserbaidschan gezeigt, bei der das Regime um Ilham Aliyev erstaunlich gut weg kam. Nun wird N24-Miteigentümer Stefan Aust dafür von Experten im NDR-Medienmagazin "Zapp" kritisiert. Sie sagen, die Darstellung des Landes sei "einseitig" gewesen und erinnere an "Propaganda von der Regierung in Baku".

Im vergangenen Jahr hat N24 eine Doku über Aserbaidschan gezeigt, bei der das Regime um Ilham Aliyev erstaunlich gut weg kam. Nun wird N24-Miteigentümer Stefan Aust dafür von Experten im NDR-Medienmagazin "Zapp" kritisiert. Sie sagen, die Darstellung des Landes sei "einseitig" gewesen und erinnere an "Propaganda von der Regierung in Baku".

In der 45-minütigen Doku "Unterwegs im Land des Feuers - Unbekanntes Aserbaidschan", die von Stefan Austs Firma Agena Media produziert wurde, kommen sieben Vertreter des staatlichen Ölkonzerns sowie der aserbaidschanische Außenminister zu Wort. Oppositionelle oder Kritiker der Regierung finden sich in der Doku nicht wieder. 

Uwe Halbach von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik moniert, dass der Film "konsequent alle kritischen Fragen" ausblende und wie ein "Werbefilm" des Regimes wirke. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer, der bis Januar 2013 aus Sonderberichterstatter des Europarates für die Lage der politischen Gefangenen in Aserbaidschan war, zeigt sich "entsetzt". "Eine derartige Werbung ist aus meiner Sicht schon fast unsittlich", sagt er. Mit objektivem Journalismus habe der Film nichts zu tun. 

"Keine Zuschüsse von dritter Stelle"

Ein im Berliner Exil lebende Oppositionelle sagt, die Doku wirke wie "von der Regierung in Baku bezahlt". Diesem Vorwurf tritt die Agenda Media entschieden entgegen: Es habe "keine Zuschüsse von dritter Seite" gegeben. Der staatliche Ölkonzern Socar habe lediglich "logistische Unterstützung" geleistet und Archivmaterial zur Verfügung gestellt. Nach der Ausstrahlung habe Socar Rohmaterial gekauft, das der Konzern "für eigene Zwecke" habe verwenden wollen, sagt die Produktionsfirma. 

Der Film beschäftige sich "vor allem mit der Geschichte und der Kultur des Landes", heißt es aus dem Unternehmen. Kritik am Vorgehen der Regierung finde seinen Platz in den aktuellen Nachrichtensendungen von N24.

Hintergrund: Im Juni 2010 verkaufte die ProSiebenSat.1-Gruppe im Rahmes eines Management-Buy-Outs N24 an Stefan Aust und den Geschäftsführer des Nachrichtensenders, Torsten Rossmann (kress.de vom 16. Juni 2010). Beide halten jeweils 26 Prozent an N24. Frank Meißner (Produktion und Technik), Karsten Wiest (Finanzen), Maria von Borcke (Maz&More) und Thorsten Pollfuß (Agenda Media) halten je 12 Prozent am Nachrichtensender.

Update, 13.14 Uhr: Gegenüber "Meedia" hat sich Stefan Aust nun geäußert, er kann die Kritik an dem Film nicht nachvollziehen. Eine Doku für N24 müsse man so produzieren, dass sie über einen längeren Zeitraum hinweg ausgestrahlt werden könne. "Dieselbe Kritik könnte der NDR übrigens an seine eigene Berichterstattung über den Song Contest in Baku anlegen, dort ist auch nicht in jeder Übertragung auf Menschenrechtsverletzungen hingewiesen worden", so Aust. 

Es könne nicht in jedem Film über alles berichtet werden. Mit einer kritischen Doku über Aserbaidschan habe er keine Probleme, für einen Auftrag des NDR stehe er zur Verfügung, sagt Aust.

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